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DFB-Pokal, 1. Runde: RB Leipzig hat Mühe - Hertha und Union locker - Köln und Paderborn zittern

SID

RB Leipzig hat beim Pflichtspieldebüt des neuen Trainers Julian Nagelsmann nur mit Mühe die zweite Runde des DFB-Pokals erreicht. Das gilt auch für Aufsteiger SC Paderborn 07, der wie der 1. FC Köln erst im Elfmeterschießen siegte. Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin hielten sich dagegen schadlos gehalten und gewannen ihre Auswärtspartien souverän.

Holpriges Debüt, aber Pflicht erfüllt: Julian Nagelsmann hat eine erfolgreiche Premiere bei RB Leipzig gefeiert. Die Sachsen bescherten ihrem neuen Trainer mit dem glücklichen 3:2 (3:1) beim Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück einen gelungenen Pflichtspiel-Start und zogen trotz einer über weite Strecken enttäuschenden Vorstellung in die zweite Runde des DFB-Pokals ein.

RB offenbarte sieben Tage vor dem Ligastart bei Union Berlin gegen beherzt aufspielende Hausherren noch einige Schwachstellen, ein Klassenunterschied war vor 14.625 Zuschauern an der ausverkauften Bremer Brücke kaum auszumachen. Vorne mangelte es an der letzten Konsequenz im Abschluss, hinten offenbarte der Bundesliga-Dritte der Vorsaison noch einige Abstimmungsprobleme.

In der aufgeheizten Atmosphäre in Osnabrück waren die Augen vor allem auf RB-Coach Nagelsmann gerichtet - und das lag nicht bloß an seinem farbenfrohen Outfit mit knallrotem Poloshirt, hoch gekrempelter blauer Chino-Hose und strahlend weißen Turnschuhen. Die großen Fragen: Was konnte Nagelsmann seinem Team in den fünf Wochen seit seinem Wechsel von 18899 Hoffenheim schon vermitteln? Wie weit ist Leipzig kurz vor dem Start?

Leipziger Doppelschlag in 120 Sekunden

Die ersten Antworten ließen nicht lange auf sich warten. Nagelsmann hatte am Spielfeldrand kaum Platz genommen, da durfte er gleich das erste Mal für sein neues Team jubeln. Nach einem Schuss des französischen Neuzugangs Christopher Nkunku drückte Sabitzer den Abpraller zur frühen Führung über die Linie. Doch die Freude währte nicht lange: Der VfL glich nach passivem Leipziger Defensivspiel fast im Gegenzug aus und ließ das Stadion an der Bremer Brücke beben.

Fortan war von einem Klassenunterschied erst einmal nichts zu spüren. Osnabrück ließ hinten nichts anbrennen und setzte mit seinem pfeilschnellen Umschaltspiel nach vorn immer wieder Akzente. Leipzigs Keeper Yvon Mvogo, der die geschonte Stammkraft Peter Gulacsi vertrat, hatte mehr zu tun, als mehr zu tun, als Nagelsmann lieb sein konnte. Die viel gepriesene RB-Offensive um Nationalstürmer Timo Werner, der weiterhin als Kandidat beim FC Bayern gilt, war bis dahin kaum etwas zu sehen.

Das änderte sich schlagartig, als Leipzig mit einem Doppelschlag binnen 120 Sekunden für eine entspanntere Miene bei Nagelsmann sorgte. Zunächst traf Klostermann nach einem Konter über Werner und Yussuf Poulsen im Nachsetzen, dann erhöhte Sabitzer nach präzisem Poulsen-Zuspiel eiskalt.

Hertha beim Pflichtspieldebüt von Covic souverän

Auch im zweiten Abschnitt bot sich zunächst das gleiche Bild. Osnabrück zeigte eine beherzte Vorstellung, setzte die Gäste phasenweise unter Dauerdruck und hatte mit Marc Heider, als er in der 56. Minute allein auf Mvogo zulief, die große Chance zum Anschlusstreffer. Dieser gelang dem eingewechselten Alvarez dann eine Viertelstunde vor Schluss - doch am Ende jubelten Nagelsmanns Leipziger.

