Dänische Gladiatoren treffen Portugals Pechvögel

SID
Dienstag, 12.06.2012 | 11:02 Uhr
Cristiano Ronaldo und Co. brauchen gegen Dänemark Punkte, um weiterzukommen
© Getty
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Morten Olsen ist nicht gerade bekannt für seinen subtilen Humor. Doch als der 62-Jährige zwei Tage vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Portugal (Mi, 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) gefragt wurde, warum die Stimmung in seinem Team so gut sei, sagte er schmunzelnd: "Wir sehen jeden Tag das Meer. Das ist wichtig für uns Dänen."

Zurzeit kann diese Dänen augenscheinlich nichts aus der Ruhe bringen, das überraschende 1:0 im Auftaktspiel gegen die Niederlande hat Olsens Mannschaft in eine unerwartet komfortable Lage in der Gruppe B gebracht und ist - neben dem Meer - der entscheidende Grund für das dänische Stimmungshoch. Ein weiterer Sieg gegen Portugal am Mittwoch und das Viertelfinale wäre fast sicher erreicht.

Auf das Glück des Tüchtigen wird sich "Danish Dynamite" nicht mehr verlassen können, denn das haben sie im ersten Spiel gegen die Niederlande - vorsichtig formuliert - überstrapaziert. "Wir nehmen das Positive aus dem ersten Spiel mit und werden den Portugiesen ein gutes Match liefern", sagte Olsen. Er kann dabei auf die Elf aus dem ersten Spiel vertrauen, sämtliche kleineren Blessuren der "Gladiatoren", wie sogar die seriöse Tageszeitung "Jyllands-Posten" Dänemarks Nationalspieler nannte, sind auskuriert.

"Er ist einfach weltklasse"

Bei Dänemark werden am Mittwochabend die Augen insbesondere auf Abwehrmann Lars Jacobsen gerichtet sein - dem 32-Jährigen kommt die Aufgabe zu, Cristiano Ronaldo zu stoppen. "Er ist einer der besten Spieler der Welt", sagte Jacobsen über seinen Gegenspieler. "Er hat so viele Möglichkeiten - er ist einfach weltklasse."

Derweil hat die Verwendung der Schlagworte "EM" und "1992" in einem Atemzug seit vergangenem Samstag in dänischen Medien schlagartig zugenommen - vor 20 Jahren feierten die Dänen mit dem Titelgewinn bekanntlich ihr ganz eigenes Sommermärchen. Und auch wenn Dänemarks ehemaliger Stürmerstar Brian Laudrup der Ansicht ist, "eine Sensation wie damals ist nicht noch einmal möglich bei dieser EM" - der vermeintliche Underdog glaubt weiter an sich und an die Stärke des Kollektivs gegenüber der Klasse des Einzelnen.

"Wir haben eine Mannschaft", sagt Olsen, und wer ihm Böses unterstellen wollte, liest aus seiner banalen Feststellung einen Seitenhieb auf die Ansammlung an Individualisten, die Dänemarks Gruppengegner bei dieser EM ohne Zweifel haben - wie zum Beispiel der kommende Gegner Portugal.

Portugal vor EM als Egoistentruppe verschrien

Die Portugiesen haben in Cristiano Ronaldo, Nani, Pepe oder Fabio Coentrao derart hoch veranlagte Spieler in ihren Reihen, dass die Seleccao im Vorfeld der EM schon per se als Egoistentruppe verschrien war. Doch paradoxerweise befreite die Mannschaft von Trainer Paulo Bento eine Niederlage zum Auftakt gegen Deutschland von diesem Verdacht.

Bei der 0:1-Niederlage gegen die so hoch gehandelte Elf von Bundestrainer Joachim Löw funktionierten die vielen Stars als Ganzes. Portugal hatte großes Pech - wobei die Tatsache, dass die Mannschaft in den vergangenen vier Spielen nur einmal den Ball über die gegnerische Torlinie bekam, natürlich auch die Frage aufwirft, ob dies mit Pech hinreichend erklärt ist.

"Wir müssen gewinnen - das ist die Wahrheit"

Selbst Flügelstürmer Nani stellt fest: "Wir haben in vier Spielen nur ein Tor gemacht. Das ist verrückt, wenn man jemanden wie Cristiano Ronaldo in seinen Reihen hat." Für die Begegnung gegen Dänemark kündigt der Spieler von Manchester United daher schon einmal an: "Wir wollen nur die Tore machen, die für einen Sieg nötig sind. Nicht mehr, aber auch nicht weniger."

Coach Bento stellte ganz klar fest: "Es geht 90 Minuten lang und wir müssen gewinnen - das ist die Wahrheit." Allerdings deutete Bento an, trotz der brenzligen Ausgangslage keine grundsätzlichen Änderungen vornehmen zu wollen. "Wir hatten gegen Deutschland ausreichend gute Offensivaktionen. Wir ändern unsere generelle Strategie nicht", sagte Bento.

Der Spielplan der EM 2012

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