Platini lobt Gastgeber

UEFA-Bosse sehen die EM nah an der Perfektion

SID
Dienstag, 19.06.2012 | 15:02 Uhr
Michel Platini (r.) mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski
© Getty
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Am Donnerstag feiert Michel Platini seinen 57. Geburtstag. Das schönste Geschenk hat er schon vorher erhalten. Entgegen aller Befürchtungen scheint die EM 2012 nicht in einem Fiasko zu enden - weder organisatorisch noch sportlich.

"Polen hat bereits gewonnen, die Ukraine hat bereits gewonnen", bilanzierte der Präsident der UEFA zum Abschluss der Vorrunde und ergänzt: "Ich bin sehr, sehr zufrieden. Wir hätten es besser machen können, aber besser wäre Perfektion gewesen. Die Herausforderung war groß, aber die beiden Gastgeber haben es geschafft."

Hitzige Diskussionen hatte es im Vorfeld des Turniers gegeben - über die politische Situation in der Ukraine, über Rassismus in den Gastgeberländern, über die mangelhafte Organisation und Infrastruktur, über die Gefahr von Ausschreitungen.

"Die Menschen hatten niedrigere Erwartungen und sind nun überrascht worden", sagte UEFA-Turnierdirektor Martin Kallen im Interview: "Das Fazit fällt sehr gut aus. Das Turnier ist gut organisiert. Die Probleme sind gut bewältigt worden. Insgesamt haben wir alles im Griff."

Rassismus und Ausschreitungen als Makel

Sicher war nicht alles gut. Rassistische Entgleisungen und Ausschreitungen hatte es etwa bei den Spielen in Polen gegeben. Insbesondere Kroaten, Russen und Polen hatten sich daneben benommen.

So war neben weiteren kleinen Vorfällen der dunkelhäutige italienische Stürmer Mario Balotelli im Spiel gegen Italien (1:1) von kroatischen Fans rassistisch beleidigt worden, auch wurden zuhauf Feuerwerkskörper in kroatischen Fanblöcken gezündet. "Ich bin nicht glücklich mit den Kroaten", monierte Platini und ergänzte, dass er die Missstände bereits vor einem Jahr angesprochen habe.

Die größten Probleme hatte das Spiel zwischen Gastgeber Polen und Russland (1:1) gebracht, als es bei Ausschreitungen in Warschau zu 184 Festnahmen und 180 verletzten Personen gekommen war.

"Man kann diese Sachen aber nie hundertprozentig ausschließen, wenn so viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen", sagte Kallen. So darf er sogar ein wenig erleichtert sein, dass die meisten Problemfans nach dem Aus ihrer Mannschaften längst wieder gen Heimat abgereist sind.

Anders gestaltete sich die Situation in der Ukraine, hatte es doch bislang weder rassistische Vorfälle und auch keine größeren Krawalle gegeben. "Die Diskussion war aufgeblasen. In der Ukraine leben mehr als 70 Kulturen. Es gibt vielleicht einzelne negative Fälle, aber die Problematik gibt es nicht", sagte Box-Weltmeister Witali Klitschko - und sieht sich bei der EM bestätigt.

Fall Timoschenko überlagert EM

Keineswegs aufgeblasen war dagegen die Diskussion um die politischen Missstände in der Ukraine. Immer wieder kommt es am Rande der Spiele zu Protestaktionen für die inhaftierte Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko, was den umstrittenen Präsidenten Viktor Janukowitsch aber genauso kalt lässt wie die Boykotte der westlichen Politiker, egal ob sie nun Angela Merkel, Francois Hollande oder David Cameron heißen.

In den Ehrenlogen feiern die ukrainischen Machthaber und Oligarchen quasi für sich. Und ab und zu schaut auch Monsieur Platini vorbei.

Alle acht Stadien hat der Franzose inzwischen besucht, und was er zu sehen bekam, hat ihn beeindruckt. Das Turnier habe ein hohes Niveau, sagte Platini. Er glaubt weiter an ein Endspiel zwischen Spanien und Deutschland. Das würde dann am 1. Juli in der ukrainischen Hauptstadt Kiew stattfinden.

Und auch dann wird er sicher wieder sagen, dass die Entscheidung für die erste EM in Osteuropa die richtige gewesen sei. "Die Leute, die Fußball lieben, werden sich bei uns bedanken. Die Leute, die Fußball nicht lieben, danken uns für die Vermächtnisse, die diese EM hinterlässt", sagte Platini.

Vielleicht darf zum Finale dann sogar auf dem für 480 Millionen Euro errichteten neuen Terminal D auf dem Flughafen Borispol in Kiew landen. Bislang ist das Prestigeobjekt noch nicht in Betrieb. Für Platini fällt das wohl unter die Rubrik "Schönheitsfehler".

Michel Platini im Steckbrief

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