Montag, 25.06.2012

Viertelfinale: England - Italien

Italien erweckt die Geister von 2006

Es war schon weit nach Mitternacht, als bei Gianluigi Buffon das Funkeln in den Augen zurückkehrte. "Germania" kam zur Sprache, und schon war der viermalige Welttorhüter wieder hellwach. "Deutschland ist eine außergewöhnliche Mannschaft, aber im Halbfinale ist alles möglich", sagte Buffon mit Blick auf den Klassiker gegen die deutsche Nationalmannschaft am kommenden Donnerstag (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) in Warschau.

Gigi Buffon hielt den Elfmeter von Ashley Cole und machte so den Weg frei ins Halbfinale
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Gigi Buffon hielt den Elfmeter von Ashley Cole und machte so den Weg frei ins Halbfinale

Dass es überhaupt zu einer Neuauflage dieses ewigen Duells kommt, daran hatte Buffon entscheidenden Anteil. Es war seine Parade gegen Ashley Cole, die im Elfmeterschießen den Weg zum 4:2-Sieg ebnete, ganz zu schweigen von seiner fehlerfreien Leistung in den 120 Minuten zuvor.

Nun also wieder Deutschland, an das der 34-Jährige nur großartige Momente verknüpft. Sechs Jahre ist es her, als der Schlussmann im Berliner Olympiastadion den WM-Pokal in die Höhe stemmen durfte. Auch damals herrschte in Italien wie heute nach einem Wett- und Manipulationsskandal vor Turnierbeginn Weltuntergangsstimmung, und auch damals hieß im Halbfinale der Gegner Deutschland.

Die Geschichte ist bekannt, durch ein 2:0 hatte die "Squadra Azzurra" dem deutschen Sommermärchen ein abruptes Ende gesetzt. Es war der geniale Pass von Andrea Pirlo auf Fabio Grosso zur italienischen Führung in der 118. Minute, der Deutschland mitten ins Herz traf.

Und jener Pirlo, der bei seinem langjährigen Klub AC Mailand bereits abgeschrieben und zu Juventus Turin abgeschoben worden war, erlebt pünktlich zur Wiederbelebung des stets brisanten Aufeinandertreffens seine persönliche Renaissance.

Pirlo wie einst anno 2006 der überragende Mann

Pirlo hält in der italienischen Zentrale wieder die Fäden in der Hand, so wie er es in überragender Manier einst beim Titelgewinn in Deutschland gemacht hatte. 117 Pässe waren ihm gegen England gelungen, was der mit Abstand beste Wert des Abends war. Mit gestochen scharfen Hereingaben hatte er dabei die englische Hintermannschaft immer wieder in die Bredouille gebracht.

Die Pressestimmen zum Viertelfinale England - Italien
Die "Sun" hat keinen Bock mehr auf Fußball: "Hat jemand Lust auf Tennis? England verliert schon wieder im Elfmeterschießen. Die erschütterten englischen Fans können sich mit der Perspektive auf die Olympischen Spiele in London trösten"
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Die "Sun" hat keinen Bock mehr auf Fußball: "Hat jemand Lust auf Tennis? England verliert schon wieder im Elfmeterschießen. Die erschütterten englischen Fans können sich mit der Perspektive auf die Olympischen Spiele in London trösten"
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Der "Mirror" hadert mit dem Schicksal: "Verflucht, verflucht, verflucht. Es scheint, als wäre England zum ewigen Schicksal verdammt, den ultimativen Nerventest zu verlieren - egal, wie der Trainer heißt oder wer die Spieler sind."
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Der "Mirror" hadert mit dem Schicksal: "Verflucht, verflucht, verflucht. Es scheint, als wäre England zum ewigen Schicksal verdammt, den ultimativen Nerventest zu verlieren - egal, wie der Trainer heißt oder wer die Spieler sind."
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"The Telegraph": "England hat im Pokerspiel mit dem Teufel schlechte Karten, wie die erneute Niederlage im Elfmeterschießen beweist."
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"The Telegraph": "England hat im Pokerspiel mit dem Teufel schlechte Karten, wie die erneute Niederlage im Elfmeterschießen beweist."
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La Repubblica: "Großes Italien. Die öden Engländer traten an, um nicht zu spielen. Für sie war es schon ein halbes Wunder, das Elfmeterschießen zu erreichen."
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La Repubblica: "Großes Italien. Die öden Engländer traten an, um nicht zu spielen. Für sie war es schon ein halbes Wunder, das Elfmeterschießen zu erreichen."
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"Corriere dello Sport" huldigt Andrea Pirlo: "Klasse, Genie, Boss". Und jubelt: "Italia grandissima. Der Enthusiasmus explodiert im ganzen Land. Es gibt einen Fußballgott, soviel ist sicher."
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"Corriere dello Sport" huldigt Andrea Pirlo: "Klasse, Genie, Boss". Und jubelt: "Italia grandissima. Der Enthusiasmus explodiert im ganzen Land. Es gibt einen Fußballgott, soviel ist sicher."
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"Gazzetta dello Sport": "Italien gewinnt mit Herz, Klasse und Biss. Es wäre schön, den Deutschen zu zeigen, dass wir keine Lektionen benötigen"
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"Gazzetta dello Sport": "Italien gewinnt mit Herz, Klasse und Biss. Es wäre schön, den Deutschen zu zeigen, dass wir keine Lektionen benötigen"
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Spaniens "As" freut sich: "Das letzte Viertelfinale brachte eine gute Nachricht: Pirlo bleibt bei der Europameisterschaft."
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Spaniens "As" freut sich: "Das letzte Viertelfinale brachte eine gute Nachricht: Pirlo bleibt bei der Europameisterschaft."
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"Marca": "Das Elfmeterschießen übt Gerechtigkeit am Italia bella. Prandelli hat einige populäre Vorurteile zum italienischen Fußball über Bord geworfen."
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"Marca": "Das Elfmeterschießen übt Gerechtigkeit am Italia bella. Prandelli hat einige populäre Vorurteile zum italienischen Fußball über Bord geworfen."
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Die "Sports Illustrated" bemüht den Darwin-Vergleich: England muss sich im Elfmeterschießen anpassen - oder aussterben.
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Die "Sports Illustrated" bemüht den Darwin-Vergleich: England muss sich im Elfmeterschießen anpassen - oder aussterben.
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Die "Bild" wie immer martialisch: Am Donnerstag ist Judgement Day!
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Die "Bild" wie immer martialisch: Am Donnerstag ist Judgement Day!
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Für Holland gibt es bei der EM nichts zu jubeln. Dementsprechend nüchtern ist die Schlagzeile von "Voetbal International"
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Für Holland gibt es bei der EM nichts zu jubeln. Dementsprechend nüchtern ist die Schlagzeile von "Voetbal International"
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Doch die Krönung bewahrte er sich für das Elfmeterschießen auf. Eiskalt versetzte er Joe Hart im Stile von Antonin Panenka, als er den Ball in aufreizender Lässigkeit in die Mitte des Tores löffelte, während Englands verdutzter Keeper Hart ins Leere sprang. So war es einst auch Sepp Maier im EM-Finale 1976 gegen die CSSR ergangen.

