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Erfolg auf drei wackligen Stelzen

Donnerstag, 11.02.2016 | 10:08 Uhr
Der FC Bayern hatte in Bochum mehr Mühe, als es das Ergebnis vermuten lässt
© imago
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Der FC Bayern München zeigt sich beim 3:0-Sieg in Bochum nicht von seiner besten Seite, hat aber alles, worauf es ankommt: Individuelle Klasse, Glück und das bayrische Selbstverständnis. Letzteres ist für die kommenden Wochen womöglich wegweisend. Aber Achtung!

"Aus Nichts machen die ein Tor", ärgerte sich Bochum-Coach Gertjan Verbeek nach dem Schlusspfiff und fand darin gleich einen der wesentlichen Faktoren dafür, dass seine Mannschaft gegen den FC Bayern letztlich doch deutlich verloren hatte.

Es war einerseits die Effizienz, die den Bochumern zusetzte. Auch wenn die Bayern in der zweiten Halbzeit ihrerseits ebenfalls einige Großchancen vergaben, die individuelle Klasse des Top-Favoriten (vor allem dank Robert Lewandowski) ließ keinen Zweifel daran, dass es früher oder später klingeln würde im Tor der Gastgeber.

Die Unordnung in der FCB-Defensive hatte in der ersten Halbzeit förmlich zum Toreschießen eingeladen. Hätte Terodde eine seiner Möglichkeiten konsequenter, selbstbewusster genutzt - wer weiß, ob die Bayern an diesem Pokalabend nicht doch ins Wanken geraten wären.

Doch diesen Gefallen taten sich die Bochumer nicht. Bayern scherte das herzlich wenig, Lewandowski brachte sich in Schussposition, profitierte von einer kryptischen Müller-Vorlage und knipste zum - zu diesem Zeitpunkt doch sehr erlösenden - 1:0.

Eine ordentliche Portion Glück

Es dauerte nicht lange, da sah Verbeek den zweiten, mitunter spielentscheidenden Faktor, der dem FCB in die Karten spielte: Robben ging im Zweikampf mit Jan Simunek zu Fall - Elfmeter und Rot. Hatte der VfL zu diesem Zeitpunkt noch Hoffnung aufs Weiterkommen, spätestens jetzt war sie verflogen.

"Normal bin ich stolz, ein Holländer zu sein. Aber in meinen Augen war das eine Schwalbe von Arjen Robben. Das war kein Elfmeter und erst recht keine Rote Karte", wetterte Bochums Coach. Der Sündenbock sah das gänzlich anders: "Das war ein klarer Elfmeter, die Schiedsrichter haben einen guten Job gemacht. Da braucht man als Spieler auch den Schutz der Unparteiischen. Foul ist Foul. Ich verstehe die Enttäuschung der Bochumer Spieler und Fans."

Die Wiederholung der Szene zeigte: Robben ließ sich zwar leicht fallen, der Elfmeter war aber in jedem Fall vertretbar. Und dennoch spielte für die Gäste auch das Glück mit: Dass Bastian Dankert Simunek obendrein Rot zeigte, war sehr hart und machte das Weiterkommen für die Ruhrgebietler quasi unmöglich.

Behäbigkeit erreicht Höhepunkt

Selbst Pep Guardiola musste eingestehen: "Erst nach dem Elfmeter und der Roten Karte wurde es einfacher für uns, aber bis zum 2:0 war nichts entschieden. Ich schlafe gut heute", wirkte Bayerns Trainer wirklich erleichtert.

Unter dem Strich war es ein Spiel wie gemalt für Guardiolas Truppe: Mit möglichst geringem Aufwand spazierten die Münchner ins Pokal-Halbfinale, wo der Finaleinzug im Heimspiel gegen Werder Bremen auch als absolute Pflicht angesehen werden muss.

Und doch hinterließ der Auftritt in Bochum bei aller Ergebnis-Klarheit Fragezeichen. Schon gegen Hamburg, in Hoffenheim und zuletzt gegen Leverkusen machte sich eine gewisse Behäbigkeit im Bayern-Spiel bemerkbar. Beim Zweitligisten trieb der FCB diese auf die Spitze.

Quo vadis, Leichtigkeit?

Im Offensivspiel fehlten Ideen und die letzte Konsequenz. Der Hunger, der bei der vermeintlich besten deutschen Mannschaft in der Vorrunde selbst gegen schwächere Gegner stets erkennbar war, wirkt zurzeit ein wenig gestillt.

Douglas Costa, der auch in Bochum blass blieb, ist das beste Beispiel dafür. Auch Thiago, der eigentlich seine Chance wittern müsste, zurück in die Stammformation drängen zu können, wirkte überheblich und inkonsequent. Die gewohnte Leichtigkeit kam im Rewirpower-Stadion komplett abhanden.

Selbst intern stellen die Bayern fest, dass es zum Spiel mit dem Feuer verkommen ist, nur das Nötigste zu tun. Wird der Ansatz von Lethargie nicht bald wieder aus den Muskeln und Köpfen vertrieben, droht in der Endphase der Saison, in der schlussendlich die Titel gewonnen werden, ein böses Erwachen.

Erfolg auf drei wackligen Stelzen

"Wir haben noch ein bisschen Zeit. Wir müssen voll fokussiert bleiben. Ich hoffe, dass wir das schaffen", sagte Matchwinner Robert Lewandowski durchaus bedenklich. Er war einer der Wenigen, denen man Siegeswille und Zielstrebigkeit ansah.

Der Stürmer verkörperte wie kein Zweiter den dritten Grund für Bayerns letztlich ungefährdeten Sieg. Der könnte in den kommenden Wochen zum entscheidenden Faktor werden: das bayrische Selbstverständnis. "Die Optimal-Form kommt immer zur richtigen Phase", blickte Lewandowski schon in Richtung Champions League voraus und erklärte: "Wir sind Bayern."

Dennoch: Dass die individuelle Klasse, das Glück und eine mächtige Portion Selbstvertrauen drei sehr wacklige Stelzen sind, hat den Bayern nicht erst der VfL Bochum aufgezeigt.

VfL Bochum - Bayern München: Daten zum Spiel

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