DFB-Pokal - Viertelfinale

Erster FCB-Sieg am Tivoli seit 1969

Von Thomas Gaber / Daniel Reimann
Mittwoch, 26.01.2011 | 22:31 Uhr
Mario Gomez (l.) brachte den FC Bayern in Aachen in der 26. Minute in Führung
© Getty
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Der FC Bayern München steht nach einem 4:0 (1:0)-Sieg bei Zweitligist Alemannia Aachen erneut im Halbfinale des DFB-Pokals. Es war der erste Sieg der Münchner in Aachen seit Oktober 1969.

Mario Gomez (26.), Thomas Müller (75., 80.) und Arjen Robben (88.) erzielten die Tore für die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal vor 32.160 Zuschauern am ausverkauften Aachener Tivoli.

Im Halbfinale trifft Pokal-Rekordsieger Bayern (15 Titel) auf Schalke 04, Energie Cottbus oder den MSV Duisburg. Die Vorschlussrunde wird am Sonntag im Rahmen der ARD-Sportschau ausgelost.

Nach dem Abgang von Mark van Bommel übernahm Philipp Lahm die Spielführerbinde und wird sie mindestens bis Saisonende tragen.

Reaktionen:

Louis van Gaal (Trainer FC Bayern) über das Spiel: "Wir haben gut angefangen und das 1:0 gemacht, dann aber vor der Pause den zweiten Treffer versäumt. Nach dem Seitenwechsel standen wir eine Viertelstunde unter Druck. Dann habe ich Arjen Robben gebracht, und danach lief das Spiel wieder für uns."

Van Gaal über van Bommel: "Ich habe mit ihm in der Winterpause über seine Perspektiven gesprochen. Ich habe ihm klar gemacht, dass wir viele Spieler haben, die auf seiner Position spielen können. Schweinsteiger, Tymoschtschuk, Gustavo, Kroos, Ottl und Pranjic. Es ist normal, dass die Beziehung zwischen Trainer und Spieler schwierig wird, wenn der Spieler nicht unumstritten ist. Ich habe gesagt, dass er nicht immer Kapitän bleiben wird. Aber ich habe nicht entschieden, ob er geht oder nicht."

Philipp Lahm (FC Bayern): "Klar ist es ein Reiz als Bayern-Spieler das Kapitänsamt und mehr Verantwortung zu übernehmen. Es macht mir einfach Spaß und deswegen habe ich mich darüber sehr gefreut."

Benjamin Auer (Aachen): "Wir haben 0:4 verloren, aber es war trotzdem ein tolles Erlebnis. Wir hätten einen Elfmeter bekommen können oder sogar müssen. Die Bayern haben aber verdient gewonnen. Sie haben einfach zu viel individuelle Klasse."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Aachen im offensiven 4-1-3-2 mit Junglas vor der Abwehr. Stieber kommt meistens über links und soll Auer in der Spitze unterstützen.

Die Bayern im Spiel eins nach van Bommel mit Ottl und Pranjic auf der Doppel-Sechs. Tymoschtschuk spielt Innenverteidiger, Breno sitzt erneut nur auf der Bank. Auch Robben bleibt wegen einer Erkältung zunächst draußen. Dafür spielt Müller rechts, Altintop darf links ran. Im Kader der Bayern steht mit dem 23-jährigen Niederländer Boy Deul ein Offensivspieler aus der zweiten Mannschaft.

21.: Arslan schickt Auer per gefühlvollem Heber auf die Reise. Badstuber hechelt nur hinterher, Gustavo rückt zu spät ein. Auer zieht aus 14 Metern ab - knapp links unten vorbei!

26., 0:1, Gomez: Gustavo hinterläuft Altintop über links und bekommt den Ball. Mit viel Gefühl flankt er ans linke Fünfereck. Dort steht Gomez, von Feisthammel völlig alleine gelassen und nickt locker ein. 24. Pflichtspieltreffer in dieser Saison.

36.: Flache Hereingabe von rechts durch Müller. Gomez wartet am Elfmeterpunkt, dreht sich um Gegenspieler Feisthammel und sucht mit links den Abschluss. Doch er schießt Torhüter Hohs an.

