"Wir brauchen keinen Feuerwehrmann"

Von Daniel Reimann
Dienstag, 24.09.2013 | 08:47 Uhr
Benjamin Lauth ist 2008 von Hannover zu 1860 München zurückgekehrt
© getty
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Vom Nationalspieler und Meister zum Zweitliga-Goalgetter: Benjamin Lauth ist die große Konstante beim TSV 1860 München. Im Interview spricht er über die Vorzüge von Friedhelm Funkel, den Druck von Investor Hasan Ismaik und die Mammutaufgabe Borussia Dortmund.

SPOX: Herr Lauth, der neue Trainer Friedhelm Funkel ist noch nicht lange im Amt. Hat er sich in München schon eingelebt?

Benjamin Lauth: Das wird noch eine Weile dauern, er ist ja noch nicht lange hier. Dabei ist es sicher von Vorteil, dass er schon ähnliche Vereine wie 1860 trainiert hat, wo es ebenfalls turbulent zugehen kann. Er ist das gewohnt und kann damit gut umgehen. Das ist hier sehr wichtig.

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SPOX: Funkel wird häufig als Feuerwehrmann charakterisiert. Hilft ihm diese Eigenschaft dabei?

Lauth: Wir brauchen keinen Feuerwehrmann. Wir stehen ja nicht am Tabellenende. Dafür, dass wir zuletzt nicht gut gespielt haben, ist unsere Ausgangsposition ordentlich. Aber der Verein wollte etwas Neues, es hat unter Alexander Schmidt einfach nicht gepasst. Wir hatten ein paar sehr schlechte Spiele gemacht und es gab verschiedene Dinge, die nicht mehr gestimmt haben. Funkel ist hier, weil er weiß, wie man aufsteigt.

SPOX: Im ersten Spiel unter Funkel in Aalen wirkte es, als spielten sie befreit auf. Stimmt das?

Lauth: Natürlich. Friedhelm Funkel hat vor dem Spiel mit mir gesprochen und erklärt, was er von mir erwartet: Ich bin dafür da, vorne meine Aktionen zu haben und im Idealfall Spiele zu entscheiden. Deshalb muss man auch mal Kraft sparen und nicht jeden Weg mitgehen. Es braucht ein gewisses Gespür, um diese Gelegenheiten zu erkennen. Gegen Aalen hat das bis auf das fehlende Tor ganz gut geklappt.

SPOX