
DFB-Pokal, Halbfinale
4:1! Leverkusen fährt nach Berlin
Bayer Leverkusen steht im Finale des DFB-Pokals. Die Mannschaft von Bruno Labbadia gewann das Halbfinale am Dienstag gegen Mainz verdient mit 4:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung.
Vor 35.000 Zuschauern in der Düsseldorfer Arena brachte zunächst der eingewechselte Angelos Charisteas Leverkusen in der 82. Minute mit 1:0 in Führung. Nur sechs Minuten später aber gelang Mainz der Ausgleich durch Aristide Bance und rette sich so in die Verlängerung.
Dort brachte Arturo Vidal die Gastgeber bereits in der 3. Minute erneut in Front. In der 104. Minute erhöhte Kapitän Simon Rolfes auf 3:1. Für den verdienten Endstand sorgte Michal Kadlec in der 117. Minute.
Damit steht Leverkusen am 30. Mai im Pokalfinale in Berlin und trifft dort auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen (Mittwoch 20.30 Uhr).
Völler zufrieden
Entsprechend zufrieden äußerte sich Leverkusens Sportchef Rudi Völler nach dem Spiel: "Wir haben hier einen kleinen Mannschaftsraum, da werden wir sicher ein paar Döschen Bier trinken." Mit dem Spiel seiner Mannschaft war er jedoch nicht in allen Punkten völlig zufrieden: "Phasenweise waren wir sehr nervös", so Völler, "aber wenn man im Pokal-Halbfinale gegen einen Zweitligisten spielt, steht man ungeheuer unter Druck. Dabei geht es weniger darum, dass es in der Liga nicht so läuft. Aber jeder erwartet einen Sieg."
Der SPOX-Spielfilm:
Vor dem Spiel: Leverkusen muss kurzfristig auf den angeschlagenen Sinkiewicz verzichten, für rückt Haggui in die Innenverteidigung.
3.: Erste dicke Chance. Kießling flankt von links und in der Mitte steht Renato Augusto vollkommen frei. Er zieht volley ab, trifft den Ball aber nicht richtig. Wache hält ihn fest und schimpft.
19.: Doppelchance Leverkusen! Renato Augusto zieht von rechts aus 20 Metern ab, Noveski fälscht ab, und Wache zeigt einen fantastischen Reflex. Den Nachschuss setzt Helmes aus spitzem Winkel am langen Pfosten vorbei. Dusel für die Gäste!
33.: FSV-Konter über links mit Bance und Amri. Der haut die Flanke 20 Meter hinter das Tor von Rene Adler. Harmlos!
51.: Dickes Ding für Bayer! Ecke von rechts durch Augusto, von den 16 Spielern in der Mitte springt Henrique am höchsten und köpft am langen Pfosten vorbei.
78.: Renato Augusto zieht aus 20 Metern aus der Zentrale ab. Wache faustet den Flatterball zur Seite weg. Das war ein Geschoss.
80.: Verrückte Szene: Bayer-Ecke von links, Bance klärt, Renato Augusto hält aus 16 Metern drauf. Monster-Reflex von Wache, Rolfes haut den Nachschuss an den Pfosten und Kießling schiebt ins Tor, Abseits!
82., 1:0, Charisteas! Schon wieder ein Schuss von Renato Augusto - dieses mal von rechts, Wache lässt abklatschen und Charisteas staubt ab.
88., 1:1, Bance! Der Leverkusener Charisteas liegt verletzt im eigenen Strafraum. Mainz spielt weiter. Bance wirft sich in einen verunglückten Schuss von rechts. Kopfball-Tor in den Winkel!
93., 2:1, Vidal! Charisteas verlängert einen Einwurf von rechts mit dem Kopf auf Kießling, der zieht aus sechs Metern direkt ab. Wieder bärenstarke Parade von Wache, aber Vidal ist am linken Pfosten zur Stelle und macht die Führung.
104., 3:1, Rolfes! Ecke von links, Wache geht einen Schritt nach vorne und dann wieder zurück. Friedrich köpft - und Rolfes staubt aus einem Meter ab.
117., 4:1, Kadlec! Der Abwehrspieler fasst sich ein Herz, lässt zwei Mainzer und Keeper Wache stehen. Schönes Tor zum Abschluss. Bayer ist durch.
So lief das Spiel: Flotter Beginn der Leverkusener, die sofort zeigten, wer Herr im Haus ist: konzentriert in der Abwehr, aggressiv im Mittelfeld, zielstrebig im Spiel in die Spitze. Mainz brauchte lange, um die lähmende Nervosität abzuschütteln: Die ersten 10 Minuten verbrachte 05 fast nur mit ungläubigem Staunen und hatte Glück, nicht früh durch Renato Augusto in Rückstand zu geraten. Nach einer Viertelstunde fand die Andersen-Elf zwar langsam die Ordnung, stand aber weiterhin enorm unter Druck: zu viele leichte Fehler im Spielaufbau, viel zu wenig Entlastung. Bayer mit fast 70 Prozent Ballbesitz, aber ohne die ganz großen Torchancen. Null zu Null zur Pause.