Hertha BSC hingegen hat auf dem beschwerlichen Weg zu seinem Traumziel Berlin den ersten Schritt locker gemeistert. Die Mannschaft von Trainer Ante Covic, die endlich einmal das Finale des DFB-Pokals im eigenen Stadion erreichen will, kam in der ersten Runde zu einem nie gefährdeten 5:1 (3:0) bei Viertligist VfB Eichstätt.

Beim Pflichtspieleinstand von Covic brachte Vladimir Darida den klar überlegenen Erstligisten in der 11. Minute in Führung. Nur wenige Sekunden später legte Vedad Ibisevic nach. Der Torjäger erhöhte auch auf 3:0 (31.). Julian Kügel gelang für die tapferen Eichstätter das zwischenzeitliche 1:3 (52.), ehe Salomon Kalou (62.) und Alexander Esswein (75.) die Verhältnisse wieder zurechtrückten.

Union Berlin siegt mühelos

"Es hat noch nicht alles zu 100 Prozent geklappt, aber mit dem Ergebnis sind wir natürlich sehr zufrieden", sagte Ibisevic, schränkte aber ein: "Bei so einem Spiel ist es schwer einzuschätzen, was gut und was schlecht war."

Gegen den Klub aus der Regionalliga Bayern, für den es das bislang größte Spiel der Vereinsgeschichte war, saß der Berliner Rekordtransfer Dodi Lukebakio vom FC Watford erst einmal auf der Bank. Kalou und Ibisevic begannen für die Hertha im Angriff. Lukebakio kam in der 68. Minute zu seinem Einstand.

Union Berlin hat die Generalprobe für das Abenteuer Bundesliga ebenfalls mühelos gemeistert. Die Köpenicker gewannen ihr erstes Pflichtspiel nach dem umjubelten Aufstieg bei Viertligist Germania Halberstadt verdient mit 6:0 (1:0) und erreichten zum vierten Mal in Folge die zweite Runde.

Halberstadts Plakat-Ansage misslingt

Ein echter Prüfstein für die Bundesliga-Premiere gegen RB Leipzig am Sonntag waren die Amateure aus Halberstadt allerdings zu keiner Zeit. Vor 6000 Fans im ausverkauften Friedensstadion, darunter etwa die Hälfte aus Berlin, zeigte Union gute Kombinationen und ließ defensiv kaum etwas zu.

Halberstadt blieb in seinem zweiten DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte vor allem offensiv harmlos. Die 50 Kilometer südwestlich von Magdeburg gelegene Stadt war schon seit Tagen im Pokalfieber. Ein Vereinssponsor hatte im Ort sogar ein Plakat mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen, liebe Union-Fans. Viel Erfolg in der 1. Bundesliga, aber heute werdet ihr leider weinend nach Hause fahren" aufhängen lassen.

Die Union-Fans hoffen nun auf ein gutes Los, um endlich wieder die zweite Runde zu überstehen. In den vergangenen 14 Jahren war dies nur ein einziges Mal gelungen.

Paderborn siegt erst im Elfmeterschießen

Der zweite Aufsteiger SC Paderborn musste dagegen sehr zittern, hat mit einem ebenso glücklichen wie hart erkämpften Sieg aber etwas Selbstvertrauen für die Mission Klassenerhalt gesammelt. Die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart setzte sich in einem Ostwestfalen-Krimi beim Regionalligisten SV Rödinghausen mit 4:2 im Elfmeterschießen durch. Nach 120 packenden Minuten hatte es 3:3 (3:3, 2:0) gestanden.

SCP-Torhüter Jannik Huth wurde im Elfmeterschießen mit Paraden gegen Lars Lokotsch und Tobias Steffen zum Helden des Abends.

Paderborn durfte sich neben dem halbwegs gelungenen Saisonstart auch über ein Preisgeld in Höhe von 351.000 Euro freuen. Für Rödinghausen gab es 175.500 Euro.

Auch der 1. FC Köln muss zittern

Mit ganz viel Schatten und wenig Licht ist auch der 1. FC Köln in die zweite Runde eingezogen. Der Bundesliga-Aufsteiger gewann die Zitterpartie beim Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden mit 3:2 im Elfmeterschießen. FC-Torwart Timo Horn wurde mit drei gehaltenen Elfmetern zum Held des Abends.

