Unterhaching-Keeper Darius Kampa im Interview

"Klaus Augenthaler verfällt nicht in Aktionismus"

Von Interview: Kevin Bublitz / Mark Heinemann
Freitag, 10.09.2010 | 18:27 Uhr
Darius Kampa bestritt insgesamt 84 Bundesliga-Spiele für Nürnberg und Gladbach
© Getty
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Die 2:7-Klatsche bei Hansa Rostock und die Folgen: Vor dem Duell am siebten Spieltag gegen die TuS Koblenz spricht Unterhachings Torwart Darius Kampa über Aufbauarbeit, Torben Hoffmanns Probleme und das schwierige Outing der Fußball-Philosophen.

SPOX: Unserer Verabredung kam Ihr Mittagessen dazwischen. Was gab es Leckeres?

Darius Kampa: (lacht) Wir bestellen uns bei unserem Gastronom des Vertrauens immer verschiedene Nudeln und Salat, wenn wir zweimal Training oder am Nachmittag ein Spiel haben.

SPOX: Wie haben Sie die 2:7-Schlappe in Rostock verdaut?

Kampa: Das ist nicht nur für mich und die Mannschaft eine bittere Geschichte. In der zweiten Halbzeit hat das Spiel eine Eigendynamik angenommen. Aber wir dürfen jetzt nicht lange jammern, sondern müssen nach vorne schauen.

SPOX: Einen ersten Lichtblick gab es beim 2:2 im Testspiel gegen den FC Augsburg.

Kampa: Da haben wir eine gute Leistung gezeigt. Man hat einen Aufwärtstrend gesehen. Vor allem in der Defensivarbeit haben wir uns Gedanken gemacht. Das sind Spiele, an denen wir versuchen, uns hochzuziehen.

SPOX: Sind die Probleme auch der starken Fluktuation im Kader geschuldet?

Kampa: Die Mannschaft ist mehrfach umstrukturiert worden. Der aktuelle Kader ist seit höchstens drei Wochen zusammen, da fehlen die Automatismen. Das ist keine Kritik an der Vereinsführung, aber wäre der Kader so schon in der Vorbereitung zusammen gewesen, hätten wir sicher einen anderen Start erwischt.

SPOX: Torben Hoffmann ist einer der Neuzugänge, der dem Team mit seiner Erfahrung weiter helfen soll. Wie sehen Sie seine Verpflichtung?

Kampa: Torben hatte einen unglücklichen Start, weil er direkt zu Beginn der Saison lange ausgefallen ist. Er ist natürlich noch nicht wieder auf dem höchsten Stand seiner Leistungsstärke angekommen. Auch andere Klubs haben Verletzungsprobleme, doch bei uns sind entscheidende Führungsspieler über längere Zeiträume verletzt. Auf Spieler wie Roman Tyce oder Robert Zillner können wir nur schwer verzichten - besonders, wenn sich das Team noch in der Findungsphase befindet.

SPOX: Welchen Eindruck macht Trainer Klaus Augenthaler in dieser Phase auf Sie?

Kampa: Er und der Verein betrachten die Lage nüchtern und verfallen nicht in blinden Aktionismus. Der Trainer arbeitet in Ruhe mit uns, wir besprechen unsere Fehler gemeinsam und versuchen sie auch gemeinsam abzustellen. Es wäre Blödsinn, jetzt alles umzukrempeln und ein konträres Programm einzuführen, nur um irgendetwas anders zu machen. Wir arbeiten hervorragend und wenn die zuvor angesprochenen Faktoren wieder stimmen, wird diese kontinuierliche Arbeit auch belohnt werden.

SPOX: Die nächsten Spiele gegen Koblenz und die Reserve-Teams aus Bremen und Stuttgart sind sicher richtungweisend. Was macht Ihnen Hoffnung auf eine gute Serie?

Kampa: Wir müssen in diesen Spielen ganz anders und vor allem souveräner auftreten. Wenn wir uns dort unser Selbstvertrauen wieder erarbeiten, glaube ich an eine erfolgreiche Trendwende in dieser Saison.

