DEN - GER: Der direkte Vergleich

Eine klare Sache für Deutschland?

Von Für SPOX bei der Nationalmannschaft: Stefan Rommel
Samstag, 16.06.2012 | 12:00 Uhr
Dänemarks Simon Kjaer (r.) kommt zu spät, Portugals Helder Postiga trifft zum 2:0
© spox
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Deutschland steht kurz vor dem Erreichen des Viertelfinales. Dafür reicht im abschließenden Spiel der Gruppe B ein Remis gegen Dänemark (So., 20.15 Uhr im LIVE-TICKER). Die Dänen können ihrerseits mit einem Sieg an Deutschland vorbeiziehen und die Gruppe sogar noch als Tabellenerster abschließen.
 

Bisher fiel die Mannschaft von Morten Olsen durch ein Kuriosum auf: Gegen die Niederlande waren die Dänen hoffnungslos unterlegen, siegten aber dennoch mit 1:0. Gegen Portugal dann passte und spielte Danish Dynamite so viel wie lange nicht mehr - am Ende standen starke 58 Prozent Ballbesitz und 613 Pässe zu Buche - verlor aber trotzdem mit 2:3.

Vor dem Spiel gegen Deutschland gelten die Dänen als Außenseiter. Der wieder erstarkte Nicklas Bendtner aber macht Hoffnung. Und vielleicht findet auch Jungstar Christian Eriksen endlich zu seiner Form. Ansonsten finden sich in der Mannschaft aber einige Schwachpunkte - allen voran in der Viererkette.

Die Torhüter: Manuel Neuer vs. Stephan Andersen

Andersen ist eigentlich die Nummer zwei bei den Dänen.

Durch die Verletzung von Stammtorhüter Thomas Sörensen (Rückenverletzung beim 1:3 im Test gegen Brasilien) rutschte Andersen zwischen die Pfosten und machte seine Sache bisher ganz ordentlich. Andersen musste gegen die Niederlande und Portugal insgesamt schon 27 Torschüsse abwehren, im ersten Spiel (15) blieb er dabei ohne Gegentreffer. Er ist ein solider Keeper, der bisher kaum Schwächen offenbart hat. Mehr aber auch nicht.

Manuel Neuer musste im Vergleich dazu in den ersten beiden Spielen erst 13 Bälle halten, gegen Portugal sogar einen mehr als danach gegen die Niederlande. Trotzdem kassierte er da seinen bisher einzigen Gegentreffer. Hielt aber gegen van Persie zweimal überragend, auch gegen Portugal in der Endphase stark. Hat sich bisher keinen Fehler erlaubt.

Vorteil Deutschland

Die Abwehr

Jacobsen, Kjaer, Agger, Poulsen - Dänemarks Viererkette liest sich auf dem Papier recht gut. Bisher hatten die Vier in der Defensive aber mehr Licht als Schatten bei diesem Turnier.

Lars Jacobsen hatte zuletzt die undankbare Aufgabe, Ronaldo aus dem Spiel nehmen zu müssen. Portugals Superstar erzielte zwar kein Tor, dafür verursachte Jacobsen aber fast ein halbes Dutzend Freistöße, war mit fünf Fouls der mit Abstand unfairste Spieler auf dem Platz.

Als großer Schwachpunkt der dänischen Defensive hat sich bisher aber Simon Kjaer entpuppt. Der Noch-Wolfsburger leistete sich sowohl gegen die Niederlande als auch gegen Portugal teilweise haarsträubende Fehler, kam beim 0:2 gegen Postiga zu spät. Unter Druck wird Kjaer schnell fahrig, verliert dann die Orientierung. Sein Aufbauspiel ist schwach. Daniel Agger muss Kjaer immer wieder leiten. Der Kapitän ist der Chef in der Defensive und hat bisher die besten Zweikampfwerte (81 Prozent). Aber Agger kann nicht überall sein. In der Luft trotz seiner Größe nicht immer souverän. Simon Poulsen hatte in der Offensive bisher einige starke Szenen. Defensiv ist der Linksverteidiger, der eigentlich im Mittelfeld sein Zuhause hat, aber nicht antrittsschnell genug. Was bei den Dänen auffällt: Defensive Standards verteidigt die Mannschaft bisher im Raum, eine feste Zuordnung gibt es nicht. Damit hatte man aber auch einige große Probleme, gerade im Spiel gegen die Niederlande brannte es teilweise lichterloh, wenn die einlaufenden Gegenspieler nicht klar zugeteilt waren. Und: Bei starkem Pressing des Gegners sind die Innenverteidiger im Spielaufbau überfordert.

