Fussball

"Wir sind hier nicht beim FC Bayern"

Von Interview: Kevin Bublitz/Mark Heinemann
Jürgen Luginger trainierte bereits 2004 Rot-Weiß Oberhausen und kehrte 2008 zurück
© Getty

Der Traditionsklub 1. FC Saarbrücken ist nach einer langen Odysee zurück im Profifußball. Allerdings fehlt Aufstiegstrainer Dieter Ferner die Lizenz für die 3. Liga und so wurde der Weg frei für Jürgen Luginger, der im Februar 2010 als Trainer von Rot Weiß Oberhausen zurückgetreten war.
 

Im Interview mit SPOX spricht Luginger über die Chancen auf den Klassenerhalt, die Philosophie des Klubs und das drohende Kompetenzgerangel mit seinem Vorgänger.

SPOX: Herr Luginger, wie lebt es sich in Saarbrücken, direkt an der französischen Grenze?

Jürgen Luginger: So neu ist das für mich nicht, ich habe hier ja schon mal ein Jahr gespielt. Es ist schön, hier zu leben und ich habe mich schnell eingewöhnt.

SPOX: Was hat Sie dazu bewegt, Trainer des FCS zu werden?

Luginger: Ich hatte gute Gespräche mit dem Verein, der relativ kurzfristig an mich herangetreten ist. Die Chemie hat sofort gestimmt. Außerdem sehe ich das Potential und die Tradition dieses Klubs, die diese Aufgabe sehr interessant machen.

SPOX: 2008/09 spielte der FCS noch fünftklassig, stellte sich neu auf und ist nun wieder zurück im Profifußball. Haben Sie die Entwicklung der letzten Jahre mitverfolgt?

Luginger: Wenn man schon mal in einem Verein gespielt hat, guckt man immer mit einem Auge hin und verfolgt die Entwicklung. Und da hat sich vieles zum Positiven geändert.

SPOX: Nach zwei direkten Aufstiegen ist der Spagat sicher groß. Sehen Sie den Verein gewappnet für dieses Projekt?

Luginger: Dieses Jahr ist natürlich schon eine große Herausforderung. Wenn man zweimal aufgestiegen ist, muss das Umfeld erst wachsen. Der Verein macht dennoch finanziell keine verrückten Dinge mehr und hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Doch auch vom sportlichen Aspekt her ist die 3. Liga sicherlich eine ganz andere Hausnummer als die Regionalliga. Aber ich denke, wir haben ein gutes Team, bei dem genau darauf geachtet wurde, dass die Neuverpflichtungen charakterlich zum Stammkader passen.

SPOX: Für wie realistisch schätzen sie die Chancen auf einen Klassenverbleib ein?

Luginger: Wir brauchen sicher noch die eine oder andere Woche, um in der Liga anzukommen. Wenn wir das schaffen, haben wir auch eine gute Chance, in der Liga zu bleiben. Es ist sicher so, dass wir auf Mannschaften treffen, die viel erfahrener sind, gespickt mit Spielern, die seit Jahren auf diesem Niveau antreten. Das müssen wir unter anderem durch ein mannschaftlich geschlossenes Auftreten kompensieren.

SPOX: Sie sprechen es an: in den letzten beiden Aufstiegsjahren war die mannschaftliche Geschlossenheit enorm entscheidend. Aber auch die lokale Identifikation der Spieler war für den Verein ein ernstes Anliegen. Ist das im Profigeschäft noch zu bewerkstelligen?

Luginger: Umso höher du kommst, desto schwieriger wird es natürlich, diesem Grundsatz gerecht zu werden. Wir haben bei den Neuzugängen aber so gut wie eben möglich darauf geachtet, dass ein regionaler Bezug besteht. Das erleichtert die Integration, aber dennoch kann man auf diesem Niveau nicht mehr nur auf die lokale Bindung setzen.

SPOX: Mit Martin Forkel und Stephan Sieger haben Sie zwei Spieler mit Zweitligaerfahrung geholt. Was erwarten Sie von den beiden?

Luginger: Natürlich hoffen wir bei unseren erfahrenen Spielern, dass sie den weniger erfahrenen Jungs helfen und sich mit einbringen. Aber noch mal, diese Spieler können das nicht alleine schaffen, wir müssen als Mannschaft auftreten, nur dann kann es funktionieren. Es müssen also nicht nur zwei Spieler Verantwortung übernehmen, sondern jeder soll seinen Teil zum Ganzen beitragen.

SPOX: Probleme hatten sie bislang im Sturm, der zu dünn besetzt scheint und zu viele Chancen vergibt. Werden Sie auf dem Transfermarkt noch mal aktiv?

Luginger: Wir haben von Beginn an gesagt, dass wir noch was machen wollen, wenn das Geld dafür da ist. Der Verein hat aber finanzielle Zwänge und wird kein Risiko gehen. Solange keine neuen Sponsoren gefunden sind, können wir auch nicht aktiv werden. Außerdem hat man nie die Garantie, dass man den Heilsbringer findet. Ich vertraue meiner Mannschaft und bin mir sicher, dass wir auch so unsere Tore machen werden.

SPOX: Hat Sie der missglückte Saisonstart mit zwei Niederlagen und null zu fünf Toren nicht nachdenklich gestimmt?

Luginger: Wir haben als Aufsteiger gegen zwei absolute Topteams der 3. Liga verloren, die im Normalfall um den Aufstieg mitspielen. Das kann durchaus mal passieren und wir werden deswegen nicht nervös.

SPOX: Sind denn die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Profifußball vorhanden?

Luginger: Ja, mit zwei Rasenplätzen und einem Kunstrasenplatz haben wir hier optimale Trainingsbedingungen. Die medizinische Abteilung ist auch optimal strukturiert. Das Stadion ist natürlich schon älter, aber die Stadt und der Verein arbeiten daran, dies zu ändern. Aber abgesehen davon haben wir alles da. Wünsche hat man natürlich immer, aber wir sind hier auch nicht beim FC Bayern München. (lacht)

SPOX: Wohl wahr. Wie ist ihr Verhältnis zum Sportlichen Leiter Dieter Ferner, der gleichzeitig ihr Vorgänger und mit dem FCS zweimal in Serie aufgestiegen ist?

Luginger: Es passt sowohl menschlich als auch sportlich zwischen uns, es läuft optimal. Wir arbeiten gerne und sehr gut zusammen.

SPOX: Also sind die Kompetenzen klar abgesteckt?

Luginger: Aber natürlich sind sie das. Dieser Verein wird sehr professionell geführt, da gibt es keinerlei Überschneidungen oder gar Einmischungen von oben. Wir wollen als Verein und als Mannschaft erfolgreich sein, egal wer auf welcher Position sitzt.

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