SPOX: Sie haben bereits einige Klubs erlebt. Was ist das Besondere an Unterhaching?

Kampa: Hier wird genauso hochprofessionell gearbeitet wie bei anderen Vereinen auch. Wir verfügen über hervorragende Trainingsbedingungen und unser Stadion ist erstligatauglich. Wir sind ein kleiner, aber sehr feiner Verein mit Ambitionen. Klar ist das Medienaufkommen bei anderen Vereinen größer und es strömen woanders mehr Fans ins Stadion. Das hat auch mit der Ligazugehörigkeit zu tun.

SPOX: Sie sind 33 Jahre alt. Wie fällt Ihr Fazit aus, wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken?

Kampa: Ich bin sehr zufrieden. Das ist meine 16. Saison als Profi. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich über Jahre in der Bundesliga tätig bin, hätte ich das blind unterschrieben. Ich bin stolz auf meine Karriere. Sie ist für mich noch längst nicht beendet.

SPOX: Sie hatten in Nürnberg und auch in Mönchengladbach eine gute Zeit, dennoch wurde Ihnen immer jemand vor die Nase gesetzt. Lassen Sie sich den Vorwurf gefallen, manchmal nicht laut genug für sich Position bezogen zu haben?

Kampa: Ich bin eben der Typ, der eher mit sprachlichen Argumenten als mit öffentlichen Kontroversen versucht, die Leute zu überzeugen. Das ist im Fußball ein bisschen schwieriger. Ich würde aber nie versuchen, über die Presse einen Vorteil für mich zu gewinnen. Ich stelle mich immer in den Dienst der Mannschaft.

SPOX: Das wirkt sehr reflektiert. Wo finden Sie abseits des Platzes Ihre Ruhe?

Kampa: Sie wollen darauf hinaus, dass ich Klavier spiele, richtig?

SPOX: Erwischt. Eine exotische Vorliebe, oder? Fußballer spielen doch Playstation.

Kampa: Dieses Klischee existiert, aber es trifft nicht allumfassend zu. Gerade die junge Generation beschäftigt sich mit anderen Dingen und sitzt nicht nur vor Spielekonsolen. Hans Meier hat das vor einiger Zeit schön ausgedrückt.

SPOX: Wie?

Kampa: Der Tenor war der, dass der Fußball ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Da liegt er richtig, denn in einer Mannschaft sind alle Gesellschaftsgruppen vertreten. Wieso sollten Fußballer eine Ausnahme sein? Viele Spieler beschäftigen sich mit anderen Dingen, sind aber auch nicht zwingend daran interessiert, dass die breite Öffentlichkeit davon erfährt. Was würden Sie davon halten, wenn ein Spieler aus der Bundesliga Philosophie studiert?

SPOX: Thomas Broich hat sein Interesse daran öffentlich gemacht.

Kampa: Gut, bei ihm ist das bekannt. Viele Profis möchten das aber nicht oder befürchten negative Reaktionen, weil es nicht in das Bild des typischen Fußballprofis passt. Manche machen es, um sich besser zu vermarkten. Der Großteil der Spieler, die einen erweiterten Horizont haben, behält seine Vorlieben für Literatur, Musik oder andere Dinge lieber für sich.

SPOX: Wünschen Sie sich ein Umdenken?

Kampa: Nein, denn ich bin auch nicht scharf drauf, dass ich nun der Klavierspieler oder weiß der Geier was bin. (lacht) Seitdem mein Hobby bekannt wurde, wird es gerne aufgegriffen. Letztendlich geht es immer noch um Fußball. Was ich da fabriziere, geht die Leute etwas an. Es ist egal, ob ich in meiner Freizeit Schach oder Klavier spiele. Wichtig ist, dass ich den Ball am Wochenende halte. Die Medien brauchen solche Geschichten, um sich abzusetzen. Aber den Großteil der Fans interessiert das nur sekundär.

Darius Kampa im Steckbrief

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