Mainz kam mit mehr Mut und Körpersprache aus der Kabine, Leverkusen aber blieb spielerisch deutlich überlegen. Allerdings fehlten der Bayer-Elf Wille, Leidenschaft und Überzeugung, um die inzwischen gut organisierte Defensive der Gäste ernsthaft zu gefährden.
Erst nach 75 Minuten begann sich langsam, ein echtes Pokalspiel zu entwickeln: Bayer erhöhte noch einmal den Druck und kam, allerdings nach einem Patzer vom Mainz' Torhüter Wache zur verdienten Führung. Logischerweise warfen anschließend die Gäste alles nach vorne - und kamen nur sechs Minuten später zum Ausgleich. Verlängerung.
In der Verlängerung spielte Leverkusen dann endlich seine spielerische Überlegenheit konsequent aus, während Mainz deutlich mit konditionellen Problemen zu kämpfen hatte. Mit dem 3:1 durch Rolfes war die Partie schließlich entschieden. Unter dem Strich ein verdienter Erfolg für Bayer.
Star des Spiels: Renato Augusto. Der Brasilianer war der Aktivposten in einer insgesamt doch etwas verkrampften Leverkusener Elf. Arbeitete stark im Mittelfeld und trieb das Spiel nach vorne an. Nahm immer wieder das Heft in die Hand, suchte häufig das Eins-gegen-Eins und sorgte mit einer für den Torhüter recht widerlichen Schusstechnik immer wieder für Gefahr aus der zweiten Reihe - und bereitete so auch das Tor durch Charisteas vor.
Gurke des Spiels: Markus Feulner. Der Mainzer Mittelfeldmann spielte eher unglücklich als schlecht. War bemüht und fleißig, steht aber dennoch stellvertretend für die Harmlosigkeit im Spiel nach vorne. War einfach zu oft die unfreiwillige Endstation der Mainzer Konter. Verletzte sich zur Krönung eines gebrauchten Tages auch noch und musste ausgewechselt werden.
Lehren des Spiels: Eine merkwürdige Partie in den ersten 75 Minuten. Wenig Atmosphäre im Stadion, kaum Pokalstimmung auf dem Rasen - alles merkwürdig emotionslos.
Fußballerisch war Leverkusen tatsächlich eine Klasse besser: schneller, beweglicher, aggressiver - während Mainz vor allem im Mittelfeld schwerfällig und behäbig wirkte und im Spiel nach vorne praktisch kein Land sah.68 Prozent Ballbesitz und 11:1 Torschüsse für Bayer nach einer Stunde. Doch auch der Werkself fehlte nicht nur das nötige Selbstvertrauen, sondern auch die letzte Leidenschaft gegen die gewohnt gut organisierte und extrem tief stehende Mainzer Defensive. Eigentlich schwer nachvollziehbar im zuvor ausgerufenen "wichtigsten Spiel des Jahres".
Erst in der Verlängerung, als die Kräfte der Mainzer deutlich nachließen, zeigte Leverkusen Wille und Überzeugung und gewann die Partie am Ende auch hochverdient. Damit hat die Werkself also weiterhin die Chance, die Saison durch die Hintertür im DFB-Pokal noch zu retten.
Doch die Fragezeichen hinter dem Phänomen Bayer Leverkusen bleiben: Auch gegen Mainz überzeugte Leverkusen mit einer hübschen Spielkultur, wirkte darin aber phasenweise fast autistisch verloren: Fußball um des Fußballs Willen - aber ohne die allerletzte Entschlossenheit. Typisch für die Rückrunde auch der schelle Ausgleich nach der Führung. Insofern wirkte die Mannschaft einmal mehr irgendwie unreif, unfertig und leicht verunsichert und verkrampft. Charakterlich stark war allerdings die Reaktion auf den ernüchternden Gegentreffer.
Unter dem Strich steht so ein verdienter Einzug ins Pokalfinale. Vielleicht das nötige Erfolgserlebnis, um Selbstvertrauen zu tanken. Vor allem aber ein wichtiger Schritt in Richtung Europa. Denn der internationale Wettbewerb ist die Voraussetzung dafür, dass Bayer den jungen Kader zusammenhalten kann - und auch ein idealer Ort, um sich dort die vielleicht endlich die nötige Reife und Cleverness zu holen.









