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Die Winterbilanz des FC Bayern nach dem Sieg gegen den BVB: Die perfekte Ausgangslage

Der FC Bayern feiert den Viertelfinaleinzug im DFB-Pokal

Der FC Bayern hat mit dem 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund das Pokal-Viertelfinale erreicht und damit einen zufriedenstellenden Abschluss der Hinrunde gefeiert. Unter Jupp Heynckes hat der Rekordmeister innerhalb weniger Monate eine schwierige Ausgangslage in eine perfekte verwandelt.

Alexander Isak reiht sich ein. In eine Reihe mit Lukas Klünter und Chadrac Akolo. In die Reihe der Spieler, die nun innerhalb einer Woche in den letzten Sekunde einer Partie die große Chance hatten, den FC Bayern um den Sieg zu bringen.

Nur noch wenige Sekunden sind im Pokal-Achtelfinale auf der Uhr. Der junge Schwede bekommt das Leder an der Strafraumkante, legt ihn sich von links auf rechts und zieht ab. Irgendwie wirft sich Jerome Boateng noch in den Schuss, der Ball kullert am rechten Außenpfosten vorbei.

Kurze Zeit später ist es vorbei. Der BVB ist geschlagen. Der FC Bayern steht zum elften Mal in Folge im Viertelfinale des DFB-Pokals und stellt damit einen neuen Rekord auf. Zuletzt nicht gelungen ist das dem Rekordpokalsieger in der Saison 2006/2007, als im Achtelfinale gegen Alemannia Aachen Schluss war.

Der FC Bayern geht auf der letzten Rille in die Winterpause

Und so dürfen sich die Spieler noch ein letztes Mal im Jahr 2017 vor der Südkurve feiern lassen. Standesgemäß, eingehakt und zum Schlachtruf "Super-Bayern" rhythmisch hüpfend. Wie so häufig in den letzten Wochen. Diesmal jedoch mit schwereren Beinen als sonst. Die letzten Monate haben Kraft gekostet.

Die erste Halbzeit des deutschen Clasico im Achtelfinale des DFB-Pokals war eine Machtdemonstration. Bayern dominierte gegen das defensive 5-4-1 des BVB nach Belieben und hatte zahlreiche Chancen.

Das Problem war einmal mehr die Effizienz. So sah das auch Trainer Jupp Heynckes: "Wenn man so viel unterwegs ist, muss man das in Tore ummünzen. Das haben wir nicht gemacht und sind deswegen in der Endphase gegen eine gute Mannschaft unter Druck geraten und haben dann sicher in der Schlussphase auch ein bisschen Glück gehabt. Das ist im Moment unser Manko, dass wir unsere Torchancen nicht nutzen."

Ähnlicher Spielverlauf wie gegen Frankfurt, Köln und Stuttgart

Tatsächlich wiederholte sich das Muster der letzten Wochen: Die Bayern hatten Chancen um Chancen, um höher zu führen, wirkten hinten raus jedoch platt und ermöglichten dem Gegner so sogar noch die Möglichkeit zum Ausgleich. Das war so gegen die Eintracht. Das war so gegen den 1. FC Köln. Das war so gegen den VfB Stuttgart.

"In der zweiten Halbzeit haben wir das Fußballspielen eingestellt und nicht mehr so gespielt, wie wir uns das vorstellen", kritisierte Torhüter Sven Ulreich später in der Mixed Zone der Arena: "Wir hatten auch zu einfache Ballverluste. Da haben wir Dortmund noch einmal zurückkommen lassen. Das war unnötig. Da müssen wir uns ankreiden lassen, dass wir das am Ende noch einmal so spannend gemacht haben."

Am Ende schleppten sich die Münchner irgendwie über die Ziellinie. Aber sie schafften es eben.

Umso größer war die Erleichterung, dass nun die Weihnachtspause ansteht. "Wir haben in den letzten Wochen viel investiert. Man hat heute gesehen, dass wir froh waren, dass es vorbei ist", gab Thomas Müller zu.

