Fussball

Thomas Müller vom FC Bayern dreht im DFB-Pokal gegen Werder Bremen auf: Was zu beweisen war

Von Dennis Melzer

Thomas Müller vom FC Bayern München zeigt im DFB-Pokalfight gegen Werder Bremen eine bockstarke Leistung - und machte den Eindruck, als wolle er es allen Kritikern noch einmal beweisen.

Er wütete, er schubste, er provozierte, er jubelte, er tanzte. Thomas Müller durchlief an diesem frühsommerlichen Mittwochabend zahlreiche differente Phasen von Emotionalität. Am Ende bedankte er sich via Twitter artig und offenkundig abgekühlter "für die Blumen", die ihm in diesem Falle als Trophäe für den besten Spieler der Partie überreicht wurden. Er hatte triumphiert, mit dem FC Bayern in einem hitzigen Spiel im Bremer Weserstadion aufopferungsvoll kämpfende Werderaner letztlich in die Knie gezwungen und das lateinische Sprichwort "Quod erat demonstrandum" versinnbildlicht. Was zu beweisen war!

Kein Münchner ließ nämlich in der Hansestadt, als am Osterdeich das berüchtigte Licht anging, deutlicher durchblicken, dass er unbedingt, mit letzter Entschlossenheit, ins Finale des DFB-Pokal einziehen wollte. Schon nach wenigen Minuten raufte sich der Ur-Bayer die Haare, als eine Hereingabe von David Alaba auf seinem Schlappen landete und in der Folge des Gegners Tor nur um Zentimeter verfehlte. Augenblicke später der nächste Versuch, diesmal abgeblockt.

Erneutes Haareraufen, Lamentieren, Hadern, ehe er noch vor dem Seitenwechsel seinen Teil dazu beitrug, dass die Begegnung zwischen dem SVW und dem FCB ihren - aus Bayern-Sicht - erhofften Lauf nahm. Aus unmöglichem Winkel köpfte Müller einen sehenswerten Diagonalball von Jerome Boateng per Bogenlampe an den langen Pfosten, was Torjäger Robert Lewandowski ermöglichte, erfolgreich abzustauben.

Müller zeigt sich nach Ausgleich von der anderen Seite

Nach Wiederanpfiff verarbeitete der ehemalige Nationalspieler einen missglückten Schussversuch Leon Goretzkas auf gleichermaßen bizarre sowie sehenswerte Art und Weise und vergoldete sein Ballannahme-Kunstwerk, indem er es am vergeblich fliegenden Bremen-Keeper Jiri Pavlenka vorbei ins grün-weiße Netz schlenzte. Im Fallen. Gefeiert wurde der Treffer zur sicher geglaubten Finalteilnahme mit einem ungelenken Tänzchen, das an die Fortnite-Hampelei Antoine Griezmanns erinnerte.

"Wenn wir im Training Kreisspiel machen und einer einen Beinschuss bekommt, dann wird da immer so ein kleiner Tanz angestimmt", erklärte Müller nach dem Spiel in der Mixed-Zone und schob nach: "Das hat der Leon initiiert, deshalb haben wir da spontan reagiert."

Als das Geschehen unerwartet doch noch zu kippen drohte, weil die Hausherren binnen weniger Sekunden plötzlich wieder Morgenluft witterten, zeigte sich die Frohnatur aus Weilheim von ihrer anderen Seite. Müller legte sich mit Gegenspielern an, war an jeder Diskussion beteiligt, ganz gleich, wo auf dem Platz sie denn stattfand, bei seiner Auswechslung reizte er den ohnehin schon aufgebrachten Bremer Anhang, indem er sich gleich mehrfach bitten ließ und noch einen kleinen Applaus in Richtung eigener Fans sendete.

Kovac: "Seit der Ausbootung macht er es richtig gut"

"Der Spielverlauf hat dieses Herzschlagfinale provoziert", sagte er. "Da gibt es immer mal wieder hitzige Diskussionen." Insgesamt sei aber alles "ordentlich" abgelaufen. Müller führte aus: "Wir dürfen nicht in Schönheit sterben, sondern müssen auch manchmal ein bisschen kratzen und beißen. Das machen andere Mannschaften gegen uns auch." Aktionen, die ein Gesamtbild ergeben, das Müller, der passenderweise den verletzten Manuel Neuer als Kapitän vertrat, seine Rolle als Führungsspieler annimmt. Das war nicht zu jedem Zeitpunkt in dieser Saison so.

Trainer Niko Kovac, der mittlerweile wieder in Gänze auf die Dienste des Offensivmannes setzt, knüpfte im Anschluss an den Sieg in Bremen eine Verbindung zwischen der Müller'schen Leistungssteigerung und dem Quasi-Rauswurf aus der Nationalmannschaft Anfang März. "Seit der Ausbootung in der Nationalmannschaft macht er es richtig gut. Davor war es okay." Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich: Wettbewerbsübergreifend steuerte Müller nach dem DFB-Aus drei Tore sowie sechs Vorlagen bei. Der Rückschlag also als Ansporn, um zu zeigen, dass man nicht zum viel zitierten alten Eisen gehört? Gut möglich.

Thomas Müller: Leistungsdaten in Pflichtspielen 2018/19

WettbewerbSpieleToreAssistsSpielminuten
Bundesliga286102074
DFB-Pokal532355
Champions League601353
DFL-Supercup10164

Hoeneß: "Thomas ist gerannt wie ein Hase"

Auch von höchster Stelle gab es in Bremen indes ein Sonderlob für die Leistung von Müller. Präsident Uli Hoeneß attestierte ihm: "Thomas hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Er ist gerannt wie ein Hase und hat viel mit nach hinten gearbeitet." Torhüter Sven Ulreich hingegen äußerte sich positiv über die bisweilen unkonventionelle Spielweise seines Kollegen: "Thomas ist für uns als Mannschaft sehr wichtig. Er geht viele Wege, die auf den ersten Blick als unnötig erscheinen, die auch ihm als unnötig erscheinen. Diese Wege beeinflussen das weitere Spiel aber."

Es sind diese Worte, die man früher zuhauf über Thomas Müller zu hören bekam. Lobeshymnen über einen Spieler, der kaum auszurechnen ist. Lobeshymnen, die im vergangenen Jahr mehr und mehr verstummten. Als die WM in Russland vergeigt wurde, als er infolgedessen von Bundestrainer Joachim Löw offenbar für nicht mehr gut genug befunden wurde und auch bei den Bayern ins zweite Glied gerutscht war.

Wie sehr Müller immer noch imstande ist, ein Spiel entscheidend zu beeinflussen, hat er am Mittwochabend in Bremen bewiesen. Wütend, schubsend, tanzend, jubelnd.

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