Freitag, 13.04.2012
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Sport-Legende Sergej Bubka im Interview

"Ukraine wird ein großartiger Gastgeber sein"

Sergej Bubka ist die größte Legende des ukrainischen Sports. Zudem ist er Funktionär und erfolgreicher Geschäftsmann. Entsprechend viel Gewicht hat sein Wort in seiner Heimat. SPOX sprach mit dem Stabhochsprung-Weltrekordler im Vorfeld der Fußball-EM in Polen und der Ukraine über die wirtschaftlichen Chancen für sein Land, Skepsis in den Medien, die Klitschkos und sein Engagement für Laureus.

Sergej Bubka ist von einer großartigen EM in seinem Heimtland Ukraine überzeugt
© Getty
Sergej Bubka ist von einer großartigen EM in seinem Heimtland Ukraine überzeugt

SPOX: Herr Bubka, die EM in Ihrer Heimat Ukraine steht bevor. Hat auch Sie als Weltstar der Leichtathletik das Fußball-Fieber schon gepackt?

Sergej Bubka: Klar! Seit ich ein Kind bin, interessiere ich mich sehr für diesen Sport. Ich habe in meiner Schulzeit Anfang der 70er Jahre sogar selbst gespielt. Da waren heiße Matches dabei. Bei den großen Turnieren habe ich erst mit der Sowjetunion und danach mit der ukrainischen Mannschaft gefiebert. Das wird sich diesmal natürlich noch steigern. Wir können uns alle auf ein großes Fußballfest freuen.

SPOX: Was trauen Sie Ihrer ukrainischen Nationalmannschaft zu?

Bubka: Ich hoffe sehr, dass sie gut spielen und eine Chance haben. Immerhin wird eine ganze Nation hinter ihnen stehen, die gute Resultate erwartet.

SPOX: Kann die Ukraine auch Favoriten wie Spanien und Deutschland herausfordern?

Bubka: Das ist Sport und im Sport ist alles möglich. Ich bin optimistisch, dass wir uns in der Gruppe mit England, Frankreich und Schweden durchsetzen. Was danach kommt, werden wir sehen.

SPOX: Mal abgesehen vom sportlichen Erfolg. Wie kann die Ukraine als Nation von der EM profitieren?

Bubka: Die EM bietet den Menschen aus aller Welt die Möglichkeit, die Ukraine kennen zu lernen. Das ist ein großartiges Land mit einer tollen und schnell wachsenden Bevölkerung. Wir haben eine große Tradition in Sachen Gastfreundschaft, es wird also für alle Besucher eine Freude sein, durch die Ukraine zu reisen. Die EM kann Türen für unser Land öffnen. Dazu kommt natürlich die ganze Infrastruktur, die Hotels, die öffentlichen Verkehrsmittel, die Straßen. Von all dem werden die Menschen hier ihr Leben lang profitieren.

SPOX: Wird die Ukraine mit allen Vorbereitungen rechtzeitig fertig werden?

Bubka: Ich bin sicher, auch Sie haben die Kommentare von UEFA-Präsident Michel Platini vernommen, was die Fortschritte in der Infrastruktur angeht. Er ist sich sicher, dass alles rechtzeitig fertig wird. Und auch für mich ist das kein kritisches Thema mehr. Wir sind innovativ, wir haben alles unter Kontrolle. Alle Verantwortlichen machen einen großartigen Job.



SPOX: Ist es unfair, dass die Ukraine im direkten Vergleich mit Polen als der schwächere Gastgeber angesehen wird?

Bubka: Wissen Sie, in meiner Funktion als IAAF-Vizepräsident und auch bei meinen Reisen als Mitglied der Laureus-Academy habe ich Menschen aus über 100 Ländern dieser Erde kennen gelernt. Und sie sind alle beeindruckt, wenn sie in die Ukraine kommen und das Land entdecken. Es mag sein, dass internationale Medien ihre Zweifel haben, aber die kann ich nicht teilen. Die Ukraine wird ein großartiger Gastgeber sein.

