"Wir feiern nicht drei Wochen lang Party"

Von Interview: Kevin Bublitz/Mark Heinemann
Mittwoch, 03.03.2010 | 13:05 Uhr
Heidenheims Trainer Frank Schmidt (l.) trifft mit dem Aufsteiger auf Tabellenführer Osnabrück
© Getty
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Der 1. FC Heidenheim galt vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer eins der 3. Liga. Doch der Aufsteiger steht vor dem 27. Spieltag auf einem direkten Aufstiegsplatz und könnte somit den dritten Aufstieg in Serie meistern. SPOX sprach mit dem Macher des Erfolgs. Trainer Frank Schmidt über seine Philosophie, den unangenehmen Vergleich mit der TSG Hoffenheim und die Krux mit dem Fußballlehrer.

SPOX: Herr Schmidt, wie gefallen Ihnen Schlagzeilen wie "Heidenheim auf den Spuren von Hoffenheim"?

Frank Schmidt: Darauf reagiere ich ganz allergisch. Solche Aussagen gefallen mir überhaupt nicht, weil es diesen Vergleich so nicht gibt. In Hoffenheim gibt es einen Mann, der sein Hobby lebt und den Verein mit Millionen dorthin gebracht hat, wo er aktuell ist. Bei uns muss jeder Euro hart verdient und erarbeitet werden. Die einzige Parallele ist, dass beide Vereine mit jungen Spielern arbeiten.

SPOX: Ihr Manager geht recht offensiv mit dem Thema Aufstieg um. Wie realistisch ist das Szenario?

Schmidt: Ob ein Szenario realistisch ist oder nicht, interessiert mich nicht. Wichtig ist, dass wir die Klasse halten. Wir sind vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt worden und von daher haben wir im Moment eine hervorragende Ausgangsposition, um unser Ziel Klassenerhalt zu erreichen - vielleicht sogar vorzeitig.

SPOX: Machen Sie sich denn keine Gedanken, wohin Sie die Euphoriewelle tragen kann?

Schmidt: Doch, aber die Euphorie ist schon seit Saisonbeginn da. Das sieht man an den Zuschauerzahlen und der Tatsache, dass wir unser Stadion umbauen. Ich habe den Spielern gesagt, dass sie das alles aufsaugen und genießen sollen. Wir haben gerade mal vier Spieler, die schon in der 3. Liga oder höher gespielt haben. Für alle anderen ist das Neuland, daher hat jedes Spiel für meine Mannschaft einen gewissen Reiz.

SPOX: Wie wichtig ist Ihnen der Charakter Ihrer Spieler?

Schmidt: Darauf lege ich sehr großen Wert. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb. Es ist unsere große Stärke, dass wir offen miteinander umgehen. Wir verpflichten Spieler, die charakterlich zu uns passen. Sie sollen mit offenen Augen durchs Leben gehen und sich mit Heidenheim identifizieren, aber auch mal was riskieren und sich individuell ausleben. Am Ende steht aber immer der gemeinschaftliche Erfolg im Vordergrund.

SPOX: Erklären Sie uns doch bitte die Philosophie des Vereins.

Schmidt: Bei uns ist die Mannschaft der Star. Wir haben nach dem Aufstieg gesagt, dass wir den Kader nicht groß ändern und mit jungen Spielern in die Drittligasaison gehen werden. Dafür sind wir anfangs belächelt worden. Aber in dieser Mannschaft hat jeder Spieler seine individuellen Stärke, die er ausleben kann. Die Philosophie ist, in jeder Partie alles zu geben, aber auch Spaß am Spiel zu haben.

SPOX: Wie weit ist Heidenheim in Sachen Infrastruktur?

Schmidt: Was der Verein innerhalb kürzester Zeit für Rahmenbedingungen geschaffen hat, ist beachtlich. Es wird nicht nur in Beine, sondern auch in das Umfeld investiert. Wir haben einen beheizten Kunstrasenplatz, was auf der Schwäbischen Alb immens wichtig ist, da hier im Winter viel Schnee liegt. Das neue Stadion, in das rund 15 Millionen Euro investiert werden, wird zwar nur 10.000 Plätze fassen, ist aber ein reines Fußballstadion. Wenn das fertig ist, haben wir hier richtig gute Bedingungen, auf die wir stolz sein können.

