EM 2012, Gruppe A

Teamporträt Polen: Gastgeber = Geheimfavorit?

Von Adrian Bohrdt
Freitag, 08.06.2012 | 13:03 Uhr
Dortmunds Lukasz Piszczek (l.) wird während seiner Heim-EM besonders im Fokus stehen
© Getty
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Vom 8. Juni bis zum 1. Juli 2012 steigt in Polen und der Ukraine die 14. Fußball-Europameisterschaft. Zum letzten Mal vor der Aufstockung auf 24 Mannschaften spielen die 16 besten Mannschaften Europas in 4 Gruppen um den Titel. SPOX stellt die EM-Teilnehmer vor. Heute: Polen.

Land: Polen

Einwohner: 38,5 Millionen

Aktive Spieler: 400.000

EM-Teilnahmen: 3 (1960, 2008, 2012)

Größter EM-Erfolg: Achtelfinale (1960)

Hier geht's zu Polens EM-Gruppe A

Der Star: Robert Lewandowski. Der 23-Jährige hat eine absolute Sahnesaison hinter sich, steuerte in 34 Ligaspielen 22 Tore und 10 Vorlagen zur Dortmunder Meisterschaft bei. Solche Zahlen wecken Begehrlichkeiten, und so wird schon länger über die Zukunft des Stürmers spekuliert. Die Dortmunder Verantwortlichen schoben dem einen Riegel vor: "Robert wird definitiv bei uns bleiben", erklärte Sportdirektor Zorc. Selbst "auf jede Ablösesumme" wolle man laut Watzke verzichten. Jetzt sollen seine Tore Polen bei der EM weit bringen. "Ich fühle einen großen Druck vor diesem Turnier", weiß der 23-Jährige um die Bedeutung der EM zuhause, "aber ich bin sicher, mit ihm umgehen zu können". Klar ist aber auch: Trotz Vertrag bis 2014 beim BVB könnte eine starke Europameisterschaft für einige interessante Angebote sorgen.

Der Trainer: Franciszek Smuda. Seit Oktober 2009 ist der 63-Jährige, der auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, polnischer Nationaltrainer. Da Polen sich nicht für die WM 2010 qualifizierte und für die EM zuhause keine Qualifikation spielen musste, hat Smuda bisher nur Freundschaftsspiele als Nationaltrainer auf dem Konto: Von 31 Spielen wurden 12 gewonnen, bei 11 Remis und 8 Niederlagen. Seine aktive Karriere ließ er bei Greuther Fürth und dem VfB Coburg ausklingen. In den 90ern holte er zudem als Trainer in Polen drei Meisterschaften, und führte 1996 Widzew Lodz in die Champions League.

Der Kapitän: Jakub Blaszczykowski. Seit 2010 ist der 26-jährige Mittelfeldspieler Kapitän der polnischen Nationalmannschaft, jetzt darf er sein Team bei der Heim-EM auf den Rasen führen. "Das erste Spiel ist das allerwichtigste, es wird praktisch ein kleines Finale für uns sein", weiß Kuba um die Bedeutung eines guten Auftaktes. Seit 2007 ist Kuba bei Borussia Dortmund, sein Vertrag läuft noch bis 2013 - ein Wechsel im Sommer erscheint nicht ausgeschlossen. Kurz vor Beginn des Trainingslagers musste der Dortmunder allerdings einen Schicksalsschlag verkraften: Sein Vater starb einige Wochen vor Turnierbeginn. Die EM ist sein erstes großes Turnier, vor vier Jahren musste er verletzt passen. "Wir werden eine super Atmosphäre erleben. Die Zuschauer in Polen sind fantastisch", freut Kuba sich bereits auf die Stimmung im Heimatland.

Der Spieler im Fokus: Lukasz Piszczek. Steht im Fokus, bevor das erste EM-Spiel angepfiffen wird. In der Saison 2005/2006 war er in eine Spielmanipulation verwickelt, infolge welcher er sich selbst anzeigte und zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. "Es ist eine Schande, dass ein Spieler wie Lukasz Piszczek in der Nationalmannschaft spielt. Einer, der wegen Korruption rechtskräftig verurteilt wurde. Also kann man sagen, ein Verbrecher spielt in unserer Nationalmannschaft", ätzte die polnische Torhüterlegende Jan Tomaszewski, mittlerweile auch Abgeordneter im polnischen Parlament. Für Piszczek wird es also auch mental eine harte Prüfung - und nebenbei kann er noch beweisen, dass er mittlerweile auch auf internationalem Terrain zu den Top-Rechtsverteidigern Europas gehört.

Die Wunschelf (4-2-3-1): Szczesny - Piszczek, Wasilewski, Perquis, Boenisch (Wawrzyniak) - Polanski, Dudka - Blaszczykowski, Obraniak, Rybus - Lewandowski.

Die Prognose: Smuda gelang es, die chronischen Probleme in der polnischen Defensive abzustellen: Nur 1,19 Tore kassierte die Mannschaft unter ihm (trotz eines 0:6 gegen Spanien kurz vor der WM), elf Mal blieb sie ohne Gegentor. Nach langer Zeit hat Polen wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft, besonders mit den Stützen vom deutschen Meister aus Dortmund. Wenn der Start ins Turnier gelingt und der Funke auf die Fans überspringt, könnte Polen ein Geheimfavorit sein.

Polen: News und Informationen

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