FC Bayern nach 6:2 gegen Bayer Leverkusen im Pokalfinale: Ferngläser reichen nicht mehr

Mittwoch, 18.04.2018 | 08:10 Uhr
Der FC Bayern München feierte in Leverkusen den Einzug ins DFB-Pokalfinale.
© getty
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Der FC Bayern München hat mit einem überraschend deutlichen Sieg bei Bayer Leverkusen das DFB-Pokalfinale erreicht. Aufgrund der starken Leverkusener Leistung fiel das Ergebnis zwar um ein paar Tore zu hoch aus. Dass die Anzeigetafel letztlich jedoch ein 6:2 zeigt, ist eine üble Nachricht für die nationale Konkurrenz.

Uli Hoeneß hat viele legendäre Zitate geprägt. "Der Weihnachtsmann ist kein Osterhase", "Für eure scheiß Stimmung seid ihr doch verantwortlich" oder die Aussicht für Lothar Matthäus, "nicht einmal Greenkeeper im neuen Stadion" zu werden. Sätze, die ohne langes Nachdenken mit dem Präsidenten des FC Bayern assoziiert werden können.

Ein Ausspruch von vor knapp elf Jahren ist seitdem immer wieder in verschiedenen Variationen durchs Dorf getrieben worden: "Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn uns die anderen in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen", verlangte Hoeneß im Mai 2007 nach der schlechtesten Bayern-Saison der letzten 20 Jahre. Der einzigen Saison, in der die Münchner in diesem Zeitraum die Champions League verpassten.

Das Fernglas ist seitdem ein geflügeltes Wort im deutschen Fußball. Selten hat es so gepasst wie in diesen Tagen.

FC Bayern: Bayer Leverkusen eine schwierige Halbfinal-Aufgabe

Die Bayern sind in der Bundesliga wieder einmal vorzeitig Meister, haben vier Spieltage vor Schluss 20 Punkte Vorsprung auf den "ärgsten" Verfolger Schalke 04. Dass die Münchner über eine lange Ligasaison kaum zu stoppen sind, zeigt sich allerdings bereits seit Jahren. Der sechste Titel in Folge steht für sich.

Doch der Pokal schreibt ja seine eigenen Gesetze. Die Bayern gewannen diesen schließlich bei den letzten drei Auflagen "nur" einmal. Um am Dienstag stand der Bundesliga-Dominator mit einem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen vor einer schwierigen Aufgabe.

Immerhin hatte die Werkself den Rekordmeister in der Liga zweimal richtig gefordert und zuletzt zu ihrer Form gefunden. Zu einer Form, die innerhalb weniger Tage zwei überzeugende 4:1-Siege gegen die direkte Konkurrenz aus Leipzig und Frankfurt ermöglichte.

Heynckes und Rummenigge sprechen von "Demonstration"

Pustekuchen. Nach dem Pokalhalbfinale war ein Wort allgegenwärtig: Demonstration. So bezeichnete Trainer Jupp Heynckes das, was er zuvor in 90 Minuten von seiner Mannschaft gesehen hatte. Genau dieses Wort wählte auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Denn als die Münchner Spieler vor dem Gästeblock standen und sich von den Fans mit "Super-Bayern"-Gesängen feiern ließen, zeigte die Anzeigetafel einen 6:2-Erfolg für den FC Bayern an. In einem Pokalhalbfinale gegen die form- und spielstarken Leverkusener.

"Wir wussten, dass Bayer 04 in den letzten beiden Spielen acht Tore geschossen und exzellenten Fußball gespielt hat. Deswegen mussten wir heute schon eine überragende Leistung bringen, um ins Endspiel zu kommen", sagte Heynckes später auf der Pressekonferenz. Als wäre es nichts, hatte seine Mannschaft zuvor - zumindest in der zweiten Halbzeit - eine solche Leistung aus dem Ärmel geschüttelt.

FC Bayern ist der nationalen Konkurrenz enteilt

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die Bayern der nationalen Konkurrenz in diesem Jahr noch deutlicher enteilt sind als in den ohnehin schon dominanten Vorjahren, gab es ihn an diesem Abend in der BayArena.

Und das nicht einmal unbedingt aufgrund des Spiels. Denn so deutlich, wie das Ergebnis vermuten ließe, waren die Kräfteverhältnisse nicht verteilt. Leverkusen spielte vor allem in der ersten Halbzeit mutig mit, ließ sich nicht vom frühen 0:2 aus der Bahn werfen und erarbeitete sich über die schnellen Außen Karim Bellarabi und Julian Brandt gute Torchancen. Zwischenzeitlich hatte die Werkself sogar eine bessere Passquote als die Bayern. Es war ein Duell auf Augenhöhe.

Der zentrale Unterschied der beiden Teams an diesem Abend war die Effizienz. Als Leverkusen nach der Pause Risiko ging und das System auf ein 3-5-2 mit fünf reinen Offensiven umstellte, boten sich Räume, die die Bayern eiskalt ausnutzten. Während die Hausherren ein ums andere Mal am bärenstarken Sven Ulreich scheiterten, spielten die Gäste zwischen der 52. und der 64. Minute nahezu jeden Angriff konsequent bis zum Torerfolg zu Ende. Ergo stand es nicht einmal 20 Minuten nach dem Seitenwechsel 5:1 für die Bayern, das Spiel war entschieden.