SPOX: Wie entwickelt sich die Fankultur in Heidenheim?

Schmidt: Auch dort werden Vergleiche mit Hoffenheim gezogen. Das passt mir nicht. Wir haben hier eine große Tradition in Heidenheim - natürlich bislang nicht im Profibereich. Die Entwicklung hin zum professionellen Fußball ging schnell, daher konnte die Fankultur nicht so rasant mitwachsen. Trotzdem haben wir im Schnitt über 5.000 Zuschauer und noch längst nicht das ganze Potenzial ausgeschöpft.

SPOX: Im Seniorenbereich ging die Professionalisierung schnell. Wie sieht es beim Nachwuchs aus?

Schmidt: Es gibt zwei Dinge, die hinter dem sportlichen Erfolg zurückhängen. Das sind eben die Fankultur und der Nachwuchsbereich. Dort müssen wir sicherlich noch viel machen. Wichtig ist, dass wir in Zukunft Spieler für die erste Mannschaft ausbilden wollen. Doch auch da ist der Verein auf einem guten Weg, durch qualifizierte Trainer und weitere Maßnahmen die Entwicklung voranzutreiben.

SPOX: Geht es letztendlich nur mit jungen und talentierten Spielern?

Schmidt: Wir reden in Heidenheim nicht nur darüber, wir geben den jungen Spielern das Vertrauen und die Verantwortung. Das spricht sich mittlerweile herum, talentierte Spieler wollen mittlerweile zu uns kommen. Das ist ein erster guter Schritt, die Talente aus der Region und über die regionalen Grenzen hinaus an uns zu binden.

SPOX: Heidenheim gilt als sehr familiärer Klub. Kann diese Atmosphäre mit dem steigenden Erfolg gehalten werden?

Schmidt: Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass wir alles so beibehalten, aber trotzdem professionell arbeiten müssen. Wir feiern hier nicht drei Wochen lang eine Party. Es gibt ein klares, professionelles Konzept, durch das wir den Spielern natürlich Leistung abverlangen.

SPOX: Sie selbst waren Abwehrspieler. Wie sehr wurmen Sie die zahlreichen Gegentore?

Schmidt: Das ist natürlich nicht schön. Aber letztendlich zählt, dass wir immer ein Tor mehr als der Gegner schießen. Wir haben uns mittlerweile stabilisiert und uns auch im Abwehrbereich gefestigt. Trotzdem will ich durch torgefährliche Abwehrspieler variabel bleiben. Das macht uns für den Gegner schwer ausrechenbar.

SPOX: Welche Planungen haben Sie für Ihre weitere Karriere?

Schmidt: Ich bin seit über zwei Jahren Trainer hier und zweimal aufgestiegen. Wir spielen jetzt in der 3. Liga eine gute Rolle, das ist eine positive Geschichte. Mein Ziel ist es, mit Heidenheim irgendwann einmal in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Nicht sofort, aber langfristig auf jeden Fall. Ich habe noch einen Vertrag und muss im Sommer meinen Fußballlehrer machen. Jeder weiß, dass das keine einfache Zeit wird.

SPOX: Wie wollen Sie diesen Drahtseilakt meistern?

Schmidt: Ich mache mir keinen Kopf. Nehmen Sie St. Paulis Trainer Holger Stanislawski als Beispiel, der diese Phase super gemeistert hat. Die Belastung kann man schaffen, wenn man ein gutes und eingespieltes Trainerteam hat, das die besprochenen Dinge und Einheiten mit der Mannschaft umsetzen kann. Hinzu kommen ein Umfeld, das hinter dem Trainer stehen muss und eine charakterfeste Mannschaft, die mitzieht. All das finde ich hier vor.

SPOX: Hört sich gut an.

Schmidt: Stimmt. Ich war schon im Dezember zwei Wochen wegen der A-Lizenz unterwegs. Manche haben gemunkelt, dass der Erfolg in dieser Phase los ging. Aber ich denke, dass uns genau dieses Miteinander auszeichnet. In Heidenheim nimmt sich keiner wichtiger, als er ist.

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