DFB-Pokal - Viertelfinale

Tolles Comeback! Freiburg im Halbfinale

Von Stefan Rommel / Michael Stadtler
Dienstag, 26.02.2013 | 21:20 Uhr
Mainz und Freiburg lieferten sich einen unheimlich spannenden Fight
© getty
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Der SC Freiburg steht als erster Halbfinalist im DFB-Pokal fest. Die Mannschaft von Trainer Christian Streich siegte in der Runde der letzten Acht beim 1. FSV Mainz 05 nach einem hochdramatischen Spiel mit 3:2 (2:2, 0:2) nach Verlängerung und steht damit erstmals in der Vereinsgeschichte im Halbfinale.

Vor 23.517 Zuschauern legte Mainz einen fulminanten Start hin und führte bereits nach vier Minuten mit 2:0. Shawn Parker (2.) und Niki Zimling (4.) waren für die Gastgeber erfolgreich.

Freiburg lief dem frühen Rückstand verzweifelt hinterher, ab der 66. Minute sogar mit einem Feldspieler mehr. Zdenek Pospech sah nach einem wiederholten Foulspiel die Ampelkarte.

Der Anschlusstreffer von Ivan Santini (86.) läutete eine spannende Schlussphase ein, in der Daniel Caligiuri die Gäste in der Nachspielzeit per Foulelfmeter in die Verlängerung rettete (90.+3).

Wiederum Caligiuri war dann in der 108. Minute zur Stelle und drehte die Partie für die Gäste vollends.

Reaktionen:

Thomas Tuchel (Trainer Mainz 05): "Wir haben uns völlig allein um den Lohn der Arbeit gebracht, und das tut sehr weh. Nach dem schnellen 2:0 haben wir keine Sicherheit reinbekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir es sehr viel besser gemacht und hatten totale Kontrolle über das Spiel. Es war eher eine Frage der Zeit, bis das 3:0 fällt. Mit der Gelb-Roten Karte haben wir uns einen Bärendienst erwiesen, damit haben wir uns selbst einen extremen Schaden zugefügt. Den Elfmeter war kein klarer, aber man kann ihn wohl geben."

Christian Streich (Trainer SC Freiburg): "Wir haben am Anfang Probleme gehabt und waren sehr unsortiert. Aber die Mannschaft hat alles gegeben, wie immer, und dann waren wir die Glücklichen. Wir haben gewonnen, weil diese Mannschaft Moral hat. Wenn wir heute verloren hätten, hätte sie trotzdem Moral gehabt. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Mannschaft trainieren darf."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Mainz mit Müller im Tor und im 4-4-2, mit Parker sowie Szalai im Sturm und in der Raute im Mittelfeld. Ede als Spielmacher auf der Zehn. Ivanschitz nur auf der Bank.

Freiburg wieder mit Hedenstad hinten rechts, Krmas geht ins Zentrum. Flum darf beginnen und soll neben Rosenthal im Angriff für Druck sorgen. Schmid und Guede nur auf der Bank.

2., 1:0, Parker: Ball in den Strafraum. Ede dreht sich am Fünfereck, Krmas und Hedenstad stören nicht energisch. Pass zurück an den Elfer. Parker kommt mit Tempo an und haut den Ball unhaltbar links oben ins Netz. Schlecht verteidigt von den Gästen.

4., 2:0, Zimling: Wieder der hohe Ball an den Strafraum. Szalai legt ab auf Zimling. Der zieht aus 23 Metern mit rechts ab. Der Ball touchiert Hedenstads Hacke noch leicht und wird deshalb für Baumann unhaltbar abgefälscht. Links unten schlägt's ein.

37.: Freistoß Kruse von links. Am Fünfer steht Flum sowas von frei. Der Freiburger muss beim Kopfball noch nicht mal hochspringen, köpft den Ball aus fünf Metern aber über die Latte.

39.: Schuster und Schmid spielen's über rechts gut aus. Schmid flankt an den zweiten Pfosten. Sorg nimmt den Ball volley. Müller geht schon in die Knie, der Ball tropft als Aufsetzer aber nur an die Latte.

66., Gelb-Rot gegen Pospech: Caligiuri legt den Ball am bereits verwarnten Pospech vorbei und fällt übers Bein des Tschechen. Aytekin zeigt Gelb-Rot.

86.: Kurze Ecke Freiburg. Kruse legt in den Rückraum auf Santini. Der zieht aus zehn Metern ab. Müller noch leicht dran, erneut rettet die Latte.

86., 2:1, Santini: Ginter trifft mit einem Schuss aus 15 Metern nur den rechten Pfosten. Santini ist aber da und staubt aus kurzer Distanz ab.

90.+1: Kruse setzt sich links durch. Flanke an den zweiten Pfosten. Krmas ist mit dem Kopf dran. Der Ball fliegt über Müller hinweg - an die Latte.

90.+3, 2:2, D. Caliguiri: Santini ist bei einem Querpass einen Tick vor Svensson am Ball. Der tritt ihm in die Hacken. Aytekin zeigt auf den Punkt. Daniel Caligiuri bleibt eiskalt und versenkt links unten.

103.: Nach einem Pass an den zweiten Pfosten rutscht Daniel Caligiuri rein, lenkt das Ding aber aus drei Metern übers Tor.

