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Immerhin etwas

Donnerstag, 21.04.2016 | 10:00 Uhr
Steht mit dem BVB im Pokalfinale gegen den FC Bayern: Mats Hummels
© getty
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Mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München stehen die zwei besten deutschen Mannschaften im DFB-Pokalfinale. Der BVB hat dabei aus seinen Fehler zuletzt gelernt. Die Hertha hingegen kann sich den Wunsch des Endspiels im eigenen Stadion nicht erfüllen. Ihnen bleibt mal wieder nur die Hoffnung aufs nächste Jahr.

Als Pal Dardai nach dem Schlusspfiff vor die Sky-Mikrofone trat und zu einer womöglich falschen Taktik befragt wurde, verzog sich die Miene des Ungarn. Er kniff die Augen zusammen, spitzte die Lippen und polterte los. "Sorry, es gibt ein Limit. Wir spielen und geben alles, aber wir müssen jetzt nicht alles kaputtreden. Wenn Sie eine bessere Idee haben, dann nehme ich sehr gerne Unterricht von Ihnen. Kommen Sie zur Hertha und geben Sie uns eine bessere Lösung. Ein bisschen mehr Respekt bitte", sagte Dardai.

Der Coach der Berliner wollte gar nicht mehr zur Ruhe kommen: "Langsam verstehe ich Sie nicht mehr. Meine Jungs haben gut gearbeitet und sind ans Limit gegangen. Sie können das an den Werten sehen. Jeder Spieler ist viel gelaufen. Wenn Sie das nicht gesehen haben, dann haben wir ein Problem." Dabei hatte Dardai die Frage des Reporters offensichtlich falsch verstanden. Oder aber der Hertha-Trainer brachte seinen Unmut über die verpasste Chance der Berliner, erstmals ins Pokalfinale im heimischen Olympiastadion einzuziehen, auf diese Art zum Ausdruck.

Denn dass der BVB an diesem Tag deutlich überlegen war und die Alte Dame in diesem Halbfinale keine Chance hatte, müsste oder sollte auch Dardai gesehen haben. Einen einzigen Torschuss in der ersten Hälfte gab die Hertha ab, lediglich im zweiten Durchgang versprühten die Berliner durch die beiden Möglichkeiten von Salomon Kalou so etwas wie Torgefahr. Das war an diesem Tag gegen einen überzeugenden BVB allerdings zu wenig.

"Wir müssen öfter vor einer solchen Kulisse und mit so einer Drucksituation spielen. Das ist auch ein Lerneffekt. Man hat gespürt, dass da noch etwas fehlt", so Dardai weiter.

"Ein bisschen schwerer vorgestellt"

Doch auch beim BVB hatte man sich offensichtlich mehr von der Hertha erwartet. "Ich habe es mir ein bisschen schwerer vorgestellt, weil Hertha sich schon seit vielen Jahren auf so ein Halbfinale gefreut hat. Wir haben es aber auch gut gemacht", zeigte sich Gonzalo Castro, der in der 20. Minute die Führung erzielte, nach dem Abpfiff sichtlich verwundert.

Natürlich weiß man nicht, wie das Spiel ausgeht, wenn Kalou den Ball in der 74. Minuten beim Stand von 0:1 tatsächlich über die Linie bringt und dadurch den Ausgleich erzielt. Da sich diese Frage aber nicht stellt, weil Dortmund nach dem Ausrutscher von John Anthony Brooks blitzschnell umschaltete und Marco Reus nach feiner Vorarbeit von Shinji Kagawa das entscheidende 2:0 erzielte, muss darüber nicht diskutiert werden.

Insofern kann man festhalten, dass der BVB in diesem Spiel etwas gelang, was ihm in der Rückrunde nicht immer geglückt war: Er schoss die Tore zu rechten Zeit. Bereits die Führung in der ersten Hälfte gelang mit dem ersten Torschuss der Partie. Der Reus-Treffer zum 2:0 fiel genau dann, als man kurz das Gefühl hatte, dass die Hertha an diesem Abend doch noch etwas mitnehmen könnte. Auch wenn die Westfalen zuvor die eine oder andere Möglichkeit liegen ließen.

