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Dortmunds Kehl im Interview

"Wir wollen dreckige Siege"

Von Aufgezeichnet von Stefan Rommel
Mittwoch, 29.10.2014 | 11:18 Uhr
Elegant: Sebastian Kehl (l.) im Luftkampf mit Paulis John Verhoek
© getty
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Borussia Dortmund hat gegen den FC St. Pauli letztlich souverän die nächste Runde im DFB-Pokal erreicht. BVB-Routinier Sebastian Kehl mahnt dennoch einige Fehler im Dortmunder Spiel an und wagt schon einen Blick voraus auf den Kracher gegen Bayern München am Wochenende.

Frage: Herr Kehl, anders als in der Bundesliga hat es in einem Pokalwettbewerb wieder zum souveränen Sieg gereicht. Warum?

Sebastian Kehl: Unser Ziel war es, eine Runde weiterzukommen und das haben wir gut erledigt. Es war sicherlich nicht alles perfekt. Aber in unserer momentanen Situation ist das völlig wurscht. Wir wollen ein paar dreckige Siege einfahren, so wie der Trainer das gesagt hat - und es war klar, dass es gegen St. Pauli auch ein dreckiges Spiel wird. Deshalb sind wir zufrieden. Es war ein Schritt in die richtige Richtung, mehr als weiterkommen können wir nicht. Deswegen sind wir alle glücklich.

Frage: War die Anspannung vor dem Anpfiff in der Kabine denn ein wenig anders als sonst?

Kehl: Druck war auch in den letzten Wochen immer da, dafür hinken wir in der Liga zu weit zurück. Aber es hilft ja nicht: Wir müssen trotzdem mit breiter Brust rausgehen, wir sind Borussia Dortmund und haben immer noch eine enorme Qualität. Dieses Selbstvertrauen muss dann aber auch auf den Platz bringen und gegen St. Pauli war das phasenweise schon ein Schritt nach vorne. Obgleich man auch sagen muss, dass wir gegen St. Pauli gespielt haben. Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber es ist nun mal ein Zweitligist. Am Wochenende wartet ein anderes Kaliber auf uns.

Frage: Im Großen und Ganzen hatte die Borussia das Spiel im Griff. Gab es trotzdem eine Phase, in der Sie Bedenken hatten, dass das Spiel vielleicht nochmal kippen könnte?

Kehl: Wir hatten schon ein paar Phasen, in denen St. Pauli stark aufgekommen ist und am Ende kann es auch bei Standardsituationen gefährlich werden. Das hat man dann ja auch gesehen. Wenn da das 1:2 fällt, kommt sicherlich nochmal so richtig Stimmung auf. Wir haben es selbst in der zweiten Halbzeit einige Zeit nicht mehr klar genug zu Ende gespielt. Dabei hatten wir sehr viele Räume, haben die aber nicht ausgenutzt. Das 0:3 hätte früher fallen können, dann wäre auch Ruhe gewesen. Aber nochmal: in unserer derzeitigen Situation brauchen wir uns nicht über Schönspielerei unterhalten. Das Ding muss rein, heute war der Ball dreimal drin, Mund abputzen, am Samstag geht's weiter.

Frage: Sie konnten auch den Fans, die die Mannschaft trotz negativer Ergebnisse zuletzt bedingungslos unterstützt hatten, endlich wieder etwas zurückgeben?

Kehl: Das freut uns in der Tat sehr. Viele Spieler haben nach der Partie ihre Trikots der Kurve geschenkt. Das war auch ein Zeichen dafür, dass wir es sehr wohlwollend aufnehmen, wie die Fans hinter uns stehen. Wir registrieren das, wie sie auch die letzten Niederlagen mit uns zusammen erleben. Das war gegen St. Pauli vielleicht ein kleines Dankeschön. Und man sieht, dass man bei Borussia Dortmund gerade in schwierigen Zeiten sehr eng beisammen steht. Das habe ich auch schon des öfteren erlebt. Und deshalb freut es mich nach den vielen glorreichen Jahren umso mehr, dass auch in der schlechteren Phase alle zusammenhalten.

Frage: Sie haben in einer etwas abgeänderten Formation gespielt. Wie ist die Mannschaft damit zurechtgekommen?

Kehl: Das war kein Problem. Wir haben in dieser Saison schon öfter mit anderen Formationen gespielt und es hat mal gut, mal weniger gut funktioniert. Eine Formation ist am Ende nur die Startposition, aus der angelaufen wird. Das hat gegen St. Pauli etwas besser gepasst, weil der Gegner auf den Außenbahnen versucht hat zu doppeln. Der Trainer hat sich für diese Lösung entschieden, es hat funktioniert. Wie das gegen die Bayern aber aussieht, das wird der Trainer dann neu festlegen.

Frage: Welche Rückschlüsse aus der Pokal-Partie lassen sich denn überhaupt auf das Spiel gegen die Bayern ziehen?

Kehl: Nicht so viele, die beiden Partien sind kaum miteinander zu vergleichen. Aber wir haben in München in den letzten Jahren immer mal ganz gut ausgesehen. Und wenn wir dort kompakt auftreten, werden wir eine Chance bekommen. Wir müssen versuchen, da etwas mitzunehmen - auch, um in der Liga langsam wieder in Fahrt zu kommen. Dass es gegen die Bayern ein hartes Stück Arbeit wird, ist uns auch bewusst. Aber vielleicht liegt darin auch unsere Chance.

Frage: Könnte es dem BVB entgegenkommen, dass die Bayern das Spiel machen werden und die Mannschaft eher aus einer abwartenden Grundausrichtung agiert?

Kehl: Wir haben es in den letzten Jahren auch immer wieder hinbekommen, Siege auch mit mehr Ballbesitzzeiten als der Gegner einzufahren und in der Liga deshalb ganz weit vorne zu landen. Es ist sicherlich nicht der einzige Grund dafür, dass wir in der Liga nicht die nötigen Punkte einfahren.

Frage: Immerhin wird sich der Gegner am Wochenende nicht hinten rein stellen.

Kehl: Es ist nicht meine Art, mich jetzt über die anderen Mannschaften zu beschweren, die gegen uns hinten drin stehen. Jeder hat eben seine Spielweise. Viele Mannschaften machen das sehr gut, stehen kompakt, laufen viel, sind sehr aggressiv. Das macht es natürlich nicht einfach für uns. Und wenn man dann anders als gegen St. Pauli nicht selbst in Führung geht und womöglich einem Rückstand hinterherläuft, wird so ein Spiel schnell zäh. Das konnte man gegen Hamburg, Hannover oder Köln auch sehen. Man braucht auch ein bisschen Glück und den Willen und den Anspruch, dieses Tor jetzt unbedingt erzwingen zu wollen. Und wir brauchen das Selbstvertrauen, das auch noch in der 80. Minute schaffen zu wollen. Da müssen wir uns auf jeden Fall steigern und die Schritte in die richtige Richtung gehen.

Sebastian Kehl im Steckbrief

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