Donnerstag, 07.06.2012

Die EM von A bis Z

Oceana, Gina Lisa und Jogis Kindergarten

Die EURO 2012 beginnt! Griechenland fordert Polen im Eröffnungsspiel (17.45 Uhr im LIVE-TICKER) heraus. Während die Griechen den ältesten Spieler der EM stellen, haben die Polen nicht nur schöne Frauen, sondern auch eine Plastik-Palme. Das A bis Z zur EM verrät außerdem, warum polnische Bischöfe mal einen Saufen gehen sollten, wer der neue Günter Hermann wird und wer sehnlich vermisst wird.

Oceana singt den offiziellen EM-Song
© Getty
Oceana singt den offiziellen EM-Song

A wie Anlauf: Ronaldo, wir respektieren dich, wir finden dich fußballerisch echt super, aber lass' deine Stelzen vor deinen Freistößen bei dieser EM doch einmal zusammen. Auch wenn dir das irgendjemand anders gesteckt hat, deine Grundstellung vor dem Anlauf sieht einfach beschissen aus.

B wie Bischöfe, polnische: Als hätten wir nicht schon genug Sorgen! Polens Bischöfe begehren gegen Alkoholkonsum während der EM auf. "Wenn sich ein Mensch nicht ohne den Einfluss von Alkohol freuen kann, wenn er sich nüchtern nicht mit anderen unterhalten kann, wenn er seine Gefühle durch Trinken verstärken muss, dann ist es ein eindeutiges Warnzeichen für eine Sucht", heißt es in einem Appell der Polnischen Bischofskonferenz. Aber das ist noch nicht alles: Weil eine polnische Brauerei mit Bier und Fahne wirbt, gibt's Kritik: "Die polnische Flagge und Hymne sollten nicht als Werbeinstrumente für Bier missbraucht werden." Jungs, legt die Trachten ab, dann gehen wir einen heben und alles wird gut, nech.

C wie Chaos: Weil Europa nicht nur Westeuropa ist und auch Länder wie Polen oder die Ukraine das Recht haben, große Turniere ausrichten zu dürfen, bekamen die Nachbarn im Osten den Zuschlag für die Austragung der EM 2012. Doch so richtig rund laufen wollte die Vorbereitung bis zum letzten Tagen nie. Die Infrastruktur ist problematisch, Anfahrt und Übernachtung keine Selbstverständlichkeit für den Otto-Normal-Fußball-Fan. Daher sind viele Tickets auch nicht an den Mann (oder an die Frau) gekommen. Für viele Vorrundenspiele gibt es immer noch reichlich Tickets. Bei ebay konnte man für das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark für 20 Euro ein Ticket kaufen - weit unter normalem Wert! Der Flug dagegen kostet 700 Ocken, ein Hotel gibt's nicht. Chaos! Bleibt nur noch die Hoffnung, dass zumindest die Stadien nicht ganz so leer aussehen.

D wie D-Day: Das Finale der EM 2012 findet am 1. Juli um 20.45 Uhr im Olympiastadion von Kiew statt. 13 von 16 Nationaltrainern glauben, dass Spanien der Top-Favorit auf den EM-Titel ist und am ersten Juli-Tag zumindest im Finale stehen wird. 12 Trainer, darunter auch Spaniens Vicente del Bosque, setzen auf die deutsche Mannschaft. Nur Englands Coach Roy Hodgson hat eine andere Idee und setzt auf die Karte "Aber 2004 hat ja auch keiner auf Griechenland gesetzt" und tippt einfach mal England als EM-Sieger am D-Day.

E wie Edelreservist: Wer macht den Günter Hermann der EM 2012? Der damalige Bremer wurde bei der WM 1990 Weltmeister - ohne eine einzige Minute gespielt zu haben. Seither spricht Hermann vor jedem großen Turnier über seinen potenziellen Nachfolger. Den einen oder anderen Kandidaten gibt's auch diesmal durchaus. Ob beispielsweise Lars Bender oder Ilkay Gündogan an Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Tonis Kroos so einfach vorbeikommen, bleibt abzuwarten. Der letzte Hermann-Gedächtnis-Preis ging bei der EM 2008 an Heiko Westermann und Piotr Trochowski. Bei der WM 2010 verhinderte das Spiel um Platz drei, dass Serdar Tasci und Co. mit dieser Häme nach Hause mussten.