54.: Müller legt von halblinks quer zu Gomez, der wie schon in Durchgang eins frei vom Elfmeterpunkt zum Schuss kommt. Doch erneut scheitert er am stark reagierenden Hohs.

61.: Feisthammel setzt sich nach einer Ecke von rechts am Fünfer gegen Gustavo durch. Kraft reißt gedankenschnell den linken Arm hoch und pariert den wuchtigen Kopfball. Starker Reflex!

75., 0:2, Müller: Robben ist keine drei Minuten im Spiel, schon macht sich sich seine Einwechslung bezahlt. Er zieht über rechts zwei Mann auf sich und spielt auf Müller, der links an Demai vorbei zieht und aus spitzem Winkel einnetzt.

80., 0:3, Müller: Müller narrt Demai halblinks im Strafraum, wird vom Aachener gefoult, aber legt im Fallen den Ball noch auf Gomez. Der übergibt wieder an Müller, der zur Mitte zieht und aus elf Metern draufhält. Abgefälscht, Tor!

88., 0:4, Robben: Demai meint, Schweinsteiger im eigenen Strafraum ausdribbeln zu können. Fehlanzeige! Schweinsteiger legt den Ball von links zur Mitte, wo Robben aus zwei Metern einschiebt.

Fazit: Klassenunterschied in Aachen. Bayern verdient im Halbfinale.

Der Star des Spiels: Andreas Ottl. Van Bommels Abschied spülte ihn in die Startelf. Der 25-Jährige überzeugte mit Ruhe am Ball, einer glänzenden Übersicht und vielen Ballgewinnen. Die Aufgabenteilung mit Pranjic funktionierte. Ottl blieb sich in Aachen treu: Wenn er eine Chance bekommt, erledigt er seinen Job zuverlässig. Auch stark: Müller.

Der Flop des Spiels: Tobias Feisthammel. Aachens Innenverteidiger erlebte sein Waterloo. Vor dem 0:1 verlor er Gomez aus den Augen. Sein Zweikampfverhalten war naiv, sein Passspiel unsicher. Vor dem 0:2 ging konnte er Robben nicht stoppen und vor dem 0:4 kam er erneut zu spät.

Der Schiedsrichter: Michael Weiner machte einen schwerwiegenden Fehler. Aachen hätte nach dem klaren Foul von Gustavo an Auer einen Elfmeter bekommen müssen (34.). Zudem interpretierte Weiner einige Zweikämpfe falsch. Kein besonders glücklicher Auftritt.

Analyse: "Aachen kaputt spielen" lautete van Gaals Marschroute. Seine Mannschaft erfüllte den Auftrag. Von Beginn an zogen die Bayern ihr geduldiges, den Gegner zermürbendes Passspiel auf. Aachen griff teilweise mit sechs Spielern in der Bayern-Hälfte an, konnte die Gäste aber nicht zu Fehlern im Spielaufbau zwingen.

Ottl und Pranjic hatten die Mittelfeldzentrale im Griff. Altintop und Müller waren auf den Flügeln ständig in Bewegung, während sich Schweinsteiger oft zurückfallen ließ und Ottl bei der Ballverteilung unterstützte.

Aachen spielte aggressiv, lief aber meist nur hinterher. Chancen für Bayern ergaben sich in den ersten 25 Minuten dennoch nicht, weil Aachen den eigenen Strafraum geschickt verriegelte.

Im Spiel nach vorne brachte Aachen kaum etwas zustande. Trainer Hyballa setzte bei Balleroberung auf ein schnelles Umschalten, seine Spieler leisteten sich allerdings viele überhastete Fehlpässe.

Die Bayern müssen sich abermals dem Vorwurf gefallen lassen, das Spiel durch eine fahrlässige Chancenverwertung nach der Pause nicht früh entschieden zu haben.

Blog mySPOX-Analyse: Altintop spielte wie der junge Schweini

Nach einer Stunde legte Aachen seine Zurückhaltung ab und brachte Bayern-Keeper Kraft einige Male in Verlegenheit. Aachens Drangphase wurde durch den Bilderbuch-Konter der Bayern über Robben und Müller jäh gestoppt. Am Ende spielten die Münchner ihre Klasse aus und stehen völlig verdient im Halbfinale.

Aachen - Bayern: Daten und Fakten

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