Deutschlands Prunkstück ist bisher klar die Defensive. Mats Humnmels und Holger Badstuber machen die Mitte dicht, wobei Hummels mit bisher 87,5 Prozent gewonnener Zweikämpfe die besten Werte seiner Mannschaft aufweist. Dahinter folgt Sami Khedira mit 77,8 Prozent mit deutlichem Abstand auf Rang zwei. Badstubers Spiel ist sachlicher, aber nicht minder konsequent. Die beiden bilden bisher eins der besten Pärchen bei dieser EM. Links in der Viererkette hat Philipp Lahm bisher eine gute, aber noch keine herausragende EM gespielt. Der Kapitän ist defensiv über alle Zweifel erhaben, hat aber in der Offensive noch ein bisschen Luft nach oben. Ein Fragezeichen bleibt die Besetzung des rechten Außenverteidigers. Jerome Boateng ist nach zwei Gelben Kartne gesperrt. Als Alternativen stehen Benedikt Höwedes und Lars Bender bereit. Bender wurde zuletzt vom Bundestrainer immer explizit gelobt und auch schon zweimal eingewechselt. Höwedes ist dagegen noch ohne Einsatzzeit. Eigentlich ist der Schalker mit der Position vertrauter, Bender hat aber wohl leicht die Nase vorn.

Vorteil Deutschland

Das Mittelfeld

Dänemark hat auf der Sechs in William Kvist den Strategen im Team. Der Stuttgarter ist Ballschlepper und Abfangjäger zugleich und die dominierende Figur für das dänische Spiel.

Muss auf Grund der technischen Defizite der Innenverteidiger viele Bälle schon tief in der eigenen Hälfte abholen, ein bisschen erinnert das dänische Aufbauspiel an das des Hamburger SV, wenn beide Innenverteidiger nach außen schieben, um Kvist als eine Art Libero den ersten Pass spielen zu lassen. Das erklärt auch seine 108 Ballkontakte im Portugal-Spiel, die mit Abstand meisten im dänischen Team. Nebenspieler Niki Zimling ist deutlich weniger ins Spiel eingebunden, räumt im defensiven Mittelfeld dafür mehr ab. Die Offensivreihe bilden Tobias Mikkelsen (rechts), Michael Krohn-Dehli (links) und Christian Eriksen (Zentrum). Eriksen sei das größte Talent der letzten 20 Jahre, sagt sein Trainer Morten Olsen. Bisher läuft die EM aber am Jungstar vorbei. Mikkelsen wird den verletzten Dennis Rommedahl ersetzen und war gegen die Portugiesen besonders durch seine Dribblings ein belebendes Element. Auf der anderen Seite fiel Krohn-Dehli im Vergleich zu seinem starken Spiel gegen die Niederlande im Spiel danach ab. Es fehlt den Dänen an der Kreativität, Eriksen alleine kann nicht alles stemmen, von den beiden Außenspielern kommt im Spielvortrag zu wenig. Immerhin stimmt die Laufleistung der gesamten Mannschaft: Im Schnitt lief die dänische Mannschaft bisher rund 114 Kilometer.

