Ukrainischer Star wohl nur Ersatz

Schevchenko droht die Ersatzbank

SID
Donnerstag, 07.06.2012 | 11:29 Uhr
In 108 Länderspielen erzielte Andriy Shevchenko bislang 46 Tore für die Ukraine
© Getty
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Unmittelbar vor dem Turnierstart scheinen an dem 35-Jährigen ukrainischen Rekordtorschützen Andriy Shevchenko Zweifel aufzukommen. Womöglich Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit seiner zuletzt so desolat auftretenden Mannschaft, sicher aber auch Zweifel an der eigenen Verfassung.

"Wenn ich nicht fit bin, will ich auch nicht spielen. Ich will die Fans nicht hängen lassen", sagt Shevchenko und fordert erst gar keine Stammplatzgarantie ein. Europas Fußballer des Jahres 2004 ist nur noch ein Schatten vergangener Tage, als er von den besten Verteidigern der Welt geachtet und gefürchtet wurde. "Schewagol" war sein Spitzname, weil er Tore wie am Fließband produzierte. 175 waren es in seiner wohl besten Zeit als Fußballer beim AC Mailand. Für die Nationalelf traf er 46-mal, so oft wie kein anderer vor ihm.

Doch die Tore sind seltener geworden, und mit sinkender Torquote nimmt auch sein Heldenstatus im Land rapide ab. Längst ist in Kiew und andernorts die Diskussion entbrannt, ob Schewtschenko der Mannschaft überhaupt noch helfen kann. Nationaltrainer Oleg Blochin ist sich dieser Problematik bewusst. "Namen und Reputation entscheiden im Fußball nicht über Siege. Wenn sie es täten, könnte ich jetzt noch spielen", sagt der frühere Weltklassespieler.

"Ich trage doppelte Verantwortung"

Gut möglich, dass Schewtschenko bei der EM eher als Talisman an der Seitenlinie denn als Vollstrecker fungiert. Beim missglückten Härtetest gegen die Türkei (0:2) wurde er denn auch nur eingewechselt. Womöglich ein Fingerzeig für das Auftaktspiel.

Schevchenko als beleidigte Diva werde es aber nicht geben. "Unsere Fans und das ganze Land erwarten von unserem Team erfolgreiche Spiele. Ich bin Kapitän der Mannschaft und trage doppelte Verantwortung. Meine Rolle ist es, das Team zusammen zu halten und zu motivieren", ergänzt Shevchenko und hofft auf ein Happy End in Kiew: "In den letzten fünf Jahren habe ich kaum an etwas anderes gedacht als die Europameisterschaft. Ich träume davon, mein Team ins Finale zu führen. Das hat wohl meine Karriere verlängert."

Am 1. Juli findet im Olympiastadion von Kiew das Endspiel statt. An jenem Ort, wo für Shevchenko alles begann. Im Alter von neun Jahren wechselte er einst in die Akademie von Dynamo Kiew, obwohl sein Vater für ihn eine Karriere beim Militär vorgesehen hatte. Doch es kam anders. Mit seiner Dynamik, seiner beidfüßigen Schusskraft, seiner Schnelligkeit und seinem Instinkt für die richtige Situation entwickelte sich Schewtschenko zu einem der weltbesten Stürmer.

Zukunft womöglich in Amerika

1999 zog es ihn nach Mailand, wo er sieben Jahre blieb und zur Krönung 2003 die Champions League gewann. Glanz und Glamour umstrahlte Shevchenko in der Modestadt, passend dazu an seiner Seite das frühere amerikanische Top-Model Kristen Pazik, mit dem er zwei Söhne hat.

Doch schon nach seinem Wechsel in die Premier League zum FC Chelsea für 50 Millionen verglühte sein Stern immer mehr. Die letzten Jahre bei Dynamo Kiew waren fast nur noch der Vorbereitung auf die EM geschuldet.

Nach der EM ist Schluss in der Nationalelf. "Ob ich noch weiter Fußball spiele, habe ich noch nicht endgültig entschieden. Mein Vertrag bei Dynamo Kiew ist ausgelaufen. Ich habe einige Angebote, aber ich habe noch nicht entschieden, welches das interessanteste ist", sagt Schevchenko. Womöglich wird er noch ein, zwei Jahre in der Major League Soccer dranhängen. Nach Amerika zieht es die Shevchenkos ohnehin. Aber vorher hat er noch diesen letzten Traum. "Wir haben nur diese eine Chance, um Geschichte zu schreiben." Geschichte, die am Montag womöglich beginnt.

Andriy Shevchenko im Steckbrief

 

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