EM

Prügelei in Lwiw stellt Ukraine vor Probleme

SID
Russland - Tschechien: Im Stadion blieb es ruhig. Beim Public-Viewing ging's dagegen zur Sache
© Getty

Eine Schlägerei mit anschließenden Festnahmen am Rande der Fanzone von Lwiw hat am Freitagabend einen Vorgeschmack auf die Probleme gegeben, die gerade Gastgeber Ukraine im Laufe der EM noch bekommen könnte. Nach dem Sieg der russischen Nationalmannschaft im Vorrundenspiel gegen Tschechien (4:1) skandierten beim Verlassen des Public-Viewing-Geländes in der ukrainischen Stadt rund 20 Fans der Sbornaja nationalistische Parolen.

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Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur "Interfax" provozierten die Männer mit Rufen wie "Russland, Russland für immer" und "Russland, deine Größe ist ewig - Ukraine, du bist eine einzige Schande".

Davon fühlte sich eine Gruppe junger Männer in Trikots der Ukraine herausgefordert, es kam zu einer mehrminütigen Schlägerei zwischen den rivalisierenden Lagern. Mitglieder einer Spezialeinheit der Polizei griffen ein, verhafteten mehrere Männer und führten sie in Handschellen ab.

Das sind extreme Töne, die die zum Teil tiefen Gräben zwischen Russen und Ukrainern verdeutlichen. Gerade im Westen der Ukraine, wo Lwiw liegt, ist der große Nachbar im Osten regelrecht verhasst. Immer weniger Ukrainer sprechen überhaupt noch Russisch, aber vielfach Englisch und sogar Deutsch.

Ministerium bestreitet Auseinandersetzung

So könnten anhaltende Erfolge der Sbornaja die Konflikte noch verschärfen. Gleichzeitig werden sich speziell im Osten des Landes auch viele russischstämmige oder russischsprachige Ukrainer der Mannschaft des vermeintlichen Gegners anschließen, sollten die Russen weiter so guten Fußball spielen.

Der ukrainischen Regierung kommt das gelegen. Schon die durch Fernsehbilder dokumentierte Prügelei von Lwiw wollte das ukrainische Innenministerium zum bloßen Gerücht kleinreden. Eine solche Auseinandersetzung habe es nicht gegeben, hieß es am Samstagmorgen in einer Erklärung des Ministeriums.

Eine solche Politik dürfte nach dem Geschmack des ukrainischen Ministerpräsidenten Nikolai Asarow sein. Der war vor dem Sieg der russischen Mannschaft am Freitag gefragt worden, welches Team er bei der EM unterstützen werde. "Ich drücke natürlich der ukrainischen Mannschaft die Daumen", sagte Asarow: "Aber auch Russland."

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