Jürgen Klinsmann im Interview

"Die herausragende Figur war Berti Vogts"

Von Interview: Stefan Rommel
Dienstag, 08.05.2012 | 23:13 Uhr
Zeit für ein Gespräch war nicht - aber Klinsmann bekam von der Queen den EM-Pokal
© Getty
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Die EM 1996 hatte viele Helden: Weltstar Matthias Sammer, Tackling-Wunder Dieter Eilts - und nicht zuletzt Jürgen Klinsmann. Der damalige Kapitän, heute Nationaltrainer der USA und Markenbotschafter des UEFA-Sponsors Hyundai, über Deutschlands letzten großen Titel. Über Dramen, Kriegsszenarien und den wahren MVP.

SPOX: Herr Klinsmann, 16 Jahre nach dem letzten Titel für Deutschland: An was erinnern Sie sich am meisten - abgesehen vom Finalsieg und der Pokalübergabe durch Queen Elisabeth II.?

Jürgen Klinsmann: Eindeutig das Halbfinale, bei dem ich verletzt auf der Bank saß. Diese sensationelle Stimmung im Wembley-Stadion, als alle Zuschauer "Football's coming home" sangen, diese Spannung im Spiel, einfach nur unvergesslich.

SPOX: War das Viertelfinale zuvor gegen Kroatien das härteste Spiel Ihrer Karriere?

Klinsmann: Das härteste nicht. Es war ein Spiel, das auf Messers Schneide stand. Beide Mannschaften haben nach vorne gespielt und es war ein intensiver Fight. Aber es gab noch härtere Spiele in meiner Karriere.

SPOX: Es folgte das Halbfinale gegen Gastgeber England - und die englischen Boulevardmedien heizten eine Kriegsstimmung an. Die Partie wurde zu einer nationalen Angelegenheit stilisiert. War es zu viel des Pathos?

Klinsmann: Das ist halt die Art der englischen Boulevardmedien, Auflage zu machen. Im Grunde warteten sie ja nur auf eine Reaktion aus Deutschland, damit sie dieses Spiel weiterspielen können. Manchmal kommt aber auch noch der typisch schwarze Humor der Engländer hinzu. Mit alldem findet man sich jedoch ab, wenn man in England lebt...

SPOX: Gareth Southgate hat im Halbfinale den entscheidenden Elfmeter verschossen. Haben Sie danach je mit ihm darüber gesprochen?

Klinsmann: Nur direkt nach dem Elfmeter - da habe ich versucht, ihn zu trösten. Aber das war erfolglos. In solchen Momenten gibt es keinen Trost, weil man zu enttäuscht ist.

SPOX: Sie haben im Halbfinale gefehlt. Wie furchtbar war die Ungewissheit davor, ob Sie rechtzeitig noch fit werden würden?

Klinsmann: Furchtbar ist übertrieben, eigentlich war das Gegenteil der Fall: Ich hatte Zuversicht. Es war ein Wettlauf mit der Zeit und ich war immer überzeugt, dass ich ihn gewinnen werde. Es war meine erste und auch einzige Muskelverletzung in meiner gesamten Karriere. Vielleicht hatte ich auch deshalb so große Hoffnung, weil ich keine Erfahrung mit einer solchen Verletzung hatte.

SPOX: Damals galt noch die Golden-Goal-Regelung. Wie oft haben Sie in den letzten Jahren Paul Gascoigne in der Verlängerung um Milimeter an dieser denkwürdigen Flanke vorbeigrätschen sehen?

Klinsmann: Hinterher gar nicht mehr, obwohl eine unglaubliche Dramatik im Spiel drin war. Deswegen bin ich ein Befürworter des Golden Goals und hätte es gerne beibehalten. Ich würde das Golden Goal jeder langweiligen Verlängerung mit anschließendem Elfmeterschießen vorziehen.

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SPOX: Andreas Möllers Jubelgeste nach dem entscheidenden Elfmeter fand in England nicht so großen Anklang. Er habe Gazza kopiert, die humorlosen Deutschen könnten sich nicht mal einen eigenen Jubel ausdenken, lautete der Vorwurf. Sie waren spitzfindiger, haben auf das Vorurteil des Divers gleich mal mit einem Diver nach Ihrem ersten Tor geantwortet...

Klinsmann: Die Engländer tun da nur so. Eigentlich hat ihnen Andys Jubel ja gefallen und sie haben geschmunzelt darüber, weil es auch ihrem Humor entspricht. Solche Jubelposen mögen sie eigentlich - ebenso wie den Diver. Bei Andy Möller hat es halt leider die Engländer getroffen.

SPOX: Was redet man eigentlich mit der Queen, wenn man - wie vor dem Finale - seine Mannschaft Spieler für Spieler vorstellt?

Klinsmann: Zeit für Small Talk bleibt da nicht. Da stellt man nur die Spieler vor. Aber es war schon ein unvergesslicher Moment in meiner Karriere - ebenso wie mit Nelson Mandela bei einem Freundschaftsspiel in Südafrika.

SPOX: Matthias Sammer wurde im Jahr des EM-Erfolgs auch Deutschlands und Europas Fußballer des Jahres. War er die herausragende Figur dieser Mannschaft?

Klinsmann: Er gehörte sicherlich zu einer Gruppe von Führungsspielern. Aber die herausragende Figur bei diesem Turnier war für mich Berti Vogts, weil er wesentliche Verantwortlichkeiten diesen vier, fünf Führungsspielern übertrug.

SPOX: Dieter Eilts machte den Posten des Sechsers bei der EM salonfähig. Ruud Gullit sagte in der BBC: "So einen phänomenalen Spieler habe ich noch nicht gesehen. 100 Tacklings, alle gewonnen, alle sauber."

Klinsmann: Einspruch: Dieter Eilts spielte ein herausragendes Turnier und war auch ein Garant für den Erfolg. Aber der Sechser vor der Abwehr war zuvor schon eine deutsche Domäne. Ich erinnere da nur an Guido Buchwald bei der WM 1990.

SPOX: Sie wurden mit Sammer, Eilts und Torwart Andreas Köpke ins All-Star-Team der EM berufen. Wo bewahren Sie Ihre EM-Siegermedaille eigentlich auf?

Klinsmann: Ich bin keiner, der einmal pro Monat seine Medaillen abstaubt und neu ordnet. Aber ich weiß schon, wo sie ist: zuhause in Kalifornien.

SPOX: Konnten Sie trotz des ganzen Stresses während eines Turniers, trotz aller Unwägbarkeiten und Verletzungen, die fantastische Stimmung rund um das Turnier und in den Stadien überhaupt genießen?

Klinsmann: Absolut. Jede Sekunde. Das ist es ja, was diese großen Turniere auszeichnet. Alleine die Atmosphäre in den Stadien war herausragend. Das war unvergesslich.

SPOX: Hat der Titel damals schwelende Probleme im Team nochmals übertüncht? Danach war für Deutschland bei den Großveranstaltungen immer relativ früh Schluss.

Klinsmann: Nein. Es hat schon immer diese Wellentäler gegeben, die auch mit den Zyklen von Mannschaften zusammenhängen. In England hat die Mannschaft einfach hervorragend funktioniert und so konnten wir die Leistung auf das Spielfeld bringen.

Der Hero von 1996: Jürgen Klinsmann im Steckbrief

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