Gruppe C: Spanien - Irland

Starke Spanier überrollen Irland

Von Thomas Gaber / Stefan Petri
Donnerstag, 14.06.2012 | 22:35 Uhr
Fernando Torres erzielte in der 4. Minute den Führungstreffer für Spanien
© Getty
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Spanien hat bei der EM 2012 im zweiten Gruppenspiel den ersten Sieg gelandet. Der Titelverteidiger besiegte Irland mit 4:0 (1:0) und sorgte dafür, dass die Iren als erste Mannschaft nicht mehr die K.o.-Phase dieser EM erreichen kann. Fernando Torres (4./70.), David Silva (49.) und Cesc Fabregas (82.) erzielten die Tore für Spanien.

Im bisher einseitigsten Spiel der EURO 2012 war Spanien über die gesamte Spielzeit klar überlegen und hätte bei besserer Chancenverwertung noch höher gewinnen müssen.

Die Iren können zwar nicht mehr das Viertelfinale erreichen, im letzten Gruppenspiel gegen Italien aber das Zünglein an der Waage spielen.

Analyse: Mandzukic schockt Italien

Die Reaktionen:

Vicente del Bosque (Trainer Spanien): "Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Unser Ziel war, nach zwei Spielen ein bessere Torverhältnis zu haben als Kroatien. Das haben wir geschafft. Und wir haben in den ersten beiden Spielen gezeigt, dass wir mit und ohne Mittelstürmer gute Leistungen bringen können."

Fernando Torres (Spanien): "Wir hatten riesen Lust, dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben sehr gut gespielt. Ich bin froh, dass ich zwei Tore geschossen habe, aber viel wichtiger ist, dass die Mannschaft funktioniert."

Keith Andrews (Irland): "Größten Respekt vor Spanien. Das ist die beste Mannschaft in Europa. Wir haben alles versucht, aber gegen diese Spanier hat nichts funktioniert. Wir sind sehr stolz auf unsere tollen Fans, die uns zehn Minuten vor Spielende laut gefeiert haben. Unglaublich!

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Spanien diesmal mit "echter" Neun. Fabregas muss im Sturm Platz machen für Torres. Ansonsten setzt Del Bosque auf die Spieler, die auch gegen Italien begannen.

Auch die Iren nehmen eine Veränderung im Angriff vor. Cox ersetzt Doyle als Sturmpartner von Kapitän Keane.

4., 1:0, Torres: Iniesta mit dem Steilpass auf Silva, der von Dunne abgegrätscht wird. Dann spritzt Torres dazwischen, umkurvt rechts auch noch Ward und haut den Ball humorlos über den Schädel von Given in die kurze Ecke. Kapitaler Aussetzer der Abwehr.

45.: Diesmal zieht Iniesta aus 17 Metern ab, Given lenkt die Kugel mit dem Fingerspitzen über die Latte.

49., 2:0, Silva: Einen Schuss von Torres lässt Given zu Silva prallen, der am Elfmeterpunkt steht. Drei Iren sind vor ihm, einer krabbelt am Boden, der zweite greift nicht an und der dritte macht die Beine breit. Da durch schiebt Silva den Ball ins linke Eck.

55.: Arbeloa schiebt den Ball von rechts mit Schmackes in die Mitte. Silvas Schuss wird abgeblockt, Xavis scharfen Nachschuss aus elf Metern holt Given mit einem Wahnsinns-Reflex aus dem linken unteren Eck.

62.: High life im irischen Strafraum. Zuerst will Torres mit der Hacke einnetzen, dann kommt der Ball zu Busquets, der haarscharf am linken Pfosten vorbeizielt.

70., 3:0, Torres: Zucker-Pässchen von Silva in den Lauf zu Torres, der den Ball aus zehn Metern rechts an Given vorbei ins untere Eck schiebt.

82., 4:0, Fabregas: Die Ecke von rechts legt Xavi flach in den Strafraum. Fabregas geht dem Ball entgegen, nimmt ihn mit und nagelt ihn mit Vollspann aus spitzem Winkel ins linke Eck.

Fazit: Starker Auftritt der Spanier gegen heillos überforderte Iren, die nie in die Zweikämpfe kamen und im Angriff nicht existent waren.

Der Star des Spiels: Fernando Torres. Vor wenigen Wochen war der Stürmer noch weit weg von seiner Bestform und saß bei Chelsea oft nur auf der Ersatzbank. Aber rechtzeitig zur EM ist Torres in Topform. Sein erster Schuss war gleich drin, sein Bewegungsradius enorm. Torres wich immer wieder auf die Seiten aus und wurde in viele Angriffe der Spanier eingebunden.

Der Flop des Spiels: Sämtliche Mitglieder der irischen Viererkette. Dunne ließ sich beim ersten Gegentor albern den Ball klauen, St. Ledger machte den Maikäfer beim zweiten, Arbeloa lief Ward immer wieder im Rücken weg und O'Shea bekam von Iniesta Knoten in die Beine gespielt. Die irische Defensive war der Angriffswelle der Spanier in keiner Phase des Spiels gewachsen.

Der Schiedsrichter: Pedro Proenca. Der Portugiese, der am 19. Mai das Champions-League-Finale leitete, hatte bei seinem ersten Einsatz bei dieser EM keinerlei Probleme mit einer fairen Partie. Die Gelben Karten für Keane und Whelan waren berechtigt, die für Xabi Alonso leicht überzogen.

Die Trainer:

Vicente del Bosque: Ob aus eigenen Antrieb oder als Reaktion auf die Kritik in der Heimat - Del Bosques Entschluss, mit Torres einen seiner vier Stürmer zu bringen, zahlte sich aus. Mit "echter" Neun hatte das spanische Mittelfeld einen Abnehmer für die Zuspiele und mehr Raum zum kombinieren, da Torres sich viel bewegte und oft mindestens zwei irische Abwehrspieler aus dem Zentrum zog.

Giovanni Trapattoni: Rückte vom klassischen 4-4-2 ab, um mit Cox als hängender Spitze einen zusätzlichen Spieler zu haben, der bei Ballbesitz Spanien das Kurzpassspiel der Iberer im Mittelfeld stören sollte. Für dieses taktische Mittel war der Tausch im Sturm logisch: Cox ist beweglicher und schneller als Doyle, der gegen Kroatien hauptsächlich in vorderster Front auf Bälle wartete. Weil Cox aber nur hinterherlief, brachte Trap zur Pause Walters. Auch der konnte die irische Defensive nicht entlasten.

Das fiel auf:

  • Die Iren begannen rustikal. Nach dem frühen Gegentor kamen die Mittelfeldspieler allerdings kaum in die Zweikämpfe und bekamen trotz Überzahl in Ballnähe keinen Zugriff.
  • Während die Iren hauptsächlich hohe Bälle Richtung spanischen Strafraum schlugen, um die Größenvorteile auszunutzen, verzichteten die Spanier auch den meisten Eckbällen auf den hohen Ball. Stattdessen wurden die meisten Standards kurz ausgeführt.
  • Spanien schaffte es immer wieder, in den Raum zwischen den beiden irischen Ketten zu gelangen, indem Xavi, Alonso oder Silva eine Linie weiter nach vorn gingen.
  • Spanien zog sein Spiel asynchron auf, ließ die rechte Seite fast immer frei, um damit Platz für den anlaufenden Arbeloa zu lassen und den Ball hoch über die Abwehr der Iren in deren Rücken zu spielen. Ähnlich wie es der FC Barcelona mit Dani Alves praktiziert. Wenn Arbeloa durchlief, griff Spanien mit vier Stürmern auf einer Linie an: Iniesta links, Torres und Silva in der Mitte, Arbeloa rechts.
  • Immer dann, wenn Irland sich mal den Ball erkämpfte und ein gepflegtes Aufbauspiel versuchte, war der Ball sofort wieder weg. Das Spiel ohne Ball der Iren war dann gegen früh attackierende Spanier war eine Katastrophe.
  • Spanien schlug ein höheres Tempo an als gegen Italien. Die Außenverteidiger nutzten ihre nicht vorhandenen Defensivaufgaben für viele Vorstöße. Dadurch war das Spiel der Spanier nicht so zentrumslastig.
  • Allerdings übertrieben es die Spanier es ab und an mit dem Kurzpassspiel. Chancen für einen simplen Torabschluss ergaben sich zur Genüge, ein Muster an Zielstrebigkeit waren die Angriffe vor allem in der ersten Halbzeit nicht. Alle vier Treffer entsprangen irischer Schlafmützigkeit und weil Spanien bei den zweiten Bällen viel entschlossener war - einer der Schlüssel für den exorbitant hohen Ballbesitz des Titelverteidigers.

Spanien - Irland: Daten zum Spiel

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