Pokalfinale: Wer ist die Nummer zwei?

Giftpfeile als Belohnung

Samstag, 30.05.2015 | 11:24 Uhr
Wer schnappt sich den DFB-Pokal? Reus mit Dortmund oder De Bruyne mit Wolfsburg?
© spox
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Im DFB-Pokalfinale treffen mit Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg (20 Uhr im LIVE-TICKER) die zwei Mannschaften aufeinander, die dem FC Bayern München in den letzten Jahren die Meisterschale abgeknöpft haben. Auch in den kommenden Jahren sind beide Teams die heißesten Kandidaten auf die Nummer zwei in Deutschland.

Die Auszeichnung kam in einem beißenden Ton daher. Nachdem Klaus Allofs im Zuge der Debatte um eine mögliche Wettbewerbsverzerrung die Professionalität der Münchner in Frage gestellt hatte, fühlte sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern Karl-Heinz Rummenigge dazu gezwungen, ein paar Dinge in Sachen finanzieller Chancengleichheit und Allofs persönlicher Vergangenheit klarzustellen.

Erstens solle sich Allofs an seine Zeit als Sportdirektor von Werder Bremen erinnern, als seine Mannschaft nach der Meisterschaft 2004 zwei heftige Pleiten kassierte. Zweitens wisse jeder in Deutschland, "wie sich Wolfsburg die Spieler Gustavo, De Bruyne und Schürrle leisten konnte".

Wolfsburgs Macher durften sich geadelt fühlen. In der Bundesliga kommt es einem Ritterschlag gleich, wenn die Verantwortlichen des FC Bayern die Verbalkeule auspacken und den angegriffenen Klub damit zum ernsthaften Konkurrenten erheben.

Wolfsburg wie Dortmund 2012

In dieser Rolle war den Münchnern im Laufe dieser Saison der Lieblingsfeind der vergangenen Jahre abhandengekommen. Borussia Dortmund durchlebte insbesondere in der Vorrunde eine herbe Krise und konnte dem FC Bayern den dritten Meistertitel in Folge nicht streitig machen.

Ein wirklich enges Meisterschaftsrennen konnte auch der VfL Wolfsburg nicht bieten, aber immerhin eine Demonstration eigener Stärke im direkten Duell zum Rückrundenauftakt. Das 1:4 in der Volkswagen-Arena ging nicht spurlos am FC Bayern vorbei und befeuerte einmal mehr die Diskussion über die Konteranfälligkeit der Münchner.

Es war ein Spiel, das durchaus Parallelen zum 2:5 der Münchner im DFB-Pokalfinale 2012 gegen den BVB aufwies. Viel Ballbesitz, passables Offensivspiel, aber erhebliche Schwächen im Umschaltspiel nach Ballverlust. Nur der Gegner trug grüne statt gelbe Trikots.

Wer ist die Nummer 2?

Wenn der VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund nun am Samstag im Berliner Olympiastadion das Endspiel um den DFB-Pokal austragen, geht es im Subtext auch um den inoffiziellen Titel der Nummer zwei in Deutschland.

Zumindest werden beide Klubs in den kommenden Jahren als einzige ernsthafte Rivalen der Münchner gesehen. Und immerhin sind Wolfsburg und Dortmund die Klubs, die dem FC Bayern in den letzten sechs Jahren die Meisterschale abknöpfen konnten (Wolfsburg 2009, Dortmund 2011 und 2012).

Da ist zum einen der VfL, die hundertprozentige Tochter des VW-Konzerns, die unter dem Duo Allofs und Dieter Hecking eine sportlich vielversprechende Basis gelegt hat und auch wirtschaftlich mehr als gut aufgestellt ist. Und da ist zum anderen Borussia Dortmund, das in der Ära Jürgen Klopp sportlich wie wirtschaftlich den Sprung zurück an die Spitze geschafft hat, mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel aber vor einem Umbruch steht.

Das Klima wird milder

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat sich zum Aufschwung der Wölfe in den vergangen Monaten immer wieder kritisch geäußert und dabei gerne das Stereotyp Tradition vs. Retorte bedient. Auch Klopp griff in diese Schublade, als er nach dem Finaleinzug von einem gelben Stadion schwadronierte, "wenn VW nicht dem ganzen Werk freigibt an diesem Tag".

Allofs und Hecking konterten deutlich, aber nicht übertrieben giftig. Das Führungsduo ist darauf bedacht, das negative Werksklub-Image abzuarbeiten und auf eine sportlich-seriöse Basis zu stellen.

