Fussball

"Wer zu Dynamo kommt, muss zittern"

Von Interview: Felix Christmann
Einmal Dynamo, immer Dynamo: Das gilt nicht zuletzt für Ede Geyer
© imago

SPOX: Ist der Erfolg der Klubs aus dem Osten Zufall oder erleben wir den großen Aufschwung?

Geyer: Mit Vorsicht betrachtet kann die Situation sehr, sehr positiv gesehen werden. Auch wenn die beiden Teams natürlich nicht sofort von der 3. Liga in die Bundesliga aufsteigen werden. Der Blick muss aber auch auf den Nachwuchs und die Auswahlmannschaften von der U14 bis zur U23 gehen. Wenn da der Osten mit dem nationalen und internationalen Fußball verglichen wird, stellt sich heraus, dass wir da noch sehr viel zu tun haben. Zudem brauchen wir finanzkräftige Sponsoren, dass wir vielleicht ein bisschen schneller nach oben kommen.

SPOX: Sponsoren, wie sie bei RB Leipzig eingestiegen sind?

Geyer: Leipzig hat es vorgemacht. Wenn man Geld gut einsetzt und fähige Leute hat, sind Ziele schneller zu erreichen. Bei anderen Vereinen fehlt die Wirtschaftlichkeit nach wie vor.

SPOX: Demnach heißen Sie die Entwicklung bei RB gut?

Geyer: Die Richtung stimmt. Leipzig wird dieses Jahr aufsteigen, weiter investieren und in der Bundesliga eine gute Rolle spielen. Man kann viel Geld in die Hand nehmen, aber auch viele Fehler machen. Doch auch mit wenig Geld kann das Glück erzwungen und etwas erreicht werden.

SPOX: Und Ihre persönliche Meinung?

Geyer: Wer nostalgisch ist, stellt fest, dass der regionale Bezug fehlt. Aber mit dem Blick auf die international großen Klubs hat sich der Fußball in eine Richtung entwickelt, in der große Sponsoren dahinterstehen. Der Fußball ist eine reine Geldmaschine geworden.

SPOX: Sind Sie eher der Nostalgiker oder der Erfolgsfan?

Geyer: Eigentlich beides. Ich muss es auf der einen Seite anerkennen: Leipzig kann gut mit Geld umgehen. Und ohne Geld bieten sich im Fußball nur selten Chancen, an die Spitze zu kommen.

SPOX: Bei ihrem Herzensverein Cottbus, bei dem sie zehn Jahre Trainer waren, geht's dagegen mit Vollgas in Richtung Bedeutungslosigkeit. Cottbus könnte einen Retter "Ede Geyer" gut gebrauchen, oder?

Geyer: Na ja, die haben ja einen neuen Trainer geholt. Ich hoffe natürlich, dass die Entscheidung richtig war.

SPOX: Hätten Sie bei einem Anruf aus Cottbus abgesagt?

Geyer: Ich habe immer gesagt, dass ich helfen kann - aber nicht als Trainer. Jetzt kommt es nur darauf an, dass Cottbus in der Liga bleibt. Dass dort ein Sportdirektor oder ähnliches gebraucht wird, bezweifle ich.

SPOX: Ich habe Sie bei der Gartenarbeit erwischt. Machen Sie das mittlerweile lieber, als auf der Trainerbank zu sitzen?

Geyer: Die Situation zurzeit gefällt mir sehr gut. Ich kann mir jeden Tag selbst einteilen, alles steht einem offen: Mit den Enkeln Schulaufgaben machen, Gartenarbeit, Golfspielen, sich selbst fit halten und natürlich gelassen die Fußballspiele angucken. Außerdem hat man keinen Stress mit der Vorbereitung und muss sich nicht mehr mit den Spielern oder Sponsoren rumärgern.

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