Fussball

Einen Schritt zurück

Donnerstag, 29.10.2015 | 15:37 Uhr
Kaan Ayhan kam in der vergangenen Saison 15 Mal in der Bundesliga zum Einsatz
© getty

Kaan Ayhan und Pierre-Emile Höjbjerg kommen beim FC Schalke 04 nicht wie erhofft zum Zug. Dabei sind die beiden Hochbegabten mit großen Erwartungen in die neue Saison gegangen. Derzeit haben andere die Nase vorne, doch die nächsten Wochen könnten für beide entscheidend sein.

"Ich habe noch nie woanders gespielt. Der Klub ist meine Heimat und ich fühle mich hier sehr wohl. Solange es für Schalke und mich so weiterläuft, spricht nichts dagegen", sagte Kaan Ayhan im SPOX-Interview Anfang des Jahres angesprochen auf seine Karriereplanung.

Möglich, dass der 20-Jährige inzwischen anders antworten würde. Kam Ayhan in der vergangenen Saison unter Roberto Di Matteo immerhin auf 19 Pflichtspiele und insgesamt 1182 Einsatzminuten, so verbuchte er unter dem neuem Trainer Andre Breitenreiter ganze 106 Minuten, absolviert lediglich in der Europa League. 45 Minuten gegen Asteras Tripolis und 61 Minuten gegen Sparta Prag. In der Liga wurde er in der Nachspielzeit am 4. Spieltag beim 2:1-Sieg über den FSV Mainz 05 eingewechselt.

Die Saisonstatistik von Ayhan

Viel zu wenig für Ayhan, wenn man bedenkt, dass der eigentliche Innenverteidiger in der Vergangenheit bereits zur erweiterten Stammformation zählte. Doch derzeit setzt Breitenreiter auf andere Spieler. Nach den Verletzungen von Matija Nastasic und Benedikt Höwedes wurde Mittelfeldspieler Roman Neustädter zum zentralen Abwehrmann umgeschult und bildete zu Saisonbeginn mit Joel Matip das Innenverteidiger-Duo.

Und Ayhan? Der pendelte in der Zwischenzeit zwischen Bank und Tribüne. Kapitän Höwedes ist nun zurück und hat Ayhans Chancen auf Einsätze im Abwehrzentrum nicht zwingend verbessert. Breitenreiter sieht den Türken sowieso eher als Sechser. Doch auch dort ist die Konkurrenz bei Schalke groß. Johannes Geis kam für zehn Millionen aus Mainz und hat sich sofort einen Stammplatz erkämpft, Leon Goretzka ist endlich seit längerer Zeit wieder verletzungsfrei, überzeugte in der Vorbereitung und spielte sich im Team fest.

Geteiltes Leid = Halbes Leid?

Auch zum Leidwesen von Pierre-Emile Höjbjerg, der sich von seiner abermaligen Ausleihe vom FC Bayern mit Sicherheit mehr erwartet hatte. Beim FC Augsburg spielte er vergangene Runde eine ordentliche Saison, war dort meist Stammspieler. In München aber sah man ihn noch nicht reif genug für die Anforderungen des Rekordmeisters - also ließ sich der Däne wieder ausleihen.

Dieses Mal zum ambitionierten FC Schalke, obwohl die halbe Bundesliga hinter dem 20-Jährigen her war. Höjbjerg entschied sich für Königsblau, auch mit dem Hintergrund auf internationaler Ebene Erfahrungen sammeln zu können. "Dies ist eine für beide beziehungsweise alle drei Seiten sehr gute Lösung", erklärte FC Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer damals. "Wir setzen nach wie vor sehr große Hoffnungen auf Pierre-Emile Hojbjerg und sehen seine Zukunft in München. Um sich aber weiterzuentwickeln, benötigt er Spielpraxis, die er nun auf Schalke bekommen soll."

Auf den ersten Blick also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Doch bisher hat noch keine der drei Seiten etwas davon. Der Däne kommt wettberwerbsübergreifend auf zehn Einsätze und absolvierte dabei 400 Minuten - nicht gerade das, was sich Höjbjerg und wohl auch der FC Bayern erhofft hatten.