F wie Fernando Torres: Es ist schon beeindruckend, dass ein Spieler seit 1,5 Jahren eine fußballerische Katastrophe fabriziert und dennoch an einer EM teilnehmen darf - und das auch noch beim Top-Favoriten Spanien. Torres, der die letzte Europameisterschaft mit seinem Tor gegen Deutschland zu Gunsten Spaniens entschied, ist weit weg von Top-Form und Selbstvertrauen und dennoch vertraut ihm Vicente del Bosque. Immerhin darf sich "El Nino" Champions-League-Sieger nennen - im Gegensatz zu vielen Real- und Barca-Spielern im Spanien-Kader, die von diesem Titel ausgingen.

G wie Gina Lisa: Die einzige Person neben Jogi Löw, die Einfluss auf die Startelf Deutschlands nehmen könnte. Benedikt Höwedes bedankt sich für den Stammplatz auf der rechten Abwehrseite. Und Jerome bedankt sich für die - ähem - Gespräche auf dem Hotelzimmer um 3 Uhr nachts.

H wie Henri Delaunay: Die Idee, dass sich Europas Länder zusammentun, um den besten des Kontinents zu küren, hatte Delaunay schon im Jahre 1927. Weil aber die FIFA schon damals ein recht seltsames Gebilde war, obwohl Sepp Blatter noch gar nicht im Amt war, wurde die Idee abgeschmettert. Zwei Jahre nach dem Tod des Franzosen, der jahrelang Generalsekretär der UEFA war, lenkte die FIFA dann doch ein und mit tatkräftiger Unterstützung von Pierre Delaunay, Henris Sohn, wurde die EM ins Leben gerufen. Der EM-Pokal ist dementsprechend auch nach Henri Delaunay benannt.

I wie Italien: Da ist wieder mal ein Trainer da, der nicht mauern lässt, sondern offensiven Fußball aufbieten will. Da ist eine Mannschaft, die längst nicht mehr so alt ist, sondern junge, wilde Burschen hat, die einen Spaß bereiten und dann passiert so etwas: Wieder einmal hat ein Manipulationsskandal den italienischen Fußball erschüttert. Wie schon vor der WM 2006, als das Turnier in Deutschland zunächst zur Nebensache wurde, weil Juventus, Milan und Co. beschuldigt wurden, betrogen zu haben. Italien wurde damals zum Trotz dieser Krise Weltmeister. Gibt es etwa jetzt ein Dejavu?

J wie Jetro Willems: Kennen Sie den Burschen? Wenn nicht, auch nicht schlimm. Ihn gibt's ja auch erst seit 18 Jahren und damit ist er der jüngste Spieler der EM. Der Niederländer ist damit noch ein paar Tage jünger als Englands Alex Chamberlain, der ebenfalls 18 ist. Der Älteste kommt aus - richtiiiiig - Griechenland. Kostas Chalkias darf mit 38 noch einmal ran. Die älteste Mannschaft kommt übrigens aus Irland, die im Durchschnitt 28,35 Jahre alt ist. Und die Jüngsten? Tadaaa! Der DFB schickt seine U 25: Jogis Kindergarten pendelt sich bei 24,52 Jahren ein.

K wie Krankenakte: Die Liste der Stars, die verletzungsbedingt nicht an der EURO 2012 teilnehmen können, ist lang. David Villa, Carles Puyol, Bacary Sagna, Eric Abidal und Giuseppe Rossi sind u.a. erst gar nicht eingeladen worden, weil ihr Gesundheitszustand es nicht zuließ. Während der Vorbereitung mussten dann Frank Lampard, Ivica Olic, Gary Cahill, Gareth Barry und Loic Remy absagen. Mit Italiens Andrea Barzagli könnte der nächste aus der schwarzen Liste auftauchen.

