Trauma von 2010 überwinden

SID
Donnerstag, 10.11.2011 | 16:26 Uhr
Giovanni Trapattoni (M.) hofft auf die EM-Quali mit irischen Nationalmannschaft
© Getty
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Venlo

Die Nationalmannschaft von Irland will gegen den Außenseiter Estland (Freitag, 20:30 Uhr im LIVE-TICKER) ihre erste EM-Teilnahme seit 1988 perfekt machen. Für den früheren Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni wäre die Teilnahme an der EURO der glänzende Schlusspunkt seiner Karriere.

Giovanni Trapattoni hat noch lange nicht fertig. Der italienische Trainer-Dino ist zwar schon 72 Jahre alt, an den wohlverdienten Ruhestand denkt der ehemalige Bundesligatrainer von Bayern Müchen und dem VfB Stuttgart aber noch lange nicht.

Im Sommer kommenden Jahres will der Maestro bei der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine eine Hauptrolle spielen und mit Irland den einen oder anderen Großen ärgern. Zuvor müssen sich Trap und sein Team aber in den beiden Play-off-Spielen gegen Außenseiter Estland im Nachsitzen das Ticket für die EM sichern. Den Grundstein wollen die Iren am Freitagabend in Tallinn legen.

Erste EM-Teilnahme seit 1988?

Die erste EM-Teilnahme seit 1988 wäre nicht nur für den irischen Fußball ein Befreiungsschlag, nachdem dieser 2010 eine seiner bittersten Stunden erlebt hatte. Denn vor der WM in Südafrika scheiterten die Iren in den Play-offs unglücklich an Frankreich, für das Thierry Henry das entscheidende Tor mit einem nicht geahndeten Handspiel vorbereitet hatte - was Gott und die Welt gesehen hatten, nur eben der Schiedsrichter nicht.

"Das Aus in Paris ist immer noch ein Trauma auf der Insel", sagt Trapattoni, der gegen die Esten aber nicht nur auf die eigene Stärke, sondern auch auf himmlischen Beistand vertrauen darf.

Schließlich ist "Il Tedesco" (der Deutsche), wie Trapattoni in seiner italienischen Heimat gerufen wird, seit vergangenem Jahr auch der Coach der Fußballauswahl der Vatikanstadt. Falls er mit den Iren die EM-Qualifikation schaffen sollte, würde er auf der Insel zweifelsohne Heiligenstatus erlangen, auch wenn er bei seiner Inthronisierung als Teammanager im Frühjahr 2008 gesagt hatte: "Ich bin kein Heiliger, ich bin Giovanni."

Mit Trap zu alter Stärke

Damals bezog sich Trapattoni, der 1998 in Deutschland mit seiner Wutrede als Bayern-Trainer ("Was erlauben Strunz?" - "Schwach wie eine Flasche leer!" - "Ich habe fertig!") Kultstatus erlangte, aber auf seinen Geburtstag am 17. März - zufällig auch der Geburtstag des irischen Nationalheiligen St. Patrick.

In Irland war der Italiener nicht von allen mit offenen Armen empfangen worden, galten seine Trainingsmethoden doch spätestens seit seinem Aus 2008 bei RB Salzburg als veraltet. Doch der Trainer-Routinier setzte sich gegen alle Widerstände durch und erwarb zusätzliche Sympathiepunkte, als er auf zehn Prozent seines Millionengehalts verzichtete, nachdem die irische Wirtschaft eingebrochen war.

Zudem führte er das Team wieder zu alter Stärke. In der EM-Quali verlor Irland nur ein Spiel gegen Gruppensieger Russland, dennoch warnt Trapattoni: "Wir haben keinen Grund, Estland zu unterschätzen."

Zumal Trapattoni im Hinspiel fünf Ausfälle verkraften muss. Nach Liam Lawrence (FC Portsmouth), Shane Long (West Bromwich Albion), John O'Shea (AFC Sunderland) und Kevin Doyle (Wolverhampton Wanderers) sagte auch noch Leon Best (Newcastle United) ab, da seine Frau am Spieltag ihr erstes Kind erwartet.

Giovanni Trapattoni im Steckbrief

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