Die Gastgeber, mit zwei knappen Niederlagen in die Zweitliga-Saison gestartet, waren häufig einen Schritt schneller und leisteten sich in der Offensive deutlich weniger Fehlpässe als der Favorit. Trotzdem blieb der neue Trainer Achim Beierlorzer positiv, mit aufbauenden Gesten sprach er seinen schwachen Schützlingen Mut zu - und das zahlte sich aus.

Der 51-Jährige, im Sommer mit viel Vorschusslorbeeren vom Zweitligisten Jahn Regensburg in die Domstadt gekommen, berief in Kingsley Schindler, Kingsley Ehizibue sowie Birger Verstraete drei Neuzugänge in die Startelf. Das Trio deutete in einigen Szenen an, sich in den kommenden Monaten tatsächlich auch als Verstärkung zu entpuppen.

DFB-Pokal, 1. Runde: Die Ergebnisse vom Sonntag

Heim-TeamAuswärts-TeamErgebnisTorschützen

FSV Salmrohr

Holstein Kiel0:6

0:1 Baku (39.), 0:2 Lee (54.), 0:3 Atanga (63.), 0:4, 0:5 Baku (65., 77.), 0:6 Porath (88.)

Waldhof Mannheim

Eintracht Frankfurt3:51:0, 2:0 Sulejmani (3., 11.), 2:1 Kamada (21.), 2:2 Kostic (45.+1), 3:2 Marx (73.), 3:3, 3:4, 3:5 Rebic (76., 82., 89.)

VfB Lübeck

FC St. Pauli5:6 n.E.1:0 Deichmann (9.), 2:0 Thiel (55.), 2:1 Sobota (63.), 2:2 Diamantakos (66.), 2:3 Knoll (94.), 3:3 Arslan

VfL Osnabrück

RB Leipzig2:30:1 Sabitzer (7.), 1:1 Amenyido (9.), 1:2 Klostermann (29.), 1.3 Sabitzer (31.), 2:3 Alvarez (74., Handelfmeter)

1. FC Saarbrücken

Jahn Regensburg3:21:0 Jurcher (53.), 1:1 Besuschkow (64., Elfmeter), 1:2 Grüttner (74.), 2:2 Zeitz (76.), 3:2 Jurcher (90.+3)

FC Oberneuland

SV Darmstadt 981:60:1 Schnellhardt (32.), 0:2 Mehlem (38.), 0:3 Dursun (43.), 1:3 Jobe (48.), 1:4 Dursun (56.), 1:5 Dursun (75.), 1:6 Skarke (89.)

Germania Halberstadt

1. FC Union Berlin0:60:1 Schlotterbeck (27.), 0:2 Andersson (65.), 0:3 Lenz (67.), 0:4 Mees (71.), 0:5 Andrich (76.), 0:6 Ujah (89.)

VfB Eichstätt

Hertha BSC1:50:1 Darida (11.), 0:2, 0:3 Ibisevic (12., 31.), 1:3 Kügel (52.), 1:4 Kalou (62.), 1:5 Esswein (75.)

SV Rödinghausen

SC Paderborn 076:7 n.E.0:1 Hünemeier (29.), 0:2 Antwi-Adjei (43.), 1:2 Engelmann (53.), 1:3 Mamba (73.), 2:3, 3:3 Lokotsch (80., 85.)

MSV Duisburg

Greuther Fürth

2:01:0 Daschner (4.), 2:0 Albutat (14.)

Chemnitzer FC

Hamburger SV

7:8 n.E.1:0 Bozic (57., Elfmeter), 1:1 Hinterseer (62.), 2:1 Langer (68.), 2:2 Kittel (75.)

SV Wehen Wiesbaden

1. FC Köln

5:6 n.E.0:1 Cordoba (39.), 0:2 Kainz (42.), 1:2 Lorch (53.), 2:2 Lorch (56.), 2:3 Schaub (107.), 3:3 Kyereh (118.)
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