Er habe gesehen, dass sich der Torhüter früh in die Ecke bewegt habe. Also habe er sich noch anders entschieden, merkte Pirlo an. Eine Qualität, die die englischen Nationalspieler wie viele ihrer Vorgänger beim Nervenspiel vom Elfmeterpunkt nicht in ihrem Repertoire hatten. So kam es, wie es fast immer kam. Zum sechsten Mal im siebten Versuch ereilte die Engländer der K.o. auf derart tragische Weise.

Déja-vu für die Three Lions

"Elfmeterschießen ist für uns im englischen Fußball zu einer Obsession geworden. Wir hatten fünf gute Schützen. Wir waren überzeugt von ihnen. Im Training haben sie es alle gut gemacht, aber man kann müde Beine, Druck und angespannte Nerven nicht simulieren", haderte Teammanager Roy Hodgson.

So geht in England das Warten auf einen großen Erfolg unvermindert weiter. 46 Jahre sind seit dem WM-Triumph von Wembley vergangen, und sogar der letzte Halbfinal-Einzug liegt schon 16 Jahre zurück.

Den Italienern lieferte dagegen das 23. Aufeinandertreffen mit den "Three Lions" viele schöne Randaspekte. Wie etwa Skandalspieler Mario Balotelli, der mehrere Großchancen vergab, um schließlich im Elfmeterschießen gegen seinen Vereinskollegen Hart von Manchester City zu treffen. Oder etwa der 29-jährige Alessandro Diamanti, der in seinem erst dritten Länderspiel den entscheidenden Elfmeter verwandelte.

Prandelli: "Deutschland und Spanien sind die Favoriten"

Doch bei aller Tragik, unverdient war der Ausgang des Spiels keineswegs. Man habe mehr investiert, betonte Pirlo und blickte mit Vorfreude auf den nächsten Gegner: "Deutschland ist eine hervorragende Mannschaft. Sie hatten bislang keine Probleme, aber es ist ein Halbfinale bei einer EM."

Auch Nationaltrainer Cesare Prandelli nahm nur allzu gern die Außenseiterrolle ein. "Deutschland und Spanien sind die Favoriten, aber wenn wir mit der gleichen Leidenschaft spielen, haben wir eine Chance. Wir sind bereit", sagte Prandelli und beklagte, dass die DFB-Auswahl zwei Tage mehr Pause hatte. Aber auf diese Spiele habe die italienische Auswahl schließlich zwei Jahre hingearbeitet.

Zwei Jahre, in denen Prandelli dem viermaligen Weltmeister ein komplett neues Erscheinungsbild verliehen hat. "In Italien wollen inzwischen viele Trainer Fußball spielen lassen und nicht nur ein Ergebnis erzielen. Man kann gewinnen oder verlieren, aber Italien will Fußball spielen", ergänzte Prandelli.

England - Italien: Daten zum Spiel


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