Dienstag, 11.11.2014

Stefan Krämer im Interview

"Ich könnte kein Beamter sein"

Nach dem Aufstieg mit Bielefeld in die 2. Liga ließ sich Stefan Krämer sogar das Wappen der Arminia tättowieren. Heute trainiert er Energie Cottbus in der 3. Liga und spricht im Interview über weitere Wetten, Torsten Mattuschka, sein Trainervorbild Walerij Lobanowski und den "Tanz auf der Rasierklinge".

Stefan Krämer (l.) und Energie-DJ Fanol Perdedaj (r.)
© getty
Stefan Krämer (l.) und Energie-DJ Fanol Perdedaj (r.)

SPOX: Herr Krämer, nach dem Aufstieg mit Bielefeld ließen Sie sich das Tattoo der Arminia auf die Brust tätowieren. Heute sind Sie Trainer bei Energie Cottbus. War es im Nachhinein ein Fehler, sich damals das Tattoo stechen zu lassen?

Stefan Krämer: Das war eine besondere Situation in Bielefeld. Wir spielten eine herausragende Saison, die etwas ganz besonderes war. Die Idee mit dem Tattoo stammte von einem Fan zu einem Zeitpunkt, als wir Tabellenletzter waren. Eineinhalb Jahre später sind wir aufgestiegen. Wenn ich eine Wette eingehe, halte ich sie auch ein. Ich bereue es daher nicht, bin mit solchen Wetten aber seitdem eher vorsichtig.

SPOX: Wieso das?

Krämer: Erstens hat das Tattoostechen wehgetan, zweitens sollte man mit sowas auch nicht zu verschwenderisch sein. Die Situation in Bielefeld war eine sehr intensive. Das hat damals gut zusammengepasst. Sollten wir in Cottbus einen ähnlichen Erfolg vorweisen können, lasse ich mir sicher etwas einfallen.

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SPOX: In der zweiten Liga angekommen wurde Ihr sicher geglaubter Job bei der Arminia - trotz zuvor gutem Saisonstart - nach sieben Niederlagen in Folge plötzlich in Frage gestellt. Am Ende wurden Sie sogar gefeuert. Sehnt man sich als Trainer manchmal nach einem Beruf mit mehr Sicherheit?

Krämer: Ganz im Gegenteil. Das ist genau mein Antrieb. Ich könnte auf keinen Fall Beamter sein. Ich will das auch gar nicht. Ich möchte keine Absicherung haben, keinen doppelten Boden. Ich finde es spannend, jede Woche abliefern zu müssen. Woche für Woche auf der Rasierklinge tanzen zu müssen, macht mich total an. Ich bin keiner, der solch eine Sicherheit braucht. Ich finde es spannender, mich Woche für Woche neu beweisen zu müssen. Von Ergebnissen abhängig zu sein, motiviert mich eher als dass es verunsichert.

SPOX: Also war Ihr früherer Job bei einer Versicherung nicht unbedingt das Ideale für Sie?

Krämer: Ich habe in einer Versicherung gearbeitet, weil ich von dem Gehalt im Verein, in dem ich gearbeitet habe, nicht hätte leben können. Aber auch in der Oberliga musste ich damals damit rechnen, nach fünf oder sechs Niederlagen am Stück entlassen zu werden - und das ist auch gut so.

SPOX: Vor einigen Wochen spielten Sie gegen Ihren Ex-Klub Bielefeld. Was war es für ein Gefühl, gegen die alten Kollegen an der Seitenlinie zu stehen?

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Krämer: Ich habe mich total gefreut, viele alte Weggefährten wieder zu treffen. Das waren tolle Momente, auch wegen des guten Verhältnisses, das ich noch zu meinen ehemaligen Spielern habe. Aber das muss man für 90 Minuten auf dem Platz ausblenden.

SPOX: Sie sind seit dem 1. Juli Trainer in Cottbus, stehen dort als Absteiger derzeit auf dem neunten Tabellenplatz. Wie sieht Ihr bisheriges Fazit aus?

Krämer: Ich bin zufrieden. Wir haben im Sommer 20 neue Spieler geholt. Das ist der größte Umbruch im deutschen Profifußball. Trotzdem haben wir es geschafft, schnell zusammenzufinden. Ich bin auch - abgesehen von den Spielen gegen Dresden und in Köln - mit dem Auftreten der Mannschaft einverstanden. Unsere Spielidee ist klar zu erkennen und die Jungs halten zusammen. Außerdem haben wir eine gute Mentalität in der Truppe und spielen den Fußball, der nach Cottbus passt.

SPOX: Cottbus ist nach dem SV Roßbach/Verscheid und Arminia Bielefeld erst Ihre dritte Station als Trainer. Wenn Sie in einen neuen Verein wie Cottbus kommen, passen Sie diesem dann auch ihren Stil als Trainer an?

Krämer: Ich kann nur authentisch sein und bleiben, das ist eine der wichtigsten Dinge im Trainergeschäft. Natürlich hat jeder Verein seine Eigenheiten, denen man sich als Angestellter anpassen muss. Aber es bleibt trotzdem ein Spiel Elf gegen Elf - ob in Cottbus oder in Bielefeld. Die Dinge, die ich in Bielefeld für wichtig gehalten habe, sind auch in Cottbus Voraussetzung. Da arbeite ich genauso und da würde ich auch bei jedem anderen Verein so handhaben.

SPOX: Wie nehmen die Fans das auf?

Krämer: Unsere Art kommt gut an. Wir haben keine Siege versprochen. Aber wir wollten eine Mannschaft auf den Platz schicken, die es wert ist, das Energie-Trikot zu tragen. Man muss immer am Limit arbeiten, und die Leute wollen auch erstmal harte Arbeit sehen. Vor allem in Cottbus aus der Historie heraus. Genau so spielen wir auch Fußball.

Seite 1: Krämer über die Tattoo-Wette, Job-Sicherheit und den Fußball in Cottbus

Seite 2: Krämer über Mattuschka, sein Vorbild Lobanowski und seine DJ-Karriere

Interview: Philipp Böhl

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