DFB-Pokal: Stuttgart - Bayern 0:2

Zur Kur in Bad Cannstatt

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 09.02.2012 | 09:42 Uhr
Franck Ribery brachte den FC Bayern mit seinem Treffer in der 30. Minute auf die Siegerstraße
© Getty
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Der VfB Stuttgart präsentierte sich erscheckend schwach, das musste nach dem Spiel auch Sportdirektor Fredi Bobic zugeben. Die Bayern dominierten ohne große Mühe, spielten die Tore elegant heraus. Heynckes' hatte seine Elf ohne Robben aufs Feld geschickt, dafür mit Kroos auf der Zehn. Und es zeigte Wirkung: Man bekam einen lange verschollen geglaubten FC Bayern zu sehen.

Reaktionen:

Bruno Labbadia (Trainer VfB Stuttgart): "Wir haben die ersten 15 Minuten ansprechend gespielt, aber dann haben wir den Mut verloren. Dies hat sich dann immer weiter fortgesetzt, und beim ersten Gegentor haben wir nur zugeschaut. In der Halbzeitpause haben wir versucht, die Mannschaft aufzubauen und daran appelliert, dass es ein Pokalspiel ist. Nach 33 Sekunden war das aber schon wieder erledigt. Bayern hat verdient gewonnen."

Jupp Heynckes (Trainer Bayern München ): "Unsere Mannschat hat eine souveräne Partie geboten. Wir waren sehr konzentriert und fokussiert aufs Weiterkommen. In der Defensive haben wir nichts zugelassen, bis auf einen Kopfball von Ibisevic. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir nicht ins Halbfinale einziehen, und zeitweise haben wir auch sehr guten Fußball gespielt."

Fredi Bobic (Sportdirektor VfB Stuttgart): "Wir hatten uns heute viel vorgenommen. Nach dem Spiel in Leverkusen waren wir auf dem richtigen Weg. Diesen haben wir dann heute aber gleich wieder verlassen. Das war heute gar nichts, eine absolute Frechheit. Dafür müssen wir uns eigentlich beim Publikum entschuldigen, das heute sehr geduldig war. Kein Kampf, keine Leidenschaft und ohne unseren überragenden Torwart hinten drin, hätte das noch ganz anders ausgehen können. Insgesamt eine Leistung, mit der ich alles andere als einverstanden bin. Wir werden jetzt den Druck erhöhen, denn ohne Druck geht es wohl nicht."

Toni Kroos (Bayern München): "Wir haben ein super Spiel gemacht, offensiv wie defensiv. Wir haben 90 Minuten dominiert und waren sehr flexibel. Außerdem haben wir uns viele Chancen herausgespielt. So soll es sein. Wenn wir gut arbeiten, haben wir einfach die Qualität, unser Spiel durchzuziehen. Das haben wir heute gezeigt."

Thomas Müller (Bayern München): "Wir sind eine Mannschaft, da gehören mehr Spieler dazu. Nur weil Arjen heute nicht gespielt hat, ist er jetzt ja nicht weg oder verkauft. Wer behauptet, Kritik freut ihn, der lügt. Am meisten ging uns auf den Keks, dass wir nicht gewonnen haben. Da kommt beim FC Bayern natürlich Kritik auf, das ist irgendwo auch verständlich. Es war wichtig, dass wir Mittwoch schon gespielt haben und das nicht wieder die ganze Woche mit uns rumgetragen haben."

Nachbetrachtung:

Es soll schon Zeiten gegeben haben, da war ein Viertelfinale im DFB-Pokal eine hart umkämpfte Angelegenheit. Es gab auch schon furchtbar hitzige Schlachten zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München, nicht nur Fredi Bobic weiß das nur zu genau.

Das lust- und planlose Ballgeschiebe seiner Mannschaft in einem absoluten Bonusspiel war davon meilenweit entfernt. Die Bayern dürften sich kaum daran erinnern, schon einmal derart kampflos ins Semifinale eingezogen zu sein, selbst bei Zweit- oder Drittligisten gab es mehr Gegenwehr.

Da stimmt etwas nicht

In Stuttgart stimmt etwas nicht. Dass sich ein Spieler wie Cacau mit seinen Aussagen nach dem Spiel lieber hinter der Stärke des Gegners versteckt anstatt eigene Unzulänglichkeiten für die Leistung zurande zu ziehen, ist ein völlig falsches Signal für die kommenden Aufgaben.

Jedem der 57.500 im Stadion wurde die Stuttgarter Selbstaufgabe augenscheinlich. Die Probleme sind seit Monaten dieselben, Lösungen werden keine gefunden. Die Parolen nach den Spielen bleiben gleich, lediglich Bobic wagte sich nach der Zumutung gegen die Bayern aus der Deckung und schlug einen etwas schrofferen Ton an.

VfB, der perfekte Aufbaugegner

Der zaghaft gelebte Traum vom Einzug ins Pokalfinale ist zerplatzt, damit auch die Option auf das internationale Geschäft, ein paar Millionen Euro Mehreinnahmen und die Aussicht auf den einen oder anderen Spieler, der diese Mannschaft besser machen kann.

Immerhin hat der VfB seinen Ruf als perfekter Aufbaugegner weiter gepflegt. Die Bayern strotzten auch nicht eben vor Selbstvertrauen, nutzten aber den Kuraufenthalt in Bad Cannstatt aus. Die fehlende Tiefe im Spiel und kaum Tempowechsel hatte Heynckes bei seiner Elf ausgemacht.

Und wieder ist es Robben

Und er bekam in Stuttgart: Tiefe im Spiel und viele Tempowechsel. Problem erkannt, benannt und behoben. Zumindest dieses eine Mal. Nur ein Spiel macht noch keinen neuen Trend, im Rückblick auf die ersten drei Spiele in diesem Jahr waren aber in fast allen Bereichen und bei fast allen Spielern Fortschritte zu erkennen.

Homogen in der Defensive, flexibel in der Offensive sah das schon wieder in etwa so aus wie die Bayern aus dem Spätherbst. Was unweigerlich zur Person Arjen Robben führt. An Schlagzeilen wird es in den kommenden Tagen nicht mangeln. Die Diskussionen um Robben, im letzten Jahr von den Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge als Nonsens abgewiesen, neu entfachen.

Die Verletzung von Bastian Schweinsteiger wird die Fragen einige Zeit überdecken. Ob die Leistungsexplosion nur zufällig mit Robbens Dasein auf der Bank zu tun hatte oder nicht, werden erst die nächsten Wochen klären. Und ob die Mannschaft wirklich schon wieder gut genug ist für ihre hohen Ziele - oder ob sie an diesem Abend einfach nur einem furchtbar harmlosen Gegner gegenüber stand.

Stuttgart - Bayern: Daten und Fakten

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