Insgesamt ist das Klima milder geworden, auch Watzke hat seinen harten Kurs eingestellt. "Das Gefährliche am VfL ist, dass der Klub zwar schon immer viel Geld hatte, es jetzt aber auch noch sinnvoll ausgibt, weil in Dieter Hecking und Klaus Allofs gute Leute in der Verantwortung stehen", sagte der BVB-Boss kürzlich der Sport-Bild.

Drei Transfers pro Wolfsburg

Während Allofs Wolfsburg finanziell in einer Liga mit dem BVB wähnt, liegt der VfL laut Watzke deutlich vor der Borussia. "Aber von der Strahlkraft her sind wir vorne, das müssen wir auch nicht kleinreden!" Es bleibt die Frage, ob diese Komponente in den entscheidenden Momenten wirklich mehr zählt.

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Als der BVB Kevin De Bruyne vom FC Chelsea als Nachfolger von Mario Götze verpflichten wollte, lehnten die Blues ab. Ein halbes Jahr später wechselte der Belgier nach Wolfsburg. Als das BVB-Interesse an Andre Schürrle kolportiert wurde, schreckte die Ablösesumme ab, Wolfsburg griff zu. Als Max Kruse aufgrund einer Ausstiegsklausel auf dem Markt war, fragte der BVB an, Wolfsburg bekam den Zuschlag.

Drei Transfers, die zeigen, dass beide Vereine mittlerweile im gleichen Revier fischen und sich wohl auch dauerhaft auf dem Transfermarkt über den Weg laufen werden - immer auf der Suche nach der Mischung aus klangvollen Namen und entwicklungsfähigen Spielern.

Angriff auf den FC Bayern

Dabei geht es auch um Kreativität beim Lückenfüllen. Wolfsburg wird ähnlich wie der BVB Abgänge seiner Leistungsträger nicht verhindern können - zu offen kokettiert beispielsweise De Bruyne schon mit seinem Abschied. Und dass sich die Bayern gerne mit Spitzenspielern aus der Bundesliga verstärken, ist auch kein neues Modell.

Watzke vermutet zwar, dass die Verbindung beider Klubs durch Dr. Martin Winterkorn (VW-Vorstandschef und Aufsichtsratsmitglied FC Bayern) die Transferaktivitäten zumindest einschränken oder beeinflussen wird. Aber nicht zuletzt der Austausch von Giftpfeilen zwischen Allofs und Rummenigge zeigt, dass die Freundschaft auch Grenzen kennt.

Noch bewegen sich beide Teams auch nicht auf Augenhöhe mit den Münchnern. "Doch das muss nicht ewig der Fall sein", sagte Allofs im SPOX-Interview. "Das nächste Ziel kann noch nicht sein, zu den Bayern aufzuschließen. Dafür müssten nicht nur wir sehr viel richtig, sondern auch Bayern sehr viel falsch machen. Stattdessen wollen wir den Abstand sukzessive verringern."

Mittelfristig will sich der VfL unter den besten Vier etablieren. Langfristig verfolgen Wolfsburg und Dortmund aber das gleiche Ziel: den Angriff auf den FC Bayern. Dass die Münchner das Finale in Berlin verpassten, "ist für den deutschen Fußball gut", sagt Allofs.

Die wahre Nummer zwei: Leverkusen

Ob Dortmund oder Wolfsburg aktuell die Nummer zwei im Lande ist, wird auch im Finale nicht endgültig geklärt werden können. Die direkten Duelle liefern zwar Hinweise, aber über den Status entscheiden die Bilanzen mehrerer Jahre. Und hier liegt der BVB noch vor dem VfL, da sind sich auch Watzke und Allofs einig.

Ohnehin ist der Stempel "Nummer zwei" für die Vereine nicht von allzu großer Bedeutung. Viel lieber würden beide die Nummer eins sein und die Meisterschaft gewinnen. Geht das nicht, ist die Champions-League-Qualifikation das oberste Ziel. Und dafür reichen bekanntlich die Ränge zwei, drei und vier.

Wie wenig man sich für die Nummer zwei kaufen kann, zeigt ein Blick auf die Spielzeiten der letzten drei Jahre. Seitdem die Bayern ihren Gegenschlag auf die beiden Meisterschaften der Borussia exerzieren, haben weder Dortmund noch Wolfsburg die meisten Punkte nach den Münchnern geholt, sondern: Bayer Leverkusen.

Dortmund - Wolfsburg: Die Bilanz

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