EM 2012: Massive Sicherheitsbedenken

Hooligans, laxe Kontrollen und veraltete Register

SID
Dienstag, 28.02.2012 | 12:13 Uhr
Sorgen polnische Hooligans für Angst bei der EM 2012?
© Getty
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Schachtjor Donezk, Dynamo Kiew oder Metallist Charkow. Auf der europäischen Bühne hat der ukrainische Fußball in den vergangenen Jahren durchaus für Furore gesorgt. Doch es gibt auch Schattenseiten: Fremdenfeindliche Parolen und Gewalt rund um die Stadien sind in der ukrainischen Premjer Liga leider keine Seltenheit.

Wladimir Merzalow kennt die Probleme. Dass diese jedoch die Fußballeuropameisterschaft überschatten könnten, glaubt der Major der ukrainischen Miliz nicht.

"Die Sicherheit der ausländischen Fans während EM ist gewährleistet", verspricht Merzalow und lässt als Begründung nur noch Zahlen sprechen. 21.000 Milizionäre und 18.000 Mitglieder paramilitärischer Einheiten des Innenministeriums werden während des Turniers im Einsatz sein.

Massiver Polizeieinsatz soll Sicherheit bringen

Allein jedes Spiel wird von 7000 Milizionären gesichert werden. "Dies teilweise in Zivilkleidung, um die Fußballanhänger nicht unnötig zu provozieren", erklärt Merzalow. Und in den Stadien selbst werden 9000 Stewards für die Sicherheit sorgen, unterstützt von der neuesten Videoüberwachung.

Doch so beeindruckend die Zahlen und Fakten auch sind, es bleiben Zweifel. Obwohl die ukrainische Miliz in den vergangenen Jahren intensiv mit ihren europäischen Kollegen und Interpol zusammengearbeitet hat, könnte die Einreise für gewaltbereite Fans aus Europa kein Problem darstellen.

"Da wir ein demokratisches Land sind, wird ihnen die Einreise nicht verweigert", sagt Merzalow.

150 Euro Monatseinkommen für einen Polizisten

Und auch die Datenbank mit den Namen von bekannten Hooligans, die in den vergangenen Jahren in Kiew angelegt wurde, weist Lücken auf. Obwohl dort offiziell Daten aus ganz Europa gesammelt werden, stammen die meisten der verzeichneten 1500 Gewalttäter vorwiegend aus dem postsowjetischen Raum, wie Merzalow selbst einräumen muss.

Die Sicherheit während der EM könnte noch durch ein anderes Problem beeinträchtigt werden, gegen das Merzalow als Vertreter der Polizeigewerkschaft selber seit Jahren erfolglos kämpft. "Gerade mal 150 Euro monatlich verdient ein ukrainischer Polizist durchschnittlich", erzürnt er sich. "Bei dem Gehalt können sich viele Beamte keine Wohnung leisten, geschweige denn eine Familie ernähren."

Die Folge: Korruption. Viele Milizionäre bessern sich ihr Gehalt auf, in dem sie sich beispielsweise bei Verkehrskontrollen bestechen lassen. Merzalow ist sich sicher, dass die Korruption durch Erhöhung der Gehälter eingedämmt werden könnte. Doch immer wenn er deswegen beim Innenministerium vorsprach, hatte es für ihn weitreichende Konsequenzen.

"Sechs Mal wurde ich bisher vom Dienst suspendiert. Und dies nur, weil ich dieses Problem angesprochen habe", erzählt Merzalow. Auf die Sicherheit ausländischer Fußballtouristen werde dieses Problem aber keinen Einfluss haben, verspricht er.

Immer wieder Ärger mit polnischen Hooligans

Dass die Sicherheit der Fans während des Turniers gewährleistet sein wird, davon ist man auch beim Co-Gastgeber Polen überzeugt. Und dies, obwohl der polnische Fußball in den vergangenen Jahren mehr durch die Gewaltexzesse seiner Hooligans auf sich aufmerksam gemacht hat als mit sportlichen Erfolge.

Doch die Regierung von Premierminister Donald Tusk griff nach den schweren Ausschreitungen beim Pokalfinale im vergangenen Mai hart durch. Mit Erfolg, wie die bisherige Saison gezeigt hat.

Von einer wirklichen Lösung des Problems lässt sich noch nicht sprechen. Beim Europa-League-Gastspiel von Wisla Krakau bei Standard Lüttich am vergangenen Donnerstag sorgten polnische Fans durch Schlägereien mit der belgischen Polizei für Negativ-Schlagzeilen.

Wenige Tage zuvor überfielen Hooligans von Arka Gdingen ein Hallenturnier, an dem die Jugendmannschaft des verhassten Lokalrivalen Lechia Danzig teilnahm.

Innenminister: EM wird ein friedliches Fest

Trotzdem ist Innenminister Jacek Cichocki überzeugt, dass die EM ein friedliches Fest werden wird. "Die Polizei ist in der Lage, jedes Spiel der EM zu sichern", versprach er vergangenen Freitag in einem Radiointerview, räumte gleichzeitig jedoch ein, dass die Fan-Meilen das größte Risiko darstellen könnten.

Ähnlich wie in der Ukraine, könnte aber auch die Situation bei der polnischen Polizei Einfluss auf die Sicherheitslage während des Turniers haben.

Wie die Tageszeitung "Dziennik Gazeta Prawna" Anfang Februar berichtete, waren nicht die fehlenden Sicherheitsmaßnahmen im neuen Warschauer Nationalstadion für die Absage des Spiels um den polnischen Supercup ausschlaggebend, sondern die schlechte Personallage bei der Polizei.

Der Spielplan der EM 2012

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