Bayerns Winterbilanz nahezu perfekt

Die Winterbilanz des FC Bayern ist nach dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals so positiv, wie sie noch Ende September wohl niemand für möglich gehalten hätte.

Bei der Entlassung von Carlo Ancelotti lag der Rekordmeister in der Bundesliga fünf Punkte hinter dem BVB, in der Champions League kamen nach dem 0:3-Debakel in Paris sogar vereinzelte Zweifel auf, ob die Münchner überhaupt in die K.o.-Runde einziehen würden und die Ausgangslage im Pokal war mit der schweren Auswärtspartie bei RB Leipzig in der zweiten Runde auch alles andere als rosig.

Nicht einmal drei Monate später könnte die Ausgangslage besser kaum sein. In der Liga prangen die Münchner mit elf Punkten Vorsprung an der Spitze, der sechste Meistertitel in Folge ist Formsache. Im DFB-Pokal haben sie mit Leipzig und dem BVB die zwei vermeintlich größten Konkurrenten ausgeschaltet und sind vor dem Viertelfinale ein noch übermächtigerer Favorit als ohnehin schon. Und in der Champions League sprang zwar trotz eines Rückspielsieges gegen Paris Saint-Germain nur Platz zwei heraus, mit Besiktas bescherte die Achtelfinal-Auslosung den Bayern jedoch ein machbares Los. Zum Vergleich: PSG spielt gegen Real Madrid.

FCB unter Heynckes: 16 Spiele, nur eine Niederlage

Unter dem Strich hätte die Interimslösung mit Jupp Heynckes für den FC Bayern nicht besser laufen können. In den 16 Spielen, seitdem der Triple-Trainer von 2013 das Ruder übernommen hat, gewannen die Bayern 14 Mal und kamen dazu im Elfmeterschießen gegen Leipzig im Pokal weiter. Nur eine Niederlage leistete man sich gegen Borussia Mönchengladbach.

"Was die Jungs in den letzten zweieinhalb Monaten geleistet haben, ist ganz groß. Der Trainer hat eine große Leistung gebracht, davor muss man den Hut ziehen. Aber es ist klar, dass das auch an die Substanz gegangen ist", lobte Sportdirektor Hasan Salihamidzic die Arbeit von Trainer und Team in den letzten Wochen und Monaten.

Der angesprochene Substanzverlust ist der erste Punkt, an dem Heynckes nach der Weihnachtspause in der denkbar kurzen Wintervorbereitung ansetzen will. Immer wieder ließ der Erfolgscoach durchscheinen, nicht damit zufrieden zu sein, in welchem Fitnesszustand sein Vorgänger Ancelotti ihm die Mannschaft übergeben habe.

Messi, Ronaldo und Neymar als Maßstab für die Rückrunde

Das schimmerte auch am Mittwochabend in den Aussagen durch. So lobte Salihamidzic explizit die hervorragende "Belastungssteuerung" von Heynckes und seinem Trainerteam. Der 72-Jährige selbst betonte bei der Bilanz seiner nun zweieinhalbmonatigen Amtszeit: "Mein Trainerteam und ich haben vieles verändert, Trainingsumfang und -intensität erhöht." Zwischen den Zeilen erneut eine leise Kritik an Ancelotti.

Den Leistungsabfall zum Ende von Spielen zu minimieren, ist die große Aufgabe, die Heynckes und sein Team für die Rückrunde angehen müssen. Der Grundstein ist gelegt.

Spätestens wenn der Ball in der 90. Minute nicht auf dem Fuß von Klünter, Akolo oder Isak liegt, sondern bei Ronaldo, Messi oder Neymar, dürfte es jedoch deutlich schwieriger werden, sich über die Ziellinie zu schleppen.

Aber ganz ohne Haar in der Suppe wäre der FC Bayern nicht der FC Bayern. Findet zumindest Thomas Müller: "Es gibt immer was zu analysieren. Es gibt immer was zu verbessern."

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