L wie Lobanowski, Valeriy: Wir freuen uns für einen großartigen Fußballer wie Andriy Shewtschenko, dass er im hohen Alter erstmals eine EM spielen darf. Das hat er sich nach dieser tollen Karriere verdient. Traurig ist es aber schon, dass die Ukraine eine EM ausrichtet und die größte Persönlichkeit der ukrainischen Fußball-Geschichte nicht mehr unter uns weilt. Valeriy Lobanowski, Trainer-Legende und immer lässige Erscheinung auf der Bank, dessen Mimik und Gestik sich im Minusbereich bewegte, hat den ukrainischen Fußball über mehrere Jahrzehnte geprägt und es bleibt unvergessen, wie er in der Champions League gegen Real Madrid und Co. stoisch auf der Bank saß und 80.000 Zuschauer 80.000 Zuschauer sein ließ. Wer an seinen Gesichtszügen feststellen wollte, wie es steht, sah immer ein 0:0.

M wie Mikael Lustig: Er ist quasi der Philipp Lahm des schwedischen Fußballs. Nicht ganz so klein, nicht ganz so stark, nicht ganz so berühmt und nicht ganz so mächtig, aber gesetzt, weil es keine Alternativen gibt. Er MUSS Rechtsverteidiger spielen, weil Schweden viele tolle Stürmer hat, einige gute Mittelfeldspieler, aber eben nur einen einzigen Rechtsverteidiger. Ihn. Zumindest nimmt er es mit Humor: "Wäre schön, wenn es Alternativen gäbe. Dann müsste mich Erik Hamren nicht nur deshalb aufstellen, weil kein anderer da ist."

N wie Nummer Elf: Deutschland tritt zum elften Mal bei einer Europameisterschaft an und ist damit weiter Rekordteilnehmer. Zweiter ist Russland mit der zehnten Teilnahme, wobei hier die Teilnahmen der Sowjetunion und der GUS mitgezählt werden. In der ewigen Punkte-Tabelle ist Deutschland mit 67 Punkten Spitzenreiter vor den Niederlanden mit 59 Zählern. Um seine ersten EM-Punkte wird der diesjährig einzige Neuling Ukraine kämpfen.

O wie Oceana: Shakira und Waka Waka waren gestern, jetzt wackelt Oceana mit den Hüften und singt den offiziellen EM-Song "Endless Summer". Gut nur, dass das Lied nicht "endless" ist. Wer schmerzfrei ist, klickt hier.

P wie Palme: Mit Polen verbindet man ja einiges. Mal abgesehen von all den Klischees, die nicht hier her gehören, haben sie schöne Städte, schöne Frauen, sind recht gewitzt und inzwischen haben sie sogar wieder richtig gute Fußballer, die das Land nicht nur aufgrund des Gastgeber-Daseins zu einem Geheimfavoriten machen. Aber wenn man etwas nicht mit Polen verbindet, sind das Palmen. Doch genau so ein Ding steht mitten in Warschau: 15 Meter hoch, aufgestellt von der Künstlerin Joanna Rakowska und weil der Baum aus Plastik ist, gab's bei der Errichtung 2002 heftige Kritik, inklusive dringende Aufforderung, die Palme wieder abzureißen. Aber inzwischen ist das Kunstobjekt zu einer Art Wahrzeichen geworden. Touristen lassen sich dort fotografieren, Pärchen, Penner und inzwischen auch als Dauerrenner Hochzeitspaare. Wer weiß, vielleicht lassen sich ja bald dort auch die Herren Lewandowski und Co. mit einem Pokal ablichten.

Q wie Quoten: Was wäre eine Fußball-EM ohne Wetten? Der Typ, der bei der EURO 2004 auf Griechenland gesetzt hat, feiert immer noch und könnte mit der gewonnenen Kohle eigentlich die Griechen vor dem Bankrott retten. Die Hellenen sind auch diesmal wieder Außenseiter. Wer einen Euro auf Griechenlands EM-Sieg setzt, bekommt 81 zurück, sollten es Santos' Männer wirklich schaffen. Der größte Außenseiter ist aber Irland, das 101 für einen Euro ausspuckt. Favorit - laut Buchmacher - ist Spanien mit einer Quote von 3,75. Deutschland folgt mit einer glatten 4 auf Platz zwei.

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R wie Rechnen: Wer wird Europameister? Durchrechnen ist möglich, indem man hier klickt.

