"Polen B" hofft auf Fußball-EM

SID
Dienstag, 27.03.2012 | 10:28 Uhr
Nicht nur sportlich soll die EM für Polen ein großer Erfolg werden
© Getty
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Neue Stadien, eine neue Infrastruktur und ab Juni fast eine Million ausländische Touristen. Danzig, Breslau, Posen, Warschau, aber auch Krakau, wo mit den Niederlanden, England und Italien gleich drei Teilnehmer der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft wohnen und trainieren werden, freuen sich auf das Großereignis.

Die wohlhabendsten polnischen Städte werden von der EURO 2012 am meisten profitieren. Nicht ohne Neid blickt man deshalb in Ostpolen auf die Gastgeberstädte der EM.

Als "Polen B" wird diese Region wegen seiner wirtschaftlichen Rückständigkeit von der polnischen Presse bezeichnet. Ein Umstand, der sich in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar macht: Während landesweit die Quote bei 13 Prozent liegt, beträgt sie etwa in der zu Ukraine grenzenden Region Przemysl fast 20 Prozent.

Aber auch wenn "Polen B" bei den Vorbereitungen für die EM nur eine untergeordnete Rolle spielte, an der EM wollen auch die südostpolnischen Städte wie Lublin, Przemysl, Rzeszow und Zamosc verdienen. Sie setzen dabei auch auf ihre Nähe zu Lemberg, wo neben der DFB-Elf auch die Dänen und die Portugiesen ihre Gruppenspiele bestreiten werden.

"Wir wollen während des Turniers so viele Touristen wie möglich", erklärte der Bürgermeister von Przemysl, Robert Choma, kürzlich in einen Radiointerview.

Ansturm - aber nicht überall

Dass die in Ostpolen gehegten Hoffnungen auf einen Ansturm ausländischer Fußball-Fans nicht unbegründet sind, dafür ist Przemysl das beste Beispiel. Obwohl die Hotelpreise für die Wochen der EM verdoppelt wurden, sind bereits alle Hotels ausgebucht.

Eine Reservierungsflut, die Przemysl vor allem den Übernachtungspreisen während der EM in der Ukraine verdankt, die so sehr in die Höhe gestiegen sind, dass sogar der ukrainische Vizeregierungschef Boris Kolesnikow den ausländischen Fans riet, nach den Spielen gleich wieder in ihre Heimat zu fliegen.

Ob auch die anderen Hoteliers in der polnischen Grenzregion von den hohen Übernachtungspreisen in der Ukraine profitieren werden, ist momentan noch fraglich. Denn während Przemysl sich schon heute über ausgebuchte Hotels während der EM freut, sieht die Situation in anderen Städten weniger rosig aus.

"Es haben zwar einige Klienten aus dem Ausland angerufen und haben sich nach Zimmern während der EM informiert. Aber es ist nur bei Anfragen geblieben", klagte im März ein Hotelier aus Rzeszow auf den Lokalseiten der "Gazeta Wyborcza". Eine Situation, die in der 160 Kilometer von Lemberg entfernten Stadt momentan alle Hoteliers erleben.

"Malerisch gelegene Studentenstadt"

Es gibt zwar einzelne Reservierungen, doch von einem Ansturm ausländischer Fans kann man momentan nicht reden. In allen Hotels, auch in den günstigsten, kann man bis heute problemlos ein Zimmer bekommen.

Und dies ist durchaus erstaunlich, da Rzeszow mit dem dänischen Fußballverband einen einflussreichen Fürsprecher hat. Als eine "malerisch gelegene Studentenstadt" bewirbt der DBU die ostpolnische Stadt und bietet seinen Fans an, die bisher wenig Interesse an den EM-Tickets zeigen, von Rzeszow aus zu den Spielen der Dänen gegen Portugal und Deutschland nach Lemberg zu reisen.

Für die Hoteliers und die Städte der Region durchaus ein schmerzhaftes Desinteresse. In der Hoffnung auf ausländische Fans, haben viele Hoteliers ihre Unterkünfte renoviert. Auch in den Städten, in denen ebenfalls Fan-Meilen entstehen sollen, wurden Investitionen in der Infrastruktur getätigt, wie etwa die Modernisierung und Erweiterung des Flughafens in Lublin.

Besonderer Service

Doch trotz aller Mühe wurden nicht alle Projekte realisiert. Vor allem die wichtige Autobahn, die Ostpolen mit Lemberg verbinden soll, konnte bis auf ein kleines Teilstück nicht fertig gestellt werden. Zudem wird bis heute an wichtigen Grenzverbindungen gearbeitet, bei denen vor allem die Ukraine im Rückstand ist. Probleme, die auch den ausländischen Fans bekannt sind.

Diese infrastrukturellen Rückstände versuchen die ostpolnischen Gastgeber aber, mit einem besonderen Service wettzumachen. Ein Reiseunternehmen aus Tomaszow Lubelski, das vor allem auf deutsche Fans hofft, bietet den Fans die Organisation der Reise nach Polen und der Übernachtung vor Ort an.

Auch um den Transport zu dem Spiel nach Lemberg muss sich der Fan nicht kümmern. Das einzige, was er machen muss: Er muss sich mit dem Reiseunternehmen, das nach eigenen Angaben fast 1.000 Zimmer unterschiedlicher Preisklasse im Angebot hat, telefonisch in Verbindung setzen.

Der Spielplan der EM

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