FC Bayern schoss kürzlich den BVB 6:0 ab

Eigentlich sollte es eine gute Nachricht sein, dass Leverkusen zwischenzeitlich so gut mitspielen konnte. Dass die Münchner jedoch nur für einige Minuten die Schleusen aufmachen müssen, um eine der stärksten deutschen Mannschaften mit 6:2 abzufideln, ist ein verheerendes Zeichen an die nationale Konkurrenz. Das zweite verheerende Zeichen innerhalb von drei Wochen, denn erst kürzlich wurde der BVB Opfer einer 6:0-Klatsche.

"Insgesamt war das ein Top-Spiel und Werbung für den deutschen Fußball, was beide Teams nach vorne geboten haben", sagte Thomas Müller später in der Mixed Zone der BayArena: "Natürlich machen auch wir Fehler, sonst würde ja nichts passieren. Wir werden dahingehend in die Analyse gehen, aber wir sind natürlich durch das Ergebnis nicht in unserer Euphorie gebremst worden, sondern der Hunger ist jetzt noch größer."

Der Hunger hat den Rekordmeister nun ins erste Finale der Saison geführt. Nach einem Jahr Abstinenz kickt der FC Bayern in Berlin wieder um den Pokal. Müller schwelgte in Erinnerungen an die Triplesaison vor fünf Jahren. Damals fand das Pokalfinale erst nach dem Champions-League-Finale statt: "Wir haben dort mit Jupp den letzten Titel in Berlin geholt. Was Schöneres gab es fast nicht. Berlin ist etwas ganz Besonderes. Wir sind stolz, dass wir das wieder geschafft haben."

Ulreich stellte die schwierige Auslosung der Bayern in dieser Saison in den Vordergrund: "Wenn man den Verlauf sieht, wen wir auf dem Weg ins Finale schon alles hatten, dann hätten wir es schon verdient, den Pokal zu gewinnen."

Tatsächlich standen mit RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen die Teams auf dem Programm, die in der Bundesliga aktuell die Plätze drei bis fünf belegen. Mit dem FC Schalke 04 oder Eintracht Frankfurt kommt im Finale ebenfalls ein (voraussichtlicher) Europapokalteilnehmer auf die Platte.

FC Bayern München: Der Weg ins Pokalfinale

RundeHeim/AuswärtsGegnerErgebnis
1. RundeAChemnitzer FC5:0
2. RundeARB Leipzig6:5 n.E.
AchtelfinaleHBorussia Dortmund2:1
ViertelfinaleASC Paderborn 076:0
HalbfinaleABayer 04 Leverkusen6:2
FinaleNFC Schalke 04 / Eintracht Frankfurt?

Müller: "Heynckes hat uns die Gier eingetrichert"

Doch es scheint, als könne all das den Bayern in dieser Saison nichts anhaben. Sie sind der nationalen Konkurrenz entwachsen. Die viel zitierten Ferngläser reichen zumindest in diesem Jahr unter Jupp Heynckes nicht einmal mehr, um den Branchenprimus vom Standpunkt der restlichen Bundesligisten zu sehen.

"Jupp Heynckes hat es geschafft, dieser Mannschaft die Gier nach Erfolg einzutrichtern", schwärmte Müller von seinem Erfolgstrainer.

Dieser erklärte auf der Pressekonferenz das Erfolgsrezept: "Das Geheimnis ist, dass wir tagtäglich sehr hart an uns arbeiten. Alle Elemente, die man in so einem Spiel sieht, sind auf dem Trainingsplatz erarbeitet. Zudem ordnet sich jeder unter. Im Moment haben wir nur Teamplayer und keine Ich-AGs."

Rummenigge optimistisch gegen Real Madrid

Karl-Heinz Rummenigge hatte die Zurückhaltung bezüglich des Triples bereits am Samstag fallen lassen. Am Dienstag äußerte er sich nun erneut zuversichtlich, dass Leverkusen nur ein Vorbote für die große Aufgabe in der Champions League gegen Real Madrid gewesen sei: "Es ist eine tolle Mannschaft, die es sich verdient hat, nach Berlin zu fahren und jetzt werden wir nächsten Mittwoch versuchen, noch weiterzugehen. Wir ziehen jetzt voll durch und die Mannschaft hat offenbar die Qualität, das am Ende des Tages auch zu schaffen."

Gegen Real Madrid sollten die Räume nicht so groß sein, wie sie gegen Leverkusen zeitweise waren. Denn die Effizienz von Cristiano Ronaldo und Co. ist eine andere. Darauf wiesen unter anderem Arjen Robben und Thomas Müller hin.

Doch Rummenigge verließ die Arena nicht, ohne noch eine markige Kampfansage zu hinterlassen: "Wenn jemand Real Madrid schlagen kann, dann wir."

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