Smicer würde am liebsten wieder mitspielen

Und jetzt wieder gegen Portugal

SID
Dienstag, 19.06.2012 | 15:33 Uhr
Den Einzug ins Viertelfinale hätte den Tschechen kaum jemand zugetraut
© Getty
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Karel Poborsky schnappt sich den Ball und lässt gleich drei Portugiesen stehen. An der Strafraumgrenze setzt er zu einem Lupfer an, der eine steile Kurve nimmt, sekundenlang in der Luft steht und sich schließlich ins Tor senkt. Michal Kadlec war damals elf Jahre alt. 1996 war das, als die Tschechen auf dem Weg zum Finale auf Portugal trafen und dank besagtem Treffer 1:0 gewannen. Am Donnerstag trifft Tschechien im EM-Viertelfinale auf Portugal (20.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Knapp 16 Jahre später sind erneut die Portugiesen der Gegner im EM-Viertelfinale. "Bis jetzt lief es wie 1996. Wenn es so weitergeht, dann wären wir natürlich sehr glücklich", sagt Leverkusens Abwehrspieler.

Einer, der es wissen muss, ist heute der Manager der tschechischen Nationalmannschaft. Vladimir Smicer sorgte damals Seite an Seite mit Poborsky, Pavel Nedved oder Patrick Berger in Europa für Furore. Der 39-Jährige entdeckt dann sogar Parallelen zur Goldenen Generation der 90er Jahre.

"Unser Team ist ähnlich zu dem 1996, wir haben viele Spieler aus der tschechischen Liga, das war damals auch so", sagt er. Da hört es laut Smicer aber auch schon auf. Immerhin lägen zwölf Jahre dazwischen, und der Fußball habe sich verändert, sagt er.

Wiederholt sich Geschichte?

Doch Geschichte wiederholt sich bekanntermaßen bisweilen. Und so könnte, wie 1996, nach der Runde der letzten Acht am Donnerstag in Warschau im Halbfinale Frankreich warten und im Endspiel erneut Deutschland. Holen sich die Spieler denn Tipps von ihrem Manager?

"Es ist schwierig, Ratschläge zu geben. Ich kann nur sagen, dass es noch nicht vorbei ist", sagt Smicer. Dafür sorgt nicht nur seine damalige Frisur für Lacher, wenn im tschechischen Fernsehen die Highlights von 1996 laufen.

Denn Smicer will es hin und wieder noch einmal wissen. Völlig verschwitzt und ausgepumpt stapft der frühere Mittelfeldspieler vom Trainingsplatz, während die Spieler gut gelaunt in die Kabine gehen.

"Manchmal denke ich, dass ich es noch könnte. Aber das stimmt wohl nicht. Wenn die Jungs müde sind, komme ich noch mit. Wenn sie fit sind, ist das alles zu schnell für mich", sagt Smicer und lacht. Trotzdem ist der 39-Jährige zwiegespalten. Er sei zweieinhalb Jahre nach seinem Rücktritt im Kopf noch ein halber Spieler, gibt er zu. "Ich wünschte, ich könnte mit ihnen spielen", sagte er und ergänzt: "In den großen Spielen vor allem."

1:3-Niederlage in der Vorrunde 2008

Das Duell mit Portugal ist mal wieder so ein großes Spiel für die Tschechen, nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2008. Gegner damals in der Vorrunde: Portugal. Vier Jahre nach dem 1:3 erwartet Torhüter Petr Cech einen noch stärkeren Gegner.

"Die Generation von damals mit Spielern wie Ronaldo und Nani ist gewachsen, sie sind noch erfahrener. Aber wir sind nicht von vornherein der Verlierer", sagt Cech. 2004 galt das tschechische Team als EM-Favorit, im Halbfinale war aber der spätere Europameister Griechenland die Endstation. Deshalb sei das mit der Stärke und der Favoritenrolle alles relativ, sagt Cech. "Ich kenne das vom FC Chelsea."

Wesentlich optimistischer ist da Michal Kadlec. "Gegen Portugal haben wir gar nichts zu verlieren und ich glaube, dass wir weiterkommen," sagt Kadlec. Sein Vater Miroslav weiß ebenfalls, wie es geht. Er war 1996 Kapitän.

Die Viertelfinals im Überblick

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