Breitenreiter setzt auf andere

Es scheint, als hätten Ayhan und Höjbjerg nicht gerade das beste Standing unter Breitenreiter. Als es gegen Sparta Prag in der vergangenen Woche nicht lief, wurden die beiden Youngster trotz einer ordentlichen Leistung nach 60 Minuten ausgewechselt. Breitenreiter vertraute in der heiklen Phase seinem vertrauten Personal und wechselte Geis ein und zog den an diesem Tag schwachen Goretzka vom rechten Mittelfeld auf die Doppelsechs.

Der Platzverweis von Geis gegen Gladbach und die daraus folgende Fünf-Spiele-Sperre könnte nun die Chance für Ayhan oder Höjbjerg werden und zumindest einen der beiden Unzufriedenen wieder etwas mehr in die Spur bringen. Ayhans Vorteil wäre, dass er ähnlich gefährliche Standards schießen kann, wie der Ex-Mainzer und diesen in der Hinsicht zumindest eins zu eins ersetzen könnte.

Ein weitere Ausfall spielt beiden in die Karten. Durch die schwere Knieverletzung von Marco Höger ist es ums Schalker Zentrum zumindest quantitativ derzeit nicht mehr allzu gut bestellt.

Der Opta-Spielervergleich zwischen Geis und Höjbjerg

"Wir werden in den kommenden Wochen Optionen suchen müssen", sagte Breitenreiter über dieses Thema. Zuletzt wurde darüber spekuliert, ob der Coach Matip ins Mittelfeldzentrum ziehen könnte, doch das sei "kein Thema", wie Breitenreiter vor dem Pokalspiel am Mittwoch gegen Gladbach (0:2) verriet.

Höger fällt mindestens bis Frühjahr aus, Geis noch für vier Bundesligapartien. Zeit genug also für Ayhan oder Höjbjerg, sich ins Rampenlicht zu spielen. Wobei man festhalten muss, dass beide ihre Leistung brachten, wenn sie denn gefordert waren. Allerdings sind beide kein Geis-Ersatz im engeren Sinne. Von daher muss abgewartet werden, wie der Ausfall des Quarterbacks im Schalker Spiel aufgefangen werden soll. Am ehesten wäre Höjbjerg die strategische Rolle von Geis zuzutrauen.

Nichtgewollte Flexibiltät

Der Vorteil der beiden ist, dass sie flexibel sind. Doch auch auf den defensiven Außenbahnen, wo sie in ihrer Karriere schon eingesetzt wurde, hat S04 keinen Bedarf. Insofern bleibt momentan nur das zentrale Mittelfeld als Option - dort wo sich beide auch zu Hause fühlen. Im Sommer klopfte der AC Florenz bei Horst Heldt wegen Ayhan an, doch der Youngster wollte auf Schalke bleiben. Womöglich ein Fehler, der im Winter behoben werden könnte, wenn der Transfermarkt wieder öffnet.

"Kaan hat eine gute Entwicklung genommen, seine Sache in vielen Augenblicken gut gemacht und zeigt sich auch im Training sehr engagiert. Von daher hat er sich auch die Einsätze in den letzten Spielen verdient gehabt", sagte Breitenreiter. Allerdings konnte man in dieser Aussage auch zwischen den Zeilen heraushören, dass Ayhan derzeit von den personellen Probleme der Königsblauen profitiert. Man darf gespannt sein, wie die Situation aussieht, wenn zur Rückrunde die meisten Rekonvaleszenten wieder zur Verfügung stehen.

Bei allen Spekulationen und Eventualitäten darf man natürlich auch nicht vergessen, dass sowohl Ayhan als auch Höjbjerg mit 20 Jahren noch sehr jung sind. Doch ist die Lage für beide derzeit unbefriedigend, da sie ihren Konkurrenten im Kader hinterherhinken. Die nächsten Wochen bieten die Chance, einen Schritt nach vorne zu machen.

Der FC Schalke im Überblick

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