Deutschlands EM-Bewerbung 2024

SID
Freitag, 15.09.2017 | 14:52 Uhr
Im Olympiastadion soll nach DFB-Plänen der Ball bei der Em 2024 rollen
© getty
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Mit neun Erfolgsgaranten des "Sommermärchens" und einer Überraschung will der DFB die Fußball-EM 2024 nach Deutschland holen. Der Weltmeister-Verband, der bei der EM-Bewerbung nur mit der Türkei konkurriert, entschied sich im Stadionwettstreit für alte Bekannte von der Heim-WM 2006 und Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt Düsseldorf. Bei den Verlierern in Bremen, Hannover, Nürnberg und Mönchengladbach herrschte deshalb purer Frust.

"Alle Stadien waren EM-tauglich, keine Arena ist durchgefallen", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Freitag. Die zuvor erstellte Empfehlung des Bewerbungskomitees, "das alle Bewerbungen in einem detaillierten, transparenten und beispielhaften Verfahren eingehend geprüft hat", sei eins zu eins übernommen worden, "ohne eine sportpolitische Entscheidung zu treffen".

In Berlin, München, Stuttgart, Hamburg, Köln, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen und Frankfurt/Main war schon beim "Sommermärchen" vor elf Jahren gespielt worden. Düsseldorf war 1988 bereits EM-Gastgeberstadt. Auch deshalb hatten die damals nicht berücksichtigen Städte Mönchengladbach und Bremen auf den Zuschlag gehofft.

Unmut und Frust in Gladbach

"Ich bin kurz davor, dass mein Hals platzt. Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass Borussia die Dinge nach all den Jahren so ausgestaltet hat, dass wir den Zuschlag kriegen", sagte Borussia Mönchengladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof: "Jetzt sind wir irgendwo gelandet. Das ist für mich unverständlich. Deswegen bin ich nicht sauer, sondern stinksauer."

Etwas gemäßigter äußerte sich Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald, der "nach wie vor überzeugt" sei, dass Bremen "mit seiner ganz besonderen Fußball-Atmosphäre der deutschen Bewerbung eine besondere Note gegeben hätte". Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel sah "die Entscheidung des DFB nicht als Votum gegen Nürnberg, sondern als eine Regionalauswahl, die eine größtmögliche Verteilung der Spielorte in der Bundesrepublik ermöglicht".

Düsseldorf freut sich auf Wirtschaftswunder

Gejubelt wurde dagegen in Düsseldorf, die Stadt am Rhein gab die drittbeste Bewerbung (hinter Berlin und München) ab und darf sich auf ein kleines Wirtschaftswunder durch die EM-Einnahmen freuen. "Das ist ein Riesenerfolg für uns. Die Bewerbung für die Europameisterschaft trifft hier auf eine sehr breite Unterstützung", sagte Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Dass Hannover den Zuschlag nicht erhielt, hatte besondere Bedeutung. Die Landeshauptstadt Niedersachsens liegt unweit Grindels Heimatort Rotenburg. "In früheren Jahren war es üblich, dass Präsidenten etwas für ihre Heimatregion tun", sagte der 55-Jährige: "Im neuen DFB ist es üblich, sich an die Regeln zu halten. Es war ein transparenter Prozess. Auch die unterlegenen Bewerber können sofort alle Unterlagen einsehen."

Das Bewertungssystem, dass der DFB auf seiner Internetseite veröffentlichte, umfasste unter anderem die Sicherheit, Infrastruktur und Mobilität der Bewerberstädte. "Wir wollen eine besonders vorbildliche Bewerbung abliefern", sagte Grindel, der wie sein türkischer Kollege Servet Yardimci im Exekutivkomitee der UEFA sitzt, das die EM im September 2018 vergeben wird.

Konkret über die Qualität der türkischen Bewerbung oder die momentane geopolitische Situation sagte Grindel mit Verweis auf ein entsprechendes Verbot in den UEFA-Regularien zwar nichts. Erneut betonte der DFB-Präsident aber, dass in Deutschland die "Werte des Fußballs" eingehalten und die "Freiheitsrechte geschützt" werden. "Trotzdem will ich mit Nachdruck sagen, dass es völlig falsch wäre zu sagen, die Entscheidung sei klar", sagte Grindel: "Das Rennen ist völlig offen."

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