Donnerstag, 05.05.2016

Trainer-Ikone Eduard Geyer im Interview

"Wer zu Dynamo kommt, muss zittern"

Eduard "Ede" Geyer ist eine Legende des DDR-Fußballs. Mit Dynamo Dresden feierte er zweimal die Oberliga-Meisterschaft und einmal den Gewinn des Pokals. Im Interview mit SPOX spricht der inzwischen 71-Jährigen über den Aufstieg und die Perspektiven seines Herzensklubs Dynamo, die Entwicklung von RB Leipzig und Gartenarbeiten nach der Karriere.

Einmal Dynamo, immer Dynamo: Das gilt nicht zuletzt für Ede Geyer
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Einmal Dynamo, immer Dynamo: Das gilt nicht zuletzt für Ede Geyer

SPOX: Mit Ihrem früheren Klub Dynamo Dresden steht ein Aufsteiger in die 2. Liga fest. Wie sehr haben Sie sich eigentlich darüber gefreut?

Eduard Geyer: Dresden hat über die letzten Jahre immer Probleme gehabt, sich zu stabilisieren. Deshalb ist es für alle Dynamo-Anhänger jetzt eine große Erleichterung, dass der Aufstieg geklappt hat. Jetzt geht es nur noch darum, sich ordentlich aus der 3. Liga zu verabschieden und nach vorne zu blicken: Dresden muss sich verstärken, um in der nächsten Saison nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Die Etablierung in der 2. Liga muss das Ziel sein.

SPOX: Dresden hat die Konkurrenz klar dominiert. Wo liegen die Gründe dafür?

Geyer: Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn man das Resultat betrachtet, haben sie alles richtig gemacht. Mehr als den Aufstieg kann man nicht erreichen. Uwe Neuhaus hat einen unglaublich großen Anteil an der Siegesserie. Er hat den Erfolg mit nach Dresden gebracht und dadurch das ganze Klima im Verein beruhigt.

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SPOX: Ist Dynamo auch für die Zukunft gut aufgestellt?

Geyer: Auf der Trainerposition definitiv. Neuhaus hat ja bereits mehrere Jahre in der 2. Liga trainiert. Der Rest bleibt abzuwarten. Viele Spieler werden den Verein verlassen, die Mannschaft wird sich wieder verändern. Ich hoffe dementsprechend, dass Dresden gute Spieler findet - sowohl fußballerisch als auch charakterlich. Es sollten Spieler sein, die es auch schätzen, dass sie vor ausverkauftem Haus spielen können. Denn die Euphorie für den Fußball in der Region ist enorm groß und die Hoffnung, sich auf Dauer oben zu etablieren, ebenfalls.

SPOX: Stichwort Fußball-Euphorie: Welchen Anteil haben die Dynamo-Anhänger am Erfolg?

Geyer: Dresden ist allgemein eine Stadt, die mit und für den Fußball lebt. Auch viele Menschen, die nicht zum Fußball gehen, haben trotzdem ein Herz für den Klub. Vor allen Dingen sind aber die Ultras im K-Block mit den Choreographien und Gesängen enorm wichtig. Was ich mir aber zudem noch wünsche: Dynamo muss aus seinem Heim-Mythos noch mehr Kraft ziehen. Zu Hause muss Dresden eine Macht sein! Und die Mannschaften, die nach Dresden kommen, müssen zittern.

SPOX: Doch Dynamo hat nach wie vor ein Hooligan-Problem, das ist bundesweit bekannt. Was muss der Verein dagegen unternehmen?

Geyer: Wenn ich ins Stadion gehe, sehe ich nur die freudigen Gesichter, die Fans und Familien, aber keinen Krach. Natürlich gibt es immer wieder Störenfriede oder Hooligans. Die müssen natürlich aus dem Verkehr gezogen werden, aber ich bleibe bei meiner Meinung: Das ist kein Problem des Vereins Dynamo Dresden, das ist ein Problem der Politik. Hooligans gibt es auch in Köln und in vielen anderen Städten. In Dresden hat sich das meiner Meinung nach zuletzt in eine gute Richtung entwickelt. Da muss nicht immer mit dem Finger auf den Osten gezeigt werden.

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SPOX: Können sich andere Ost-Vereine von Dresden etwas abschauen?

Geyer: Natürlich können sich andere Klubs Dynamo als Vorbild nehmen. Die Vereine können sich beispielsweise untereinander austauschen. Dennoch muss jeder selber sehen, wie er zurechtkommt. Hinzu kommt, dass Klubs wie Aue, Leipzig oder Magdeburg alle eine andere Ausgangsposition haben. Dadurch wird es schwer, alle miteinander zu vergleichen. Natürlich spielt auch die Tradition immer eine große Rolle. In Dresden ist diese gegeben. Der Fußball lebt hier schon seit über 100 Jahren und genau das wird beibehalten.

SPOX: Neben Dresden wird mit Erzgebirge Aue wohl ein zweiter Ostverein aufsteigen.

Geyer: Der Erfolg von Aue muss wirklich neidlos anerkannt werden. Die haben einen großen Schritt nach vorne gemacht, da es zu Saisonbeginn einen ganz großen Umbruch gab. Aue wird zu 100 Prozent aufsteigen, da lege ich mich fest. Die Mannschaft ist sehr effizient und arbeitet mit großer Hingabe und Leidenschaft. Man könnte sagen, dass sie den Aufstieg erzwungen haben. Aber wir dürfen Magdeburg nicht vergessen. Sie sind ebenfalls gut gestartet und waren immer vorne mit dabei. Da habe ich im Stillen gehofft, dass sogar drei Ost-Vereine aufsteigen könnten. Vielleicht haben sie das in Magdeburg auch gedacht.

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Interview: Felix Christmann

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