Bastian Schweinsteiger erlebte gegen die Niederlande seine Auferstehung. An der Seite des erneut starken Sami Khedira biss sich Schweinsteiger nach einem wackeligen Start grandios ins Spiel und bereitete beide Gomez-Tore vor. Am Ende hatte er eine Passgenauigkeit von sagenhaften 92 Prozent, in der gegnerischen Hälfte lag die Quote immer noch bei 90 Prozent. Kein anderer deutscher Spieler kam auch nur annähernd auf solche Zahlen. Ein Sorgenkind ist bisher Lukas Podolski. Gegen Portugal hatte er noch die meisten Torschüsse im deutschen Team (5), gegen die Niederlande keinen einzigen. Offensiv findet Podolski bisher wenig statt, dafür hat sich seine Arbeit in der Defensive verbessert. In Lwiw steht Podolski vor seinem 100. Länderspiel für Deutschland. Mesut Özil hat bisher noch nicht geglänzt - sein Wert für die deutsche Mannschaft lässt sich auch nur schwer messen. Seine Daten sind fast überall ausbaufähig, im Vergleich zu Schweinsteiger war die Passgenauigkeit gegen die Niederlande zum Beispiel deutlich schwächer (72 Prozent). Dafür schaffte Özil durch seine vielen Läufe auf die Außen immer wieder Platz im Zentrum, unter anderem vor den beiden Treffern gegen die Niederlande für Schweinsteiger. Ähnliches gilt bisher für Thomas Müller. Der hat zwar erstaunlich viele Abspielfehler (Passquote von "nur" 78 Prozent), wählt dabei aber auch oft die Risikovariante. Gegen Poulsen mit klaren Schnelligkeitsvorteilen.

Vorteil Deutschland

Der Angriff: Mario Gomez vs. Nicklas Bendtner

Bendtner kam schwer ins Turnier, blieb gegen die Niederlande relativ blass und gewann nur 36 Prozent seiner Zweikämpfe. Dafür überzeugte er gegen die Portugiesen umso mehr. Zwei Abschlüsse brachte er aufs Tor, beide waren drin, beide mit dem Kopf.

Bewegte sich deutlich besser und schaffte sich so immer wieder ein paar Meter Platz. Scheint jetzt voll drin im Turnier, der mit Abstand gefährlichste dänische Spieler. Das Spiel der Dänen ist stark auf Bendtner ausgerichtet, der als Anspielstation im Zentrum auch gerne mit hohen Bällen gesucht wird, um dann auf die nachrückenden Mittelfeldspieler prallen zu lassen. Ein Problem: Hinter Bendtner wird es schnell sehr dünn bei den Dänen. Lasse Schöne oder Nicklas Pedersen sind bei weitem nicht so stark, auch Mads Junker besticht allenfalls durch Kopfballstärke. Am Boden haben alle dänischen Angreifer ihre Defizite.

Gomez hat bisher alle drei deutschen Turniertreffer erzielt und dafür lediglich fünf Torschüsse benötigt. Gomez hat also durchaus die nötige Effizienz. Da kann man auch über seine unterdurchschnittliche Zweikampfquote von bisher 23,5 Prozent hinwegsehen. Miroslav Klose kommt im Vergleich dazu auf 55,6 Prozent, also mehr als das Doppelte. Der muss sich allerdings auch immer von Beginn an aufreiben, während Klose zweimal Mitte der zweiten Halbzeit gegen einen dann schon etwas müden Gegner eingewechselt wurde. Bundestrainer Löw stellte seinem Routinier sogar einen Startelfeinsatz gegen die Dänen in Aussicht.

Unentschieden

Die Trainer: Joachim Löw vs. Morten Olsen

Olsen ist der dienstälteste Trainer des Turniers, seit zwölf Jahren coacht er die Dänen jetzt bereits.

Den 62-Jährigen kann kaum noch etwas überraschen, in 20 Jahren als Profi und mittlerweile 22 als Trainer hat er schon nahezu alles gesehen und erlebt.

Bisher überraschte er auch bei der EM nicht groß durch taktische Kniffe. Dänemark spielt das bekannte Spiel, Olsen setzt dabei auf die Achse Agger-Kvist-Bendtner. Lediglich das Experiment mit Simon Poulsen als Linksverteidiger ist etwas außergewöhnlich.

Löw hat bisher fast alles richtig gemacht. Der Bundestrainer vertraute trotz Gegenwind auf Gomez und wurde dafür belohnt. Wechselte bisher immer dieselben drei Spieler ein (Kroos, Klose, Bender), hält sich aber immer auch eine kleine Überraschung in der Hinterhand. Vermutlich wird der gelernte Mittelfeldspieler Bender gegen die Dänen rechts hinten verteidigen, auch ein Klose-Einsatz von Beginn an ist nicht ausgeschlossen.

Unentschieden

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