S wie Spielball: Das Ding, das über Sieger und Verlierer entscheiden wird, heißt Tango 12 und ist der offizielle Spielball der EURO. Der Hersteller ließ sich bei der Entwicklung vom Tango-Ball der WM 1978 inspirieren. Der weiße Ball hat ein Wabenmuster, in dem die Landesfarben von Polen und der Ukraine versehen wurden. Viel wichtiger wird aber sein, dass das Ding auch oft im Netz zappelt.

T wie Twitter: Cesc, Iniesta und Co. hatten sich schon bis auf Weiteres vom Gezwitschere verabschiedet, weil ihr Trainer etwas gegen Twitter und Facebook hatte. Nun hat Vicente del Bosque aber wohl eingesehen, dass die sozialen Medien ja doch nicht so böse sind, wie er sie diese sich wohl vorgestellt hat und hat das Twitter-Verbot aufgehoben. Deswegen darf ab sofort wieder 140 zeichenlang geschrieben werden, was das Zeug hält. Ach ja, SPOX twittert während der EM auch.

U wie Unparteiische: Sie dürfen natürlich nicht fehlen bei der EM. Die UEFA ernannte schon im Dezember 2011 die zwölf Schiedsrichter, die in Polen und in der Ukraine für Gerechtigkeit auf dem Platz Sorgen sollen. Cüneyt Cakir (Türkei), Jonas Eriksson (Schweden), Viktor Kassai (Ungarn), Björn Kuipers (Niederlande), Stephane Lannoy (Frankreich), Pedro Proenca (Portugal), Nicola Rizzoli (Italien), Damir Skomina (Slowenien), Wolgang Stark (Deutschland), Craig Thomson (Schottland), Carlos V. Carballo (Spanien) und Howard Webb (England) heißen die Top-Männer der UEFA. Und weil man vor einer EM ja alles wissen muss, was es zu wissen gibt, verraten wir hier auch woher die Pfeifen dieser Herren kommen: Aus dem sauerländischen Nachrodt-Wiblingwerde.

V wie Vuvuzela bleibt draußen: Jaaaaaaaa! Endlich wieder ein Turnier gucken, ohne den Ton abdrehen zu müssen. Wenn es in Polen und in der Ukraine keine Trittbrettfahrer gibt, dann haben wir wieder ein Fußball-Fest ohne diesen Höllenlärm.

W wie Weltmeister im Anmarsch: Frankreich hat's 2000 vorgemacht. Als Weltmeister angetreten, holte die "Equipe Tricolore" den EM-Titel in Holland und Belgien. Machen es jetzt die Spanier den Franzosen nach? Zumal sie es andersrum ja schon geschafft haben: Als Europameister 2008 wurden sie 2010 Weltmeister. Jetzt können sie die Serie fortsetzen und gelten weiter als großer Favorit.

X wie Xhaka, Granit: Der spielt zwar nicht mit, weil sich die Schweiz in der Qualifikation so geschickt anstellte wie ein Eisbär beim Sandburgenwettbewerb oder der FC Bayern im Vermeiden von zweiten Plätzen. Immerhin erspart er uns der liebe Xhaka an dieser Stelle aber die allseits beliebte Xanthippe oder das langweilige Xylophon. Der Stadt-Land-Fluß-Gott spricht schwyzerdutsch, so viel ist klar! Und Wörter rätseln ist eh viel cooler als Europameister werden, liebe Schweizer.

Y wie das J der Ukraine: Um sich vom Rest der Welt abzugrenzen, benutzt die Ukraine für alle i-laute ausschließlich das Y. Kein Yewgeny, Yaroslaw oder Andrey, der nicht ohne den 25. Buchstaben des lateinischen Alphabets auskommt. In Deutschland laut Wikipedia mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von 0,04 Prozent der drittseltenste Buchstabe, steht er in der Ukraine nach W wie Wodka an Nummer zwei. Sprich: Schyßen uns Schweyny, Myro, Poldy und Özyl zum EM-Tytel, gybts Freybyr. Yeay!

Z wie Zeit für den Titel: Seit 1996 hat die deutsche Nationalmannschaft keinen Titel mehr geholt. Zeit wird's. Auf geht's, Jogi!

Der EM-Spielplan

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