Fussball

Kommentar zur EM-Vergabe 2024: Deutschlands nächste Chance

Von Martin Volkmar
Das Public Viewing wurde während der WM 2006 groß geschrieben.
© getty

Die EM 2024 wird in Deutschland ausgetragen. Eine logische Entscheidung, die nicht durch die WM-Affäre 2006 in Frage gestellt werden darf. Vielmehr hat Deutschland nun erneut die Chance auf Besserung. Ein Kommentar von SPOX-Chefredakteur Martin Volkmar.

Keine drei Wochen nach einer der größten Pleiten der deutschen Nationalmannschaft knallten beim DFB wieder die Korken. Es war der 6. Juli 2000, als Deutschland die Vergabe der WM 2006 für sich entschied.

Wie man heute weiß, wurde die Ausrichtung offensichtlich gekauft. Ein riesiger Schatten liegt seitdem über dem Sommermärchen vor zwölf Jahren.

Über ähnliche Praktiken bei der Vergabe der EM 2024 ist nichts bekannt und sie sind gerade nach den Erfahrungen von 2006 unwahrscheinlich - auch wenn hinter den Kulissen bis zuletzt um jede Stimme in der UEFA-Exekutive gerungen wurde.

Dass Deutschland am Ende deutlich mit 12:4 Stimmen zum Ausrichter der Euro in sechs Jahren gekürt wurde, war erwartet worden und ist nachvollziehbar. Gegen die Türkei sprach weniger die schlechtere Infrastruktur, sondern vor allem die autoritäre Herrschaft von Staatspräsident Recep Tayip Erdogan.

EM 2024 als Chance für Deutschland

Gegen Deutschland dagegen sprach der nicht aufgeklärte Stimmenkauf bei der WM 2006. Allerdings konnte das damalige Fehlverhalten einzelner Funktionäre mit Franz Beckenbauer an der Spitze kein entscheidender Grund sein, die gute deutsche Kandidatur abzulehnen.

Somit knallen erneut kurz nach einer herben sportlichen Pleite - diesmal dem historischen WM-Vorrundenaus in Russland - die Korken. Dennoch bleibt festzuhalten, dass der DFB vor allem in der Endphase der Bewerbung keinen guten Eindruck gemacht hat.

Das gilt neben dem Abschneiden der Nationalelf besonders für das unglückselige Auftreten von Präsident Reinhard Grindel, nicht nur in der Causa Mesut Özil. Man braucht kein Wahrsager zu sein für die Prognose, dass Grindel bei der EM 2024 nicht mehr an der Spitze des DFB stehen wird.

Schwerer fällt vorauszusagen, was die Gäste in sechs Jahren erwarten wird. Sehen wir es als Chance: Für eine neue Infrastruktur in den und rund um die Stadien, für eine neue, frische Nationalmannschaft, für mehr Fannähe und hoffentlich auch wieder für ein weltoffenes, tolerantes und fröhliches Deutschland.

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