Fussball

Dominanz mit Herz und Interims-Boss

Xabi Alonso (l.) kommt in dieser Saison auf eine Passquote von knapp 90 Prozent
© getty

Bayern-Trainer Pep Guardiola schraubt seine Ansprüche vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale in Leverkusen (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) nach unten, fordert von seinen Spielern aber gleichzeitig eine Rückkehr zur Dominanz. Das Reagieren in Dortmund sei so nie geplant gewesen. Helfen soll dabei der Chef auf Zeit im Zentrum.

Am Ende wurde Pep Guardiola doch noch zu Thiago befragt. Dabei ging es weniger um den Fitnesszustand des Spaniers, sondern eher um seine Notwendigkeit für den FC Bayern in den anstehenden aufregenden Wochen.

Eine berechtigte Frage, schließlich fehlt den Münchnern neben David Alaba, Arjen Robben und Franck Ribery auch Bastian Schweinsteiger wegen Problemen am Sprunggelenk. Eigentlich keine große Sache, voraussichtlich kann der Weltmeister kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt wieder mitwirken.

In Leverkusen wird Schweinsteiger aber definitiv fehlen und mit ihm ein weiterer wichtiger Spieler für Balance und Handschrift der Bayern im Zentrum.

"Habe Thiago sehr vermisst"

Bei der Frage nach Thiago kam Guardiola ins Schwärmen. Das ist nichts Ungewöhnliches, der Trainer neigt gerne mal zur leichten Übertreibung, wenn er sein Personal beschreiben soll.

"Ich habe Thiago die letzten zwölf Monate sehr vermisst. Seine große Stärke ist seine Persönlichkeit. Wenn keiner den Ball haben will - er will ihn haben. Wir hatten Spiele, die sehr hektisch waren wie unser Spiel in Dortmund in der letzten Saison. Dann kam Thiago und es wurde auf einmal total ruhig", sagte Guardiola.

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Thiago werde immer spielen, wenn er fit ist, fügte Guardiola noch an. Er soll das Bayern-Spiel lenken, den Rhythmus bestimmen, die Gegner mit seinen oft unvorhersehbaren chirurgisch genauen Pässen ins Mark treffen. Ohne Schweinsteiger und neben einem sich ebenfalls langsam wieder herantasteten Philipp Lahm ist Thiago noch wichtiger.

Alonso im Fokus

Doch er wird noch einige Zeit benötigen, um wieder der Spieler zu werden, der er vor den schweren Verletzungen war. Ein Startelfeinsatz in Leverkusen ist ausgeschlossen, auch das Frankfurt-Spiel kommt dafür zu früh. Vielleicht wird es Porto, vielleicht aber auch noch später.

Umso mehr steht Xabi Alonso im DFB-Pokal im Fokus. Thiagos Landsmann ist der einzige körperlich unversehrte zentrale Mittelfeldspieler der Münchner, der die nötige Ballsicherheit, Zweikampfhärte und Spielintelligenz besitzt, um dem Bayern-Spiel defensiv wie offensiv Stabilität zu verleihen. Alonso ist zumindest für dieses eine Spiel der Boss.

Alonsos Qualitäten sind unzweifelhaft. Doch er hatte auch das eine oder andere schwächere Spiele im Bayern-Trikot. Wenn der Gegner früh presst, die Räume im Mittelfeld mit schnellen Spielern zuläuft, wenn die Bayern also durch ein starkes Spiel gegen den Ball genervt werden und die Zeit für Alonso, die richtigen Entscheidungen zu treffen, knapp wird, dann bekommt er Probleme.

Kein Defensivplan gegen Dortmund

Leverkusen hat mit seiner Spielweise das Zeug, die Bayern und Alonso nachhaltig zu belästigen. "Bellarabi, Castro und Calhanoglu sind schnelle, sehr gefährliche Spieler. Die Mannschaft hat viel Qualität, sie kommt mit schnellen Pässen in die Tiefe. Da müssen wir gut aufpassen", sagte Guardiola.

Das Spiel seiner Mannschaft orientiere sich immer auch an den Stärken des Gegners, versicherte Guardiola, eine so inaktive Spielweise wie in der zweiten Halbzeit in Dortmund habe er jedoch nie veranlasst.

"Ich habe den Spielern in der Pause gesagt, dass sie das zweite Tor schießen sollen. Es war nicht mein Plan, nur zu verteidigen. Das wird in meiner ganzen Trainerkarriere nicht passieren. Aber manchmal gibt der Gegner einem nicht die Möglichkeit, den Plan umzusetzen. Wir sind gut, aber wir spielen nicht alleine. Der Gegner ist auch manchmal da", sagte Guardiola.

Rückkehr zur Dominanz

Leverkusen war in den letzten Wochen omnipräsent. Fünf Liga-Spiele hat Bayer in Folge gewonnen, ohne dabei ein Gegentor zu kassieren und in der Champions League fehlten nur ein paar Zentimeter zum Viertelfinaleinzug.

Der momentanen Stärke des Gegners und der eigenen Personalsorgen zum Trotz will Guardiola keine Abkehr von seiner Spielidee. Die zweite Halbzeit von Dortmund soll eine Ausnahme bleiben.

"Wir müssen wieder probieren zu dominieren. Wir brauchen mehr Ballbesitz in der Hälfte des Gegners. Wir müssen den Ball so weit wie möglich weghalten von unserem Tor. Wir hätten gegen Dortmund nicht gewonnen, wenn Manuel Neuer nicht den Freistoß von Reus so überragend gehalten hätte. Solche Situationen müssen wir gegen Leverkusen verhindern", fordert Guardiola.

Die Mannschaft hat Herz

Der Trainer würde liebend gerne wieder zum Finale nach Berlin. Aber Gewinnen steht beim erfolgsbesessenen Trainer derzeit nicht an erster Stelle.

"Wir haben in dieser Saison 1000 Millionen Probleme und haben in der Bundesliga trotzdem zehn Punkte Vorsprung. Und wir sind noch dabei in DFB-Pokal und Champions League. Egal, was in dieser Saison noch passiert: Für mich haben wir schon gewonnen, weil wir eine Mannschaft sind mit viel Herz. Und das ist genug für mich", sagte Guardiola.

Bemerkenswerte Worte, die gesunkene Ansprüche suggerieren. Ein Aus im DFB-Pokal wäre aber auch für Guardiola kaum zu ertragen.

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