Freitag, 17.12.2010

Jürgen Seeberger im Interview

“Zusammenarbeit mit Labbadia wird wunderbar“

Im Januar 2010 übernahm Jürgen Seeberger die Reservemannschaft des VfB Stuttgart in der 3. Liga. Der ehemalige Coach von Alemannia Aachen erlebt nach Christian Gross und Jens Keller mit Bruno Labbadia mittlerweile den dritten Cheftrainer.

Jürgen Seeberger, VfB Stuttgart
© Getty

Im Interview mit SPOX berichtet der gebürtige Konstanzer von seinen ersten Eindrücken vom neuen Trainergespann Labbadia und Eddy Sözer, findet lobende Worte für seinen Torwart und erklärt, warum Reserveteams unbedingt in der 3. Liga spielen müssen.

SPOX: Herr Seeberger, wie sehr regen Sie die Spielausfälle in der 3. Liga auf?

Jürgen Seeberger: Wir haben seit dem 20. November kein Spiel mehr gehabt, insofern ärgert es mich sehr. Es ist schön und gut, dass wir intensiv trainieren können, aber wir wollen natürlich auch spielen. Unsere jungen Spieler können sich durch die Spielausfälle nicht optimal weiterentwickeln. So haben wir im neuen Jahr schon fünf Englische Wochen am Stück, in denen wir dann nicht optimal trainieren können. Das ist eine sehr unbefriedigende Situation, denn die 3. Liga ist eine absolute Profiliga auf höchstem Niveau.

SPOX: Hat die 3. Liga ein Imageproblem?

Seeberger: Nein, sicherlich nicht. Es geht in diesem Fall um die Kosten und ich verstehe auch, dass es sich viele Vereine nicht leisten können, die Rasenheizung Tag und Nacht laufen zu lassen, wenn sie denn überhaupt eine haben. Die Bundesligisten haben einfach den Vorteil, dass eine Rasenheizung in der Lizenzierung vorgeschrieben ist.

SPOX: Kommen wir zur momentanen Situation beim VfB. Scherzhaft gefragt: Wissen Sie eigentlich, wer gerade Cheftrainer des Bundesligateams ist?

Seeberger: (lacht) Selbstverständlich. Aber ich kümmere mich um mein Team. Egal welcher Cheftrainer im Amt ist, wir stimmen unsere Ideen und Ziele gemeinsam ab. Das war unter Christian Gross und Jens Keller so, und auch mit Bruno Labbadia haben bereits erste Gespräche stattgefunden. Er und Eddy Sözer sind sehr kommunikativ und ich bin zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit wunderbar klappen wird. Wir wollen alle das gleiche, nämlich den Erfolg für den VfB.

SPOX: Hat man Ihnen zu irgendeinem Zeitpunkt den Posten des Cheftrainers angeboten?

Seeberger: Nein, es gab zu keinem Zeitpunkt Anzeichen oder Vorhaben des Vereins, mich als Cheftrainer zu installieren.

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SPOX: Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Trainer der ersten Mannschaft vorstellen?

Seeberger: Wichtig ist, dass wir uns bezüglich der Spieler, die sich in der Schnittstelle zwischen zweiter und erster Mannschaft bewegen, genauestens absprechen. Wobei ich eine sehr junge Mannschaft habe. Insofern ist das Reservoir an Spielern, die den Profis derzeit weiterhelfen können, doch begrenzt. Aber der Austausch ist bisher gut gewesen und dies führen wir mit Bruno Labbadia und Eddy Sözer nahtlos weiter.

SPOX: Müssen Sie Ihre Grundphilosophie denn mit jedem neuen Trainer umstellen, oder arbeitet der Verein da ganzheitlich?

Seeberger: Klar muss eine gemeinsame Spielphilosophie vorhanden sein, dennoch ist es jedem Trainer selbst überlassen, wie er diese interpretiert. Da geht es abhängig vom Potenzial der Spieler um Details. Es ist so, dass unsere B- und A-Jugend gewisse Vorgaben haben, die ich weiterführe. Es ist aber sicherlich nicht so, dass uns der Trainer der ersten Mannschaft Dinge vorgibt.

SPOX: Wie haben Sie den Abgang von Christian Gross erlebt, der Sie Anfang 2010 als Wunschtrainer für die Reserve zum VfB geholt hat?

"Im Umfeld eines Fußballvereins gibt es immer wieder Entscheidungen, die den einen oder anderen traurig stimmen. Diese Entscheidungen gehören dazu und die hat jeder zu akzeptieren. (...) Wir müssen jetzt alle gemeinsam versuchen, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen."

Seeberger: Nicht Christian Gross hat mich damals geholt, sondern die sportliche Führung des VfB hat sich für mich entschieden - das nur vorweg. Es gehört auch nicht zu meinen Kompetenzen, Personalentscheidungen des Vereins zu kommentieren. Ich arbeite unabhängig von persönlichen Dingen mit dem Cheftrainer zusammen. Ich gehe da sehr professionell mit um und versuche, das Beste für den VfB herauszuholen. Alles andere findet da keinen Platz.

SPOX: Man schiebt die persönlichen Beziehungen tatsächlich einfach beiseite?

Seeberger: Im Umfeld eines Fußballvereins gibt es immer wieder Entscheidungen, die den einen oder anderen traurig stimmen. Diese Entscheidungen gehören dazu und die hat jeder zu akzeptieren. Auch ich treffe solche Entscheidungen und die betroffenen Spieler sind dann sicher auch nicht glücklich. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wir müssen jetzt alle gemeinsam versuchen, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

SPOX: Kommen wir zu Ihrem Team zurück: Wie erklären Sie sich die Leistungsschwankungen bei der Zweiten?

Seeberger: Wenn ein Spieler in die erste Mannschaft hochgezogen wird, erlebt er Vieles, das er erst verarbeiten muss. Wenn er also wieder zu uns stößt, braucht es für gewöhnlich eine gewisse Zeit, bis er sich wieder akklimatisiert hat. Dieses Los teilen wir mit den anderen zweiten Mannschaften.

SPOX: Bernd Leno gehört zu den größten Torwarttalenten in Deutschland. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Seeberger: Bernd kam 2009 auf einen Einsatz. Seit Januar dieses Jahres hat er zweiunddreißig Spiele gemacht und eine konstant gute Leistung gezeigt. Das ist für einen Torwart eminent wichtig. Sein Talent hat er definitiv unter Beweis gestellt, dennoch ist seine Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. Ein Torhüter braucht unheimlich viel Erfahrung und die sammelt er jetzt in der 3. Liga. Er ist ein riesen Rückhalt für uns und das tut ihm gut. Ich freue mich, einen Torwart zu haben, der sein Talent mit guter Arbeit und guter Mentalität verbindet und sich innerhalb der Mannschaft auch immer weiter zur Persönlichkeit entwickelt.

SPOX: Gehören Reserveteams in die 3. Liga?

Seeberger: Absolut! Unsere A- und B-Jugendteams sind erster in ihren Ligen, dort ist die Zweikampfintensität und die Schnelligkeit aber nicht so hoch, wie im Profifußball. Gerade in dieser Liga, wo man das erste Mal nicht nur gegen Gleichaltrige spielt, sondern auf gestandene Profis trifft, merkt das eine oder andere Talent, dass es an seine Grenzen stößt. Und auf Grund dessen erfahren sie dann, was es braucht, um Profi zu sein. Daher ist es für uns extrem wichtig, dass wir ein Team in der 3. Liga haben.

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