108., 2:3, D. Caligiuri: Kruse spielt von rechts flach zur Mitte. Guede verlängert und Caligiuri schiebt den Ball dann aus einem Meter ins leere Tor.

114.: Kruse nach einem hohen Zuspiel völlig frei vor Müller. Verzögert, wartet - und schießt den Keeper dann aus sieben Metern nur an.

Fazit: Verdienter Sieg für Freiburg, das schon fast tot schien, sich aber dank einer Energieleistung nochmal aus dem Tal holte und sich für den enormen Aufwand belohnte.

Der Star des Spiels: Daniel Caligiuri brauchte wie die gesamte Mannschaft eine halbe Stunde, um ins Spiel zu finden. Drehte dann aber besonders in der zweiten Halbzeit mächtig auf und war an allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Der andere Matchwinner war Ivan Santini: Brauchte sieben Minuten, um erst das 2:1 zu erzielen und dann den Elfmeter rauszuholen, der die Verlängerung bedeutete.

Der Flop des Spiels: Vegar Hedenstad erlebte einen ungemein kurzen Arbeitstag. Sah vor dem 1:0 schlecht aus, als er den Pass von Ede in die gefährliche Zone nicht unterbinden konnte. Fälschte dann auch noch Zimlings Schuss unhaltbar ab. Nach 13 Minuten war Schluss. Hedenstad war zuletzt noch verletzt gewesen, eine erneute Verletzung war bei seiner Auswechslung aber nicht erkennbar. Auf der Gegenseite war Pospech mit seiner völlig unnötigen Gelben Karte der Auslöser dafür, dass die Partie derart kippte.

Der Schiedsrichter: Deniz Aytekin hatte die undankbare Aufgabe, Spiel eins der Mainzer nach der Tuchel-Kritik zu leiten. Machte seine Sache ausgesprochen souverän und unaufgeregt. Pospechs Platzverweis war korrekt. Der Elfmeter für Freiburg war hart, ging aber in Ordnung.

Die Trainer:

Thomas Tuchel nahm sich ein Beispiel an Frankfurt zuletzt und entgegnete Freiburg mit einem 4-4-2 und der Raute im Mittelfeld. Ede dabei immer wieder auf die Höhe der Angreifer nachrücken zu lassen, wenn Freiburg mit dem Spielaufbau begann, war ein sehr gelungener Schachzug. Zog Caligiuri nach Pospechs Platzverweis nach hinten in die Viererkette, brachte dann Diaz fürs linke Mittelfeld.

Christian Streich ließ überraschend Schmid auf der Bank und brachte den zuletzt noch angeschlagenen Hedenstad. Korrigierte diese Entscheidung nach 13 Minuten, als er Schmid für Hedenstad einwechselte. Nahm auch seinen zweiten Neuen Flum vorzeitig runter. Brachte an den letzten Minuten noch Santini für den langen, hohen Ball. Ein echter Glücksgriff von Streich.

Das fiel auf:

  • Freiburg eine halbe Stunde lang mit ähnlichen Problemen gegen die Mittelfeldraute des Gegners wie zuletzt gegen Frankfurt in der Liga. Ede schob bei Freiburger Ballbesitz in der Mitte nach vorne, Szalai und Parker machten den Passweg nach außen zu. Dafür ließen sich Zimling und Müller dahinter auf Höhe der Mittellinie fallen. Die Folge waren viele lange Bälle der Freiburger Innenverteidiger oder von Keeper Baumann, die Mainz aber im Mittelfeld fast immer gewinnen konnte.
  • Szalai war als Anspielstation für die Gastgeber eine Stunde lang Gold wert. Der Ungar behauptete nahezu jeden Ball, selbst schwierigste Zuspiele verarbeitete Szalai scheinbar mühelos. Krmas und Ginter hatten gegen den sperrigen Angreifer im Zweikampf große Probleme.
  • Freiburg mit Schwierigkeiten, wenn Mainz schnell umschaltete. In der ersten Halbzeit gab es gleich zwei im Ansatz hochgefährliche Szenen, als Freiburg nach einem eigenen Standard in einen Konter lief. Die Gäste stellten sich dann besser auf Mainz ein, wurden bis zur Pause im Mittelfeld aggressiver in den Zweikämpfen. Dazu machte der eingewechselte Schmid über rechts viel Dampf.
  • Mainz nutzte die Pause, um sich neu zu justieren und war nach dem Wechsel erst wieder dominanter. Allerdings spielten die Gastgeber ihre Angriffe lange Zeit nicht konzentriert zu Ende und verpassten so die Vorentscheidung.
  • Pospechs Platzverweis brachte so eine neue Wendung ins Spiel. In der Folge wurde es giftiger, mit vielen Freistößen besonders für die Gäste. Freiburgs Caligiuri schob über die linke Seite energisch an. Mainz wurde zunehmend müder und verteidigte die letzte Viertelstunde nur noch. Diaz rückte in der Schlussphase sogar immer wieder mit auf Höhe der Viererkette.
  • Freiburg fehlte es vor dem Tor aber lange an Effizienz und Glück. Erst nach dem vierten Aluminiumtreffer belohnten sich die Gäste mit dem späten Ausgleich. In der Verlängerung war Mainz nahezu stehend k.o. Freiburg spielte geduldig und wartete auf seine Chance - die Caligiuri dann auch prompt nutzte.

Mainz - Freiburg: Daten und Fakten zum Spiel

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