Niederlande verpatzt den Auftakt

Von Fatih Demireli / Stefan Petri
Samstag, 09.06.2012 | 19:52 Uhr
Krohn-Dehli schoss Dänemark zum Sieg gegen die Niederlande
© Getty
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Dänemark ist die erste Überraschung der EM 2012 geglückt. Im Duell der deutschen Gruppengegner siegten die Dänen mit 1:0 (1:0) gegen die Niederlande. Michael Krohn-Dehli schoss in der 23. Minute das einzige Tor in Charkiw. Die Niederlande steht im Spiel gegen Deutschland am Mittwoch damit schon mit dem Rücken zur Wand.

Zumindest war es dem niederländischen Youngster Jetro Willems vorbehalten, Geschichte zu schreiben. Der 18-Jährige avancierte zum jüngsten Spieler der EM-Geschichte und löste damit den Belgier Enzo Scifo ab.

Reaktionen:

Bert van Marwijk (Trainer Niederlande): "Wir haben alles probiert. Wir hatten sehr viele Chancen. Kurz vor dem Ende ist uns ein Elfmeter verweigert worden. Wir müssen jetzt die Wunden lecken."

Morten Olsen (Trainer Dänemark): 2Ich bin sehr stolz und glücklich. Es war eine fantastische Leistung meiner Mannschaft. Natürlich hatten die Holländer ihre Chancen, aber die hatten wir auch."

Arjen Robben: Ich will nicht über das Champions-League-Finale reden, aber es sah genauso aus. Wenn die Dänen heute Abend im Bett liegen, werden sie sich selbst fragen: 'Wie haben wir das geschafft?' Es ist keine Blamage, aber ein Rückschlag. Es war wie ein schlechter Film."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Niederlande wie erwartet ohne Mathijsen, dafür Vlaar in der Innenverteidigung neben Heitinga. Vorne lässt van Marwijk Afellay für Kuyt auf der Außenbahn spielen. Dänemark ohne Überraschungen im 4-2-3-1 mit Bendtner als einzige Spitze.

3.: Van der Wiel legt von rechts in die Mitte ab, aus dem Hintergrund zieht Willems ab: Ein Schuss wie ein Strich, der aber über den Kasten geht.

23., 0:1, Krohn-Dehli: Poulsen geht über links, seine geblockte Flanke landet am Strafraum bei Krohn-Dehli. Der täuscht einen Schuss an und schickt Heitinga und van Bommel in die Leere! Der Weg in den Strafraum ist frei, sein Schuss vom linken Fünfereck geht durch Stekelenburgs Hosenträger.

39.: Afellay mit dem nächsten guten Ding! Eine Körpertäuschung lässt Agger alt aussehen, dann hämmert er den Ball aus 20 Metern knapp über den linken Pfosten.

43.: Van Persie bekommt den Ball von Sneijder frei vor Andersen. Ein sicheres Tor? Nein! Van Persie stoppt den Ball nicht richtig und kommt nicht mehr am herauseilenden Andersen vorbei.

63.: Punktgenaue Flanke von links auf den Kopf von Robben. Der bringt zwar ordentlich Druck hinter den Ball, zielt aber auch mehrere Meter links vorbei.

75.: Klasse Pass von Sneijder auf Huntelaar, der ist frei vor Andersen und will lässig lupfen, kommt aber nicht über den schon am Boden liegenden Keeper drüber. Unfassbar.

Fazit: Glücklicher Sieg für die Dänen, aber auch nicht unverdient, weil sie nach der Führung diszipliniert aufgetreten sind.

Der Star des Spiels: Michael Krohn-Dehli. Der Linksaußen war der offensiv gefährlichste Spieler der Dänen. Die wenigen Gefahrensituationen gingen von ihm aus. Gegen van der Wiel klarer Sieger. Sehr ansehnlich auch sein Tor zum 1:0, das letztlich zum Sieg führte.

Der Flop des Spiels: Robin van Persie. An Zuspielen mangelte es nicht, Afellay, Sneijder und Robben bedienten den Angreifer immer wieder, aber der Niederländer wirkte seltsam verunsichert. Auffällig negative Körpersprache, viele ungewohnte technische Fehler und eine verheerende Abschlussschwäche. Auch die Standards funktionierten nicht.

