Raus aus der Schwerfälligkeit

Mittwoch, 29.04.2015 | 15:00 Uhr
Kevin de Bruyne (r.) soll für das Pokal-Halbfinale in Bielefeld fitgespritzt werden
© getty
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Der VfL Wolfsburg geht vor dem Pokal-Halbfinale bei Arminia Bielefeld (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) körperlich und geistig auf dem Zahnfleisch. Das Unwort "Krise" machte die Runde, dabei sind bestimmte Nebenwirkungen nicht zu verhindern.

Patrick de Koster ist ein recht mitteilungsbedürftiger Mensch. Der Berater von Kevin De Bruyne lässt kaum eine Gelegenheit aus, seinen berühmten und begehrten Klienten medienwirksam Europas Topvereinen feilzubieten.

Jüngstes Beispiel von de Kosters Streifzug durch die Redaktionen ist ein Interview im französischen Fernsehen. Dem Sender TF1 sagte er, dass Paris Saint-Germain selbstverständlich ein geeigneter Verein für De Bruyne wäre.

"PSG hat den Glanz und die Möglichkeiten. Das ist ein Klub mit Ambitionen. Daher ist das sicherlich einer der Klubs, die Kevin gefallen würden. Wenn Cavani oder Ibrahimovic die Pässe bekommen, die Kevin spielen kann, würde das der Offensive ein Plus geben - ein großes Plus", so de Koster.

Allofs bleibt entspannt

De Bruynes Arbeitgeber VfL Wolfsburg bleiben die Flirtversuche des Agenten mit den Schönen und Reichen der Branche nicht verborgen, wirklich beschäftigen will sich beim VfL aber niemand damit.

"Das sind inzwischen normale Vorgänge in diesem Geschäft. Wir bleiben ganz entspannt. Kevin hat bei uns Vertrag bis 2019", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs.

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De Bruyne selbst hält sich bezüglich seiner Zukunft bedeckt. Der Belgier hat derzeit auch ganz andere Sorgen. Seit mehreren Tagen kann er seiner täglichen Arbeit wegen einer schmerzhaften Fuß-Entzündung nur eingeschränkt nachgehen.

Schwerfällig und müde

Die intensive Saison hat bei den Wolfsburger Spielern Spuren hinterlassen. Bis letzten Donnerstag tanzte der VfL auf drei Hochzeiten, ehe der SSC Neapel die Europareise der Wölfe beendete. Neben 30 Bundesligaspielen absolvierte die Mannschaft von Trainer Hecking zwölf Europa-League- und vier DFB-Pokalspiele.

Nach der 0:1-Niederlage in Mönchengladbach, der ersten Pleite überhaupt im Anschluss an ein EL-Spiel in dieser Saison, sprach Ricardo Rodriguez das Dilemma offen aus. "Wir waren schwerfällig, überhaupt nicht frisch. So geht's nicht und so werden wir auch kein Spiel mehr gewinnen", sagte der Schweizer.

Allofs bemängelte fehlenden Rhythmus und Tempoverschleppung und Hecking ordnete die Niederlage in die Kategorie "absolut verdient" ein. Wolfsburg gelang kein Schuss auf das Gladbacher Tor, das ist dem VfL zuletzt vor 112 Bundesligaspielen wiederfahren.

Kopf und Beine nicht im Einklang

Der Vorsprung auf die Verfolger in der Bundesliga schmilzt peu a peu, Wolfsburg muss sich bei nur noch vier bzw. sechs Punkten Vorsprung auf Mönchengladbach und Leverkusen im Endspurt strecken, um die direkte Qualifikation für die Champions League zu schaffen.

Das Unwort "Krise" macht in Wolfsburg die Runde, dabei wurden die letzten Spiele gegen Neapel, Schalke und Gladbach von Umständen begleitet, die im Laufe einer langen Saison, in der Wolfsburg überwiegend auf hohem Niveau spielte, nicht zu verhindern sind.

Körperliche und geistige Frische sind in den letzten Wochen etwas auf der Strecke geblieben; die Mannschaft wirkt überspielt. "Manchmal hat der Kopf etwas anderes vor als die Beine", sagte Torhüter Diego Benaglio.

Hinzu kommt, dass nicht jeder Neuzugang so eingeschlagen hat wie erhofft. Andre Schürrle erlebte einige Spiele seiner ersten Halbserie in Wolfsburg von der Bank aus und bei Niklas Bendtner hat sich der VfL offensichtlich vergriffen.

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Klare sportliche Weiterentwicklung

Die Schwächephase auf der Zielgeraden ändert aber nichts an der Tatsache, dass der VfL auf dem richtigen Weg ist. Wolfsburg hat viele Reifeprüfungen in dieser Saison bestanden, die sportliche Weiterentwicklung ist klar erkennbar. "Wir lassen uns die Saison sicher nicht von ein paar schlechteren Spielen kaputtreden", sagte Daniel Caligiuri.

Das DFB-Pokal-Halbfinale in Bielefeld soll als Plattform für den Turnaround dienen. "Wir sollten nicht so viel über Punkte, die wir aus den restlichen vier Spielen noch brauchen, reden", sagte Hecking. "Für uns kann das ein guter Abend werden, im positiven Fall wird uns das einen Schub für den Rest der Saison geben."

Zum dritten Mal in Folge und zum siebten Mal insgesamt steht Wolfsburg im Pokal-Halbfinale, nur einmal (beim ersten Mal 1995) gelang der Sprung nach Berlin.

Spritzen für De Bruyne

"Ich habe schon drei Halbfinals mit Wolfsburg verloren, zwei gegen Bayern und eins gegen Dortmund. Jetzt ist es an der Zeit, einen Schritt weiterzugehen", fordert Benaglio.

Damit das gelingt, wurde Kevin De Bruyne nahezu rund um die Uhr behandelt. Notfalls will sich Wolfsburgs wichtigster Mann in der Offensive fitspritzen lassen. "Wenn ich nur so schmerzfrei spielen kann, mache ich das. Schlechter kann es damit nicht werden", so der 24-Jährige.

Ein gesunder De Bruyne würde der Wolfsburger Offensive ein Plus geben - ein großes Plus.

Der VfL Wolfsburg im Datencenter

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