Fussball

Franck Riberys Bayern-Abschied in Berlin: Das finale Au revoir eines Exzentrikers

Von Dennis Melzer
Franck Ribery bestreitet am Samstag sein letztes Spiel für den FC Bayern München.

Franck Ribery steht vor seinem letzten Bayern-Spiel. Ein finales Au revoir, das weniger emotional ablaufen dürfte als der "richtige" Abschied.

Nein, Freunde werden Franck Ribery und Louis van Gaal in diesem Leben nicht mehr. Das machte der niederländische Ex-Bayern-Trainer jüngst recht deutlich.

Ein "typischer Franzose" sei Ribery, mit dem van Gaal in München zwei Jahre lang manchmal jubelte, viel häufiger aber aneinandergeriet. Was meinte er damit, mit welchen Charaktereigenschaften warten Franzosen denn traditionell auf? Van Gaal gab im Interview mit 11Freunde die Antwort. "Etwas dickköpfig, stur und ich-bezogen."

Attitüden, die so gar nicht korrelieren mit der van Gaal'schen Dickköpfigkeit, Sturheit und Ich-Bezogenheit. Bastian Schweinsteiger, das sei einer gewesen, den man auch einmal härter hätte anpacken können. Aber Ribery? Der habe "sanftere Ansprachen gebraucht. Das hat nicht funktioniert." Nein, wenn zwei grundverschiedene Exzentriker aufeinandertreffen, droht Zerrüttung. Militärischer Drill, das Gebaren eines Kommandanten auf der einen, kindlicher Spieltrieb mit dem Hang zur Clownerie auf der anderen Seite.

Franck Ribery über Angebote: "Alle fragten an"

Bei aller Zwietracht musste sich aber selbst van Gaal eingestehen: "Ribery ist ein guter Fußballer gewesen." Ein Satz, der vermutlich zähneknirschend herausgepresst wurde, der Riberys fußballerische Fähigkeiten vor allem aber lediglich rudimentär zusammenfasst. Vor zwölf Jahren, als der FC Bayern einen - unter heutigen Gesichtspunkten - verheerenden vierten Platz in der heimischen Bundesliga belegte, schlug mit Ribery ein kostspieliger Mittzwanziger (Ablösesumme: 30 Millionen Euro) in der bayrischen Landeshauptstadt auf. Von Olympique Marseille kam er, aus einer Liga, die in Deutschland kaum Beachtung fand.

Könnte er einer sein, der den Bayern zurück zu altem Glanz verhilft? Lässt er sich vom viel zitierten, damals aber noch nicht kommerzialisierten Mia san mia infizieren? Er verinnerlichte das Münchner Zusammenhalts-Credo wie kaum ein anderer.

Während seiner Zeit beim FCB, in der er über eine Dekade Abwehrreihe um Abwehrreihe durcheinanderwirbelte, traumhafte Tore schoss, kamen sie zuhauf, die Angebote, die Lockrufe von den absoluten Schwergewichten im europäischen Elitefußball. Sieben Top-Vereine seien Riberys Angaben zufolge konkret geworden. In der Sport Bild verriet er auch, um welche Interessenten es sich handelte. "Juventus, Inter Mailand, Milan, Chelsea, Barcelona, Real Madrid und Manchester United - alle fragten an."

Bayern-Boss Uli Hoeneß adelt Franck Ribery zum Bleiben

Heißer sei der Flirt mit den Blues und den Königlichen gewesen. Letztlich aber dennoch nur Flausen, die Präsident Uli Hoeneß zu bereinigen wusste. "Barcelona hat Messi, Real hat Ronaldo und wir haben Dich", habe er Ribery gesagt. Zur Freude der Bayern-Anhänger ließ er sich bekehren, avancierte immer mehr zum Publikumsliebling.

"Ohh, Franck Ribery" in Anlehnung an das berühmte französische Lied "Aux Champs-Elysees", schallte es durch die Allianz Arena. Zuletzt erfuhr der Song im Stadion und später am Nockherberg sein Comeback, als Ribery sich das Mikrofon schnappte, um den Fans im Rahmen der Meisterfeier für ihre stetige Treue zu danken. Tatsächlich waren sie es, die ihn immer unterstützten, in Schutz nahmen, wenn er wieder einmal auf oder neben dem Platz für Negativschlagzeilen sorgte.

Nicht geahndete Tätigkeiten, Sexskandale, mit Blattgold überzogene Steaks und damit verbundene Arroganzanfälle, Handgreiflichkeiten gegen Journalisten - die Akte ist lang, der Geduldsfaden der Bayern-Anhänger in Riberys Fall ist länger. Länger als im Umgang mit Francks kongenialem Kollegen Arjen Robben, der wegen deutlich kleinerer "Verfehlungen" zwischenzeitlich von einigen ausgepfiffen wurde.

Beide gehen sie im Sommer, beide gehen sie als Legenden. Ribery, der polarisierende Spaßvogel, Robben, der überehrgeizige Musterprofi. Das, was Erstgenannter seinem niederländischen Kumpel und allen anderen Spielern, die jemals für die Bayern aufliefen, allerdings voraushat: Er hält mittlerweile den vereinsinternen Rekord für die meisten gewonnen Deutschen Meisterschalen, neun an der Zahl.

Die Spieler mit den meisten gewonnen Meisterschalen

SpielerMannschaft(en)Titel
Franck RiberyFC Bayern München9
Thomas MüllerFC Bayern München8
Arjen RobbenFC Bayern München8
David AlabaFC Bayern München8
Philipp LahmFC Bayern München8
Bastian SchweinsteigerFC Bayern München8
Oliver KahnFC Bayern München8
Mehmet SchollFC Bayern München8

Riberys emotionalster Abschied fand in München statt

Den großen, emotionalen Abschied gab es bereits in der vergangenen Woche in München. Choreografie in der Südkurve, Blumen- und Bildübergabe vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt, Freuden- und Fortgangs-Tränen. Bei den Zuschauern, bei Ribery, selbst bei Hoeneß - und dann auch noch ein Abschiedstor, das das Ganze in einen gleichermaßen schönen und kitschigen Film verwandelte.

Was könnte da in Berlin also noch folgen, wenn Ribery mit den Bayern im Finale des DFB-Pokals auf RB Leipzig (20 Uhr im LIVETICKER) trifft? Klar, ein letzter möglicher Titelgewinn. Aber darf er bei seinem endgültigen Au revoir auch eine Hauptrolle auf dem Feld einnehmen? Geht es nach Stefan Effenberg, würde der Routinier ein letztes Mal in der Startelf stehen. Der Ex-Profi ist sich allerdings der Unwahrscheinlichkeit bewusst. "Ich befürchte leider, dass das ein Traum bleiben wird", schrieb Effenberg in seiner Kolumne für t-online.

Je nach Spielverlauf scheint höchstens abermals ein Kurzeinsatz für Ribery vorgesehen zu sein. Das dürfte für ihn, der immer wieder haderte, meckerte, Trikots schmiss, sobald er nicht (mehr) mitwirken durfte, diesmal ein kleineres Problem darstellen. Rühmlicher als am vergangenen Samstag kann es ohnehin kaum ablaufen. Vielleicht zeigt der sture, ich-bezogene Dickkopf bei seinem großen Bayern-Finale aber doch noch einmal, dass er - um im van-Gaal-Jargon zu bleiben - immer noch "ein guter Fußballer" ist. Das wäre tatsächlich typisch.

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