Fussball

Scholl: "Hitzfeld wurde sogar mal gewürgt!"

Von Für SPOX an der Säbener Straße: Florian Bogner
Mehmet Scholl steht mit dem FC Bayern München II in der 3. Liga nur auf Platz 19
© Getty

Die internen Querelen sind ausgeräumt, nun kann sich Mehmet Scholl mit dem FC Bayern München II wieder seiner eigentlichen Aufgabe widmen: Er muss in der 3. Liga Spiele gewinnen. Oder besser: Seine Mannschaft muss Spiele gewinnen. Am besten gleich am Samstag.

Nach nur zwei Siegen in zwölf Spielen mit den kleinen Bayern in der 3. Liga wird es langsam ungemütlich für Scholl, das hat er in der Länderspielpause zu spüren bekommen. Jugendkoordinator Werner Kern kritisierte den 39-Jährigen im Interview mit SPOX, was ein gewaltiges Medienecho nach sich zog.

Die Konsequenz: In einer Sitzung am Dienstag steckten Manager Uli Hoeneß und Sportdirektor Christian Nerlinger die Aufgabengebiete von Kern und Scholl noch mal ab - mit der Presse spricht ab sofort nur noch der Trainer.

"Ich habe daraus gelernt", sagte Scholl bei seiner Presserunde-Premiere am Freitag über die vergangenen Wochen. "Ich bin in dieser Zeit nicht nervös geworden, ich habe mich der Mannschaft eher noch genähert. Es herrscht jetzt auch Klarheit über den Weg, den wir gehen sollen."

Scholl macht trainieren weiter Spaß

Klar ist: Punkte müssen her. Am besten gleich am Samstag gegen den VfL Osnabrück. Auch wenn Scholl sagt, die Turbulenzen mit der beißenden Kritik von Kern "haben uns den Druck eher genommen", kommt er auf Dauer nicht an den nackten Ergebnissen vorbei - auch wenn er sich kämpferisch zeigt.

"Auch meine Spielerlaufbahn lief zu Beginn nicht linear nach oben", sagte Scholl. "Es gab immer Widerstände, die ich zu durchbrechen hatte, die einen aber auch weiterbringen. Ich bin weit davon entfernt zu sagen: Trainer sein, das ist nichts für mich."

Er verglich die Situation mit einem Beispiel aus seiner Spielerkarriere: "Ich wurde mal in einem Heimspiel unter Trapattoni eingewechselt und 70.000 Menschen haben gepfiffen. Da denkt man als Spieler auch: Wie soll man diesen Berg erklimmen? Jetzt habe ich als Trainer erneut Widerstand. Ich will nicht Oliver Kahn zitieren, aber ich freue mich ganz einfach auf die schwierige Aufgabe."

"Kein Problem mit sachlicher Kritik"

Mit "Widerstand" meint Scholl nun in erster Linie die schlechten Leistungen seiner Elf, aber auch die manchmal überzogene Kritik der Medien, die das Leistungstief seiner Mannschaft zu oft am Namen Scholl festmache.

"Ich habe kein Problem mit Kritik, solange sie sportlich und sachlich ist. Was ich nicht akzeptiere, ist, wenn Aussagen fehlinterpretiert werden oder Dinge respektlos sind", so der 39-Jährige.

Dass zuletzt auch Spieler ihren Unmut gegenüber der Presse äußerten, ohne jedoch namentlich genannt zu werden, packte Scholl diplomatisch an. "Es wird immer unzufriedene Spieler geben, die einen kürzeren Draht zur Presse haben", so Scholl.

"Wer das ist, interessiert mich nicht. Ich habe meine Mannschaft gefragt: Ist das ein schönes Gefühl, wenn man in der Zeitung zitiert wird ohne genannt zu werden? Es geht darum, daraus zu lernen", sagte der Trainer.

Das Ende der Rotation

Kerns Kritikpunkt, Scholl lasse zu oft rotieren, hat er sich offenbar zu Herzen genommen. Es ginge nun darum, in seiner Mannschaft eine Achse zu finden, meinte er am Freitag.

"Wir hatten viele Umstellungen wegen Verletzungen, Formschwäche oder weil wir Profis einbauen mussten. Jetzt stellen wir ein Gerüst von sieben, acht Mann auf, die auch dann drin bleiben, wenn sie einmal einen schlechten Tag haben", sagte Scholl.

Trotz vieler kritischer Fragen der Presse war der 39-Jährige dann auch noch zu Scherzen aufgelegt und plauderte aus dem Nähkästchen.

"Ottmar Hitzfeld ist zu Beginn seiner Karriere bei seiner ersten Station in der Schweiz mal in der Pause von seinem Präsidenten gewürgt worden. So weit ist es bei mir noch nicht", scherzte Scholl, der am Freitag seinen Geburtstag feierte. Was er sich zum Ehrentag wünschte, ist klar: "Ein Sieg wäre das größte Geschenk."

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