Donnerstag, 21.06.2012

Das Duell der schwierigen Superstürmer

Rooney trifft im Viertelfinale auf Balotelli

Wayne Rooney und Mario Balotelli haben vieles gemeinsam. Beide zählen zu den absoluten Topstürmern Europas, beide gelten als schwierige Charaktere, beide spielen in Manchester (wenn auch für verschiedene Vereine) - und für beide hat die EM mit dem letzten Gruppenspiel gerade erst so richtig begonnen.

Nach seinem Treffer gegen die Ukraine steht Wayne Rooney gegen Italien erneut im Fokus
© Getty
Nach seinem Treffer gegen die Ukraine steht Wayne Rooney gegen Italien erneut im Fokus

Rooney kam nach seiner Sperre im ersten Einsatz zum ersten Treffer. Balotelli erzielte nach zuvor zwei mäßigen Partien ebenfalls sein erstes Turniertor. Doch für einen der beiden ist am Sonntag die EM auch schon wieder vorbei.

Dass Balotelli überhaupt für das Viertelfinale gegen England am Sonntag in Kiew (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) für die Startformation infrage kommt, hat er wohl der Hand seines Teamkollegen Leonardo Bonucci zu verdanken.

Bonucci verhindert Balotellis Tirade

Nachdem der im Spiel gegen Irland eingewechselte 21 Jahre alte Angreifer per Volleyschuss zum entscheidenden 2:0 getroffen hatte, setzte er sichtlich wütend zu einer Tirade an - doch Bonucci hielt ihm den Mund zu. Eine öffentliche Trainerkritik hätte Balotelli nach den vorherigen schwachen Auftritten wohl endgültig seinen Stammplatz gekostet.

So hieß es von Trainer Cesare Prandelli nur: "Die Spieler haben ihn vor sich selbst geschützt."

Balotelli ist ein Heißsporn, auf und neben dem Platz. In der vergangenen Spielzeit fehlte er seinem Verein Manchester City in insgesamt elf Spielen wegen rüpelhafter Aktionen wie dem Tritt an den Kopf des englischen Nationalspielers Scott Parker (Tottenham Hotspur), auf den er am Sonntag voraussichtlich wieder treffen wird. Auch mit seinem ausschweifenden Privatleben füttert er immer wieder den Boulevard.

"Was zählt, sind Tore"

Doch der Angreifer ist auch ein Spieler mit herausragender Trefferquote. In seinen letzten 23 Ligaspielen für die "Citizens" erzielte er 13 Tore. "Es wird so viel über die angeblichen Skandale um ihn berichtet, weil er ein außergewöhnlicher Spieler ist", sagt sein Nationalmannschaftskollege Daniele De Rossi: "Aber was zählt, sind Tore."

Im Nationalteam traf der 21-Jährige erst zweimal in elf Spielen. Rooney ist da deutlich weiter. Nachdem er in den ersten beiden Gruppenspielen wegen einer Roten Karte aus der EM-Qualifikation gesperrt war, war das 1:0 gegen die Ukraine bereits sein 29. Treffer im 75. Spiel für England.

Aus Fehlern gelernt

Dennoch bringt auch er sich und sein Team durch seine Hitzköpfigkeit immer wieder in Schwierigkeiten - etwa mit seiner Tätlichkeit im letzten Qualifikationsspiel gegen Montenegro oder seiner Roten Karte bei der WM 2006 im Viertelfinale gegen Portugal. Doch der 26-Jährige beteuert: "Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und keine Probleme mit meiner Einstellung oder meinem Temperament."

Sein Trainer Roy Hodgson vertraut dem Stürmer von Manchester United zwar, vermutet aber: "Wenn ich ihn auf der Bank lassen würde, wäre in der Kabine die Hölle los." Im Moment gibt es dafür keinen Grund.

Rooney wird in seiner Heimat nach seinem Treffer schon wieder als Heilsbringer gefeiert und strotzt nur so vor Selbstvertrauen: "Ich habe noch viel vor mit der Mannschaft. Wir können sogar den Titel gewinnen." Zunächst will er aber England zum ersten Halbfinaleinzug bei einem großen internationalen Turnier seit 16 Jahren verhelfen - und Balotelli nach Hause schicken.

Der EM-Spielplan im Überblick

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