Haching-Trainer Klaus Augenthaler im Interview

"Es gibt nichts, was gegen Unterhaching spricht"

Von Interview: Florian Bogner
Donnerstag, 22.04.2010 | 12:08 Uhr
Klaus Augenthaler bestritt 404 Bundesligaspiele für den FC Bayern München
© Getty
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Klaus Augenthaler ist zurück auf der Trainerbank. Im SPOX-Interview erzählt die Bayern-Legende, wie er von einem alten Teamkollegen in die 3. Liga gelockt wurde und wie man auch dort Europapokal-Atmosphäre erleben kann.

SPOX: Herr Augenthaler, nach Ihrem ersten Spiel in Kiel sagten Sie: "Die letzten Minuten waren in etwa spannend wie ein Europapokalspiel."

Klaus Augenthaler: Es waren natürlich keine 70.000 Zuschauer in Kiel, aber die Anspannung war für mich vergleichbar - ich wurde ja direkt ins kalte Wasser geworfen. An einem Montag habe ich zugesagt, Dienstag war um 9.15 Uhr Pressekonferenz, 10 Uhr Training, anschließend gleich der Abflug nach Hamburg und nach dem Kiel-Spiel gleich weiter nach Offenbach. Das war spannend und nicht einfach zu bewerkstelligen, vor allem weil die Situation so prekär war. Dass wir in den beiden Spielen dann vier Punkte holen, hatte uns niemand zugetraut.

SPOX: Wie kam es dazu, dass Sie in Unterhaching anheuerten?

Augenthaler: Ich kenne Anton Schrobenhauser seit 1975. Ich kam damals als Amateur zu den Bayern, Toni war dort dritter Torwart. Der Kontakt ist nie abgerissen und dann hat er in letzter Zeit einfach immer öfter angerufen. Anscheinend hatte er mich schon länger im Kopf. Irgendwann stand ich dann wohl auf seiner Liste ganz oben.

SPOX: Klingt fast so, als wäre es ein Freundschaftsdienst.

Augenthaler: Wir haben telefoniert und ich habe zugesagt, mit ihm das Heimspiel gegen Bremen II anzuschauen. Ein Gurkenspiel, bedingt durch viele Verletzungsausfälle. Ich habe mir dann überlegt, noch eine Woche zu warten und am kommenden Sonntag einzusteigen, aber da waren ja noch die zwei Auswärtsspiele unter der Woche... Also habe ich Toni dann gleich am Montagnachmittag zugesagt - auch wenn alles hoppladihopp ging und ich die Mannschaft gar nicht kannte.

SPOX: Sie hatten kaum Eingewöhnungszeit.

Augenthaler: Stimmt. Am Anfang hatte ich kaum Trainingsmöglichkeiten, weil wir permanent englische Wochen hatten. Ich musste mir erstmal alle Gesichter merken, die Mannschaft kennenlernen. Ich kannte ein paar Spieler, aber ich musste mich auch erstmal ins Umfeld dritte Liga einfinden. Über die wusste ich natürlich nicht so viel wie über die Bundesliga. Es war nicht einfach, aber wir haben es gemeistert - bis jetzt.

SPOX: Kann man überhaupt Einfluss nehmen, wenn die Spiele Schlag auf Schlag kommen?

Augenthaler: Ich habe schnell gesehen, wo die Hauptprobleme liegen und versucht, dagegen gezielt anzutrainieren. Dazu habe ich auch viele Gespräche mit den Spielern geführt, weil während der englischen Wochen ja eher Regeneration als hartes Training angesagt war.

SPOX: Was haben Sie konkret angesprochen?

Augenthaler: In der dritten Liga ist das Tempo sehr hoch, aber die Qualität eben nicht - sonst wären ja alle in der 1. Liga. Die Fehlerquote ist sehr hoch. Deswegen brauchen wir mehr Ruhe, mehr Ballbesitz. Der Ball muss flach gespielt werden. Das Hauptproblem war, dass jeder das Tempo in der Champions League sieht und dann auch alles direkt spielen will. Jeder spricht von One-Touch-Fußball, aber was raus kommt, sieht aus wie beim Flipper - einmal Grün, einmal Blau, einmal Grün, einmal Blau. Da habe ich angesetzt.

SPOX: Ballbesitz, Ruhe, flach spielen - klingt ein bisschen nach dem Ansatz von Louis van Gaal.

Augenthaler: Ich versuche sicher nicht, irgendwelche Trainingspläne vom FC Bayern, AC Milan oder FC Arsenal zu kopieren, sondern gehe auf das ein, was wir am schnellsten verbessern können. Das einfachste Mittel sind Freistöße, das kann man am schnellsten trainieren. Jetzt haben wir schon sechs Tore nach Standards gemacht.

SPOX: Mit fünf Spielen ohne Niederlage in Folge können Sie eigentlich sehr zufrieden sein.

Augenthaler: Wie die Mannschaft in Heidenheim die ersten 70 Minuten gespielt hat, kam meinem Ansatz schon nahe. Da hat sie gut gespielt und verdient 4:1 geführt. Aber es ist noch nicht alles so, wie ich mir das vorstelle - das geht aber auch nicht von heute auf morgen. Es macht mir unglaublich Spaß mit der Mannschaft, auch wenn noch viele Fehler passieren. Es wäre besser gewesen, mit der Mannschaft eine normale Saisonvorbereitung zu haben.

SPOX: Das könnten Sie ja nächste Saison haben - warum haben Sie noch keinen neuen Vertrag unterschrieben?

Augenthaler: Wir sind noch nicht durch! Warten mal das nächste Spiel ab. Ich gehe davon aus, dass der Verein auf mich zukommen wird. Es war ja schon zu lesen, dass sie weitermachen wollen. Das ehrt mich. Aber ich habe auch andere Anfragen und weiß nicht, was nach dem 8. Mai passiert. Ausland, Bundesliga, Unterhaching - vorstellbar ist alles, aber fix ist noch nichts.

SPOX: Also warten Sie auf höherklassige Angebote.

Augenthaler: Nein, das habe ich nicht gesagt. Mir ist egal, ob ich in der ersten oder der dritten Liga arbeite. Natürlich ist es interessanter in der Bundesliga gegen den Abstieg zu spielen als in der dritten Liga um Platz acht. Aber am wichtigsten ist für mich die sportliche Perspektive.

SPOX: Gibt es die denn in Unterhaching?

Augenthaler: Es gibt definitiv nichts, was gegen Unterhaching spricht. Der Verein ist dabei, weitere Sponsoren zu finden, um den Aufstieg in die zweite Liga für die kommende oder übernächste Saison anzupeilen. Haching hat immerhin mal in der Bundesliga gespielt. Wenn das eintritt, dann ist das eine gute sportliche Perspektive.

Lesen Sie vor dem Lyon-Rückspiel des FC Bayern den zweiten Teil des Augenthaler-Interviews. Dort spricht Auge über legendäre EC-Halbfinals des FCB.

Der SPOX-Aufstiegscheck zur 3. Liga

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