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1. FC Köln - FC Schalke 04 6:7 n.E.: Schwacher S04 überlebt Elfer-Krimi in Köln

Von Jonas Rütten
Nabil Bentaleb sorgte kurz vor Schluss per Handelfmeter für den Ausgleich der Schalker.
© getty

Der FC Schalke 04 hat trotz eines schwachen Auftritts das Zweitrundenaus im DFB-Pokal vermieden und den 1. FC Köln mit 7:6 (1:1, 0:0, 0:0) nach Elfmeterschießen bezwungen. Dabei profitierten die Schalker von einem zweifelhaften Handelfmeter kurz vor Schluss, der die Knappen in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen brachte.

Domenico Tedesco veränderte seine Startelf im Vergleich zum torlosen Remis in Leipzig auf sechs Positionen, beließ es aber bei einem 3-5-2: Naldo, Schöpf, Rudy, Harit, Konoplyanka und Burgstaller rotierten in die Startelf. Auf Kölner Seite verzichtete Markus Anfang im 4-1-4-1 überraschend auf Cordoba anstelle seines 17-Tore-Mannes Terodde.

Zu Beginn der Partie lief bei den Königsblauen wenig zusammen: Köln hatte in den ersten 20 Minuten mehr vom Spiel (60 Prozent Ballbesitz) und auch die klareren Aktionen im letzten Drittel durch Cordoba (8.) und Schaub (11./20.). Schalke kam Mitte des ersten Durchgangs etwas besser in die Partie, war griffiger in den Zweikämpfen und verzeichnete durch Harit (25.) und Naldo (28.) die ersten ernsthaften Abschlüsse.

Auffällig im erneut erschreckend harmlosen Schalker Spiel war die Rolle von Uth. Der Nationalspieler ließ sich tief fallen und agierte als eine Art Ballschlepper, ohne jedoch nachhaltig für kreative Elemente zu sorgen. Kurz vor der Pause brachte Cordoba die Rheinländer dann glücklich, aber keineswegs unverdient in Führung: Sane verpatzte einen Befreiungsschlag, Cordobas Schuss aus 16 Metern wurde unhaltbar abgefälscht (43.).

Schalke fehlten auch im zweiten Durchgang offensive Lösungen, Köln präsentierte sich weiterhin gut organisiert und wurde darüber hinaus noch besser in den Zweikämpfen. Die beste Chance der Knappen vereitelte Horn, als er einen Gewaltschuss von Naldo aus 17 Metern parierte (68.).

Tedesco reagierte und brachte Caligiuri, Embolo und Bentaleb und stellte 20 Minuten vor Schluss auf eine Viererkette um. Besonders Bentaleb sorgte für neuen Schwung und Köln geriet in den letzten zehn Minuten stark unter Druck. Schalke kam in der Folge zwar glücklich, aber nicht unverdient durch einen diskutablen Handelfmeter zum Ausgleich (88.) und erzwang so die Verlängerung. Dort war der Zweitligist wiederum die bessere Mannschaft, verpasste es aber, eine Entscheidung abseits des Elfmeterschießens zu erzwingen.

Die Daten des Spiels 1. FC Köln - FC Schalke 04

Tore: 1:0 Cordoba (43.), 1:1 Bentaleb (88./HE)

Elfmeterschießen:

Nübel hält gegen Höger

0:1 Burgstaller

1:1 Özcan

1:2 Nastasic

2:2 Terodde

2:3 Caligiuri

3:3 Guirassy

3:4 Harit

4:4 Risse

Horn hält gegen Bentaleb

5:4 Hector

5:5 Rudy

Drexler schießt über das Tor

5:6 Uth

  • Die Kölner Pausenführung war alles andere als unverdient: Der Zweitligist hatte in den ersten 45 Minuten mehr vom Spiel (53 Prozent Ballbesitz),
  • In 78 Ligaspielen in Deutschland erzielte Jhon Cordoba lediglich 12 Tore. Der Kolumbianer hatte für Köln zuletzt am 8. Spieltag in Bielefeld getroffen. Insgesamt ist es sein dritter Pflichtspieltreffer in dieser Saison.
  • Fünf der neun Schalker Abschlüsse im ersten Durchgang kamen von den drei defensiven Akteuren Naldo (3), Rudy (1) und Sane (1).
  • Schalke verdiente sich durch eine Leistungssteigerung den Ausgleich. Insgesamt war der Elfmeter der 20. Torschuss im Spiel der Schalker.
  • Bentaleb beendete mit seinem Treffer zum Ausgleich eine Durststrecke von 394 Minuten ohne Tor für die Königsblauen.
  • Erstmals seit Januar 2008 musste Schalke wieder in ein Elfmeterschießen im DFB-Pokal. Damals scheiterte S04 mit 3:5 in Wolfsburg.

Der Star des Spiels: Armine Harit ( FC Schalke 04)

Hatte die meisten Ballaktionen aller Schalker (70), führte die meisten Zweikämpfe (19) und entschied 63 Prozent davon für sich. Betrieb hohen läuferischen Aufwand und war einer der wenigen, wenn auch glücklosen Lichtblicke in der Schalker Offensive mit drei Abschlüssen aufs Tor. Nervenstark dann im Elfmeterschießen.

Der Flop des Spiels: Hamza Mendyl (FC Schalke 04)

Leistete sich die meisten Ballverluste im Schalker Spiel (16) und sah ein ums andere Mal nicht gut gegen Schaub aus. Darüber hinaus ohne jegliche Akzente in der Offensive (keine Torschussbeteiligung) und mit einer schwachen Zweikampfquote (33 Prozent). Musste kurz vor Schluss mit einer Sprunggelenksverletzung runter.

Der Schiedsrichter: Harm Osmers

Fuhr zu Beginn eine großzügige Linie, die dem Spiel jedoch nicht schadete. Kam im ersten Durchgang ohne Verwarnung aus und lag in der Zweikampfbewertung eigentlich durchgängig richtig. Entschied korrekterweise nicht auf Elfmeter für die Knappen, als Konoplyanka nach einem Zweikampf gegen Schaub im Sechzehner zu Boden ging (33.). Bewies im zweiten Durchgang ein gutes Fingerspitzengefühl und griff öfter in die Brusttasche, um den gelben Karton zu ziehen. Somit hatte er trotz des ruppiger werdenden Spiels stets die Kontrolle. Schwierige Entscheidung, die er beim Elfmeter für Schalke nach dem Handspiel von Czichos in der Schlussphase zu treffen hatte, lag dabei aber tendenziell ebenfalls richtig (88.). Hätte Uth nach dessen Handspiel in der Verlängerung mit Gelb-Rot vom Platz schicken müssen.

Reaktionen zu 1. FC Köln - FC Schalke 04

Markus Anfang (Trainer 1. FC Köln): "Es ist wahnsinnig bitter. Es tut weh, weil die Jungs ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Wir waren über weite Phasen des Spiels die klarere Mannschaft, aber wir haben die Torchancen nicht so verwertet. Die Jungs haben weiterhin nach vorne gespielt und versucht, das Spiel zu gewinnen gegen eine Mannschaft, die wahnsinnig viel Qualität hat. Es wäre auch verdient gewesen, wenn sie sich belohnt hätten."

Domenico Tedesco (Trainer Schalke 04): "Wir sind happy über das Erreichen der nächsten Runde. Es war das erwartet schwere Spiel gegen sehr guten Gegner. Köln macht das super. Es war ein ausgeglichenes Spiel, und am Ende war es fast verloren. Dann kommen wir mit Wucht und Mentalität zurück. Das war richtig stark. Das zeigt, dass die Mannschaft voll da ist. Am Ende haben wir durch das Elfmeterschießen glücklich gewonnen."

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