Der Schiedsrichter: Damir Skomina aus Slowenien agierte fast fehlerfrei, hatte eine sehr gute Übersicht. Kam mit einer einzigen Gelben Karte (für van Bommel) aus und übersah lediglich van Persies Ellbogenschlag gegen Agger. Nicht erst seit diesem Spiel ein Kandidat für das Finale. Der nicht gegebene Handelfmeter (Jacobsen gegen Huntelaar) war vertretbar.

Die Trainer:

Bert van Marwijk: Der Niederländer entschied sich gegen Kuyt und damit für Afellay, um insgesamt etwas kreativer aufzutreten. Womöglich aber auch, weil der Barca-Profi besser zu van Persie passt. Robben blieb damit wieder die rechte Seite. Nur: Die Vielseitigkeit und die Rochade der Offensivspieler hatte zur Folge, dass die Organisation nicht gegeben war. Den Niederländern fehlte jegliche Struktur in der Offensive, wenn Spielmacher Sneijder mal nicht eingebunden war. Dass sie dennoch überlegen waren, ist ein Produkt individueller Überlegenheit gewesen. Die Einwechslungen von van der Vaart und Huntelaar kamen etwas zu spät, hatten jedoch auch nicht die erhoffte Wirkung.

Morten Olsen: Sechs Spieler in der Startelf gehörten auch bei der WM 2010 zur Stammmannschaft Dänemarks, von daher konnte Olsen nicht wirklich überraschen. Insgesamt lässt er aber etwas moderner spielen, zumal selbst Rommedahl beim Umschalten Aufgaben übernahm und nicht mehr der reine offensive Außenbahnspieler ist. Nach der Pause stellte er auf 4-6-0 um - mit Bendtner als Spielmacher in vorderster Front. Die Wechsel waren allesamt auf eine defensivere Ausrichtung programmiert. Das Konzept ging auf.

Das fiel auf:

  • Die Niederlande praktizierte sehr früh hohes Forechecking, so dass Dänemark große Schwierigkeiten im Aufbau hatte und in die eigene Hälfte gedrückt wurde. Selbst Oranjes defensivster Mittelfeldspieler eroberte mehrere Bälle in gegnerischer Strafraumnähe. Was zur Gefahr hätte führen können, blieb zunächst folgenlos, weil Dänemark aus den Räumen bei schnellem Ballgewinn kein Profit schlug.
  • Die Niederlande verpasste es, die Chancen in der Anfangsphase (vor allem durch Robben und van Persie) zu nutzen, um sich damit Sicherheit im Spiel zu verschaffen.
  • Das 0:1 offenbarte niederländische Defensivdefizite. Poulsen und Krohn-Dehli hebelten die niederländische Verteidigung beim ersten Vorstoß überhaupt aus, obwohl der Angriffsversuch eigentlich missglückt war. Van Bommels Einrücken verschaffte Überzahl, aber sowohl der Kapitän, als auch Heitinga fühlten sich nicht wirklich zuständig für Krohn-Dehli, so dass dieser durchmarschieren und abschließen konnte. Nicht nur in dieser Szene fehlte die Zuordnung.
  • Nach dem Gegentor war das niederländische Pressing dahin, weil Dänemark eine simple Lösung fand. Zimling ließ sich tief fallen, um den ersten Ball zu holen und schaltete sich so als (erste) Anspielstation dazwischen. Die niederländische Überlegenheit war damit dahin.
  • Sneijder überließ im Laufe der ersten Hälfte Afellay das Zentrum, damit dieser zu mehr Spielanteilen kommt. Folglich leitete Afellay eine Chance ein, schloss einmal selbst ab. Nach der Pause wich er wieder auf die Außenbahn aus.
  • Deutliche Überlegenheit nach der Pause für die Niederlande, weil van Bommel mehr Bewegung im Offensivspiel zeigte, aufrückte und somit Sneijder besser unterstützte. Das Problem der Niederlande: van Persie. Die Überlegenheit blieb ertraglos, weil der Arsenal-Star zu viele Chancen vergab.
  • Kvist und Zimling sehr fleißig in der Defensivarbeit, aber nach vorne ohne jegliche Aufbauhilfe. Daher konnten die Dänen auch nur bedingt bietende Räume schnell nutzen. Weil auch Eriksen keinen Zugriff fand, ließ sich Bentdner im Laufe der zweiten Hälfte als Zehner zurückfallen.
  • Etwas spät reagierte van Marwijk, brachte mit van der Vaart und Huntelaar zwei Offensive. Da de Jong raus musste hatte die Niederlande keine Absicherung - bis auf van Bommel, der auch noch Gelb vorbelastet war.

Niederlande - Dänemark: Daten zum Spiel

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