Die Dortmunder Überlegenheit lag zum einem daran, dass die Tuchel-Elf natürlich deutlich mehr individuelle Qualität besitzt und diese auch dieses Mal über 90 Minuten konstant abrief. Auf der anderen Seite gelang es der Hertha aber auch nur ganz, ganz selten mal für die so wichtige Entlastung zu sorgen. Das Wort Dauerdruck wäre etwas zu hochgegriffen, aber mehr als 70 Prozent Ballbesitz sind eben kaum schadlos zu überstehen.

Während die Dortmunder dabei noch starke 87 Prozent Passquote vorzuweisen hatten, schaffte es die Hertha Hertha nicht, im eigenen Spiel etwa durch Konter gefährliche Akzente zu setzen.

BVB ist zufrieden, aber...

Thomas Tuchel wusste, was auf seine Mannschaft zukommen würde. Er wusste, dass Geduld gefragt sein würde - und seine Jungs setzten das um. Daher zeigte sich der Coach im Anschluss auch mehr als zufrieden: "Im Moment bin ich sehr glücklich über die Leistung und die Ausstrahlung, die wir heute auf den Platz gebracht haben. Es war ein großes Geschenk, die Mannschaft hier so zu sehen. Dafür ein großes Kompliment."

In ein ähnliches Horn blies auch Reus. "Es war klar, dass es für die Berliner das Spiel des Jahres ist. Wir haben konzentriert gespielt und den Ball sehr gut laufen gelassen. In der ersten Halbzeit hätten wir das Spiel mit dem 2:0 beruhigen können. Hertha kam dann in der 2. Halbzeit etwas besser ins Spiel, aber wir hatten die besseren Torchancen und haben verdient gewonnen", fasste der Torschütze die Partie zusammen.

Die Dortmunder zeigten nach den Enttäuschungen in den letzten Wochen eine beachtliche Performance. Der Druck lag vor dem Halbfinale fast ausschließlich beim designierten Vizemeister, denn mit einer Niederlage wäre die Saison des BVB innerhalb von zwei Wochen mehr oder weniger für die Tonne gewesen. "Hätten wir heute nicht das Finale erreicht, dann wäre aus einer sehr guten Saison eine enttäuschende geworden. Jetzt stehen wir im Finale gegen Bayern", sagte Kapitän Mats Hummels.

Doch für Tuchel wäre der DFB-Pokal keine Entschädigung: "Selbst wenn wir den DFB-Pokal holen, dann ist damit nichts gutzumachen, was wir woanders verpasst haben. Ich hätte für meinen Seelenfrieden den Halbfinaleinzug in der Europa League gebraucht."

Würdige Finalisten

"Das Aus in der Europa League tut immer noch weh. Mit dem Pokalsieg können wir aber sehr viel wieder gutmachen", äußerte sich Hummels weiter. Und so konnten einige Protagonisten zumindest dem Lineup des Pokalfinales etwas Postives abgewinnen. "Im Finale spielen die beiden besten deutschen Mannschaften gegeneinander", sagte Castro zum Abschluss.

Dass die Hertha leider nicht dazu gehört, ist zwar bitter für die Beteiligten, war aber letztlich auch absehbar. Am Ende zeigte sich dann auch Dardai irgendwann einsichtig: "Zum Schluss muss man sagen, dass Dortmund als Top-Mannschaft zu stark für uns war."

Auch wenn es eine schöne Geschichte gewesen wäre und die Vorstellung vom "Finale daheeme" für die Hertha zum Greifen nahe war, so hat das DFB-Pokalfinale 2016 doch seine würdigen Teilnehmer gefunden.

Hertha BSC - Borussia Dortmund: Die Daten zum Spiel

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