SPOX: Hand aufs Herz: Was ist für Sie als früherer Leichtathlet spannender, die Fußball-EM in der Heimat oder die Olympischen Spiele in London?

Bubka: Zum Glück muss ich mich ja nicht definitiv für eins entscheiden, weil sich die Großereignisse nicht überschneiden. Ich kann mir also beides anschauen. Natürlich ist Olympia global gesehen der viel größere Event, aber für Europa und die Ukraine ist die EM etwas ganz Einzigartiges.

SPOX: Wobei Ihr Heimatland nicht ausschließlich auf Fußball fixiert ist.

Bubka: Stimmt. Die EM im Fußball ist zwar das mit Abstand größte Sportereignis in unserem Land, aber bei weitem nicht das einzige. Wir richten ebenso die WM im Fechten, die Basketball-EM, die Junioren-EM in der Leichtathletik und die WM in Rhythmischer Sportgymnastik aus. Sie sehen, die Ukraine ist generell eine Sport-Nation. Wir treiben selbst Sport, wir schauen gerne Sport - wir leben Sport!

EM-Stadien 2012: Ostsee-Perlen & ukrainische Ufos
Soccer City in Johannesburg? Nein, wir sind in Polen! Nicht unweit der Ostsee steht das goldene EM-Stadion von Danzig. Knapp 44.000 Fans können hier jubeln
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Die polnischen Nationalfarben an der Außenwand sollen die Spieler zu Höchstleistungen animieren. In Warschau beginnt mit dem Eröffnungsspiel die Europameisterschaft
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Das Stadion von Breslau fasst knapp 43.000 Zuschauer und ist Austragungsort dreier Vorrundenspiele. Schlappe 200 Millionen Euro hat das Schmuckstück gekostet
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Das EM-Stadion in Posen wurde als erstes Stadion eingeweiht. Ein schönes Schmuckkästchen ist es geworden. Dreimal rollt hier während der EM der Ball
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Ufo mit Planschbecken? Das Stadion von Donezk kann schon mal 52.000 Zuschauer auf andere Gedanken bringen
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Die Arena von Charkiw lässt den Himmel blau erstrahlen. In dem renovierten Stadion können knapp 42.000 Fans drei Vorrundenspiele genießen
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Ende Oktober wurde das Stadion in Lviv feierlich eröffnet. Mit Drachen und Kleopatra
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Hübsches Ding! Im größten Stadion der EM wird der Europameister gekrönt. Wer kann in Kiew den Pokal in die Höhe stemmen?
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SPOX: Und Sie haben große Sportstars hervorgebracht. Neben Ihnen fallen uns Deutschen natürlich vor allem die Klitschko-Brüder ein.

Bubka: Die Klitschkos sind großartige Botschafter für unser Land. Aber nicht nur sie. Die Ukraine ist voll von großen Sport-Legenden, die alle unser Land hervorragend in der Öffentlichkeit vertreten. Es würde zu lange dauern, sie alle aufzuzählen.

SPOX: Wie die Klitschkos engagieren auch Sie sich sehr stark für die Laureus-Stiftung, Sie sind sogar Gründungsmitglied.

Bubka: Das ist eine großartige Sache, bei der es vor allem darum geht, das Leben von Kindern in aller Welt ein wenig zu verbessern. Sport kann ihnen helfen, Selbstbewusstsein zu entwickeln, Gemeinschaft zu erleben und Erfolg zu haben. Ich bin sehr stolz, ein Teil davon zu sein.

SPOX: Eine Möglichkeit für Sie als erfolgreicher Sportler, der Allgemeinheit etwas zurückzugeben?

Bubka: Absolut. Ich habe schon Anfang der 90er Jahre angefangen, Charity-Projekte zu unterstützen. Gerade damals war auch für die Ukraine eine schwere Zeit, als es nach dem Zerfall der Sowjetunion darum ging, unabhängig zu werden. Meiner Meinung nach sollte es für jeden erfolgreichen Sportler selbstverständlich sein, nach seiner Karriere etwas an die junge Generation zurückzugeben.

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Interview: Alexander Mey

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Gruppe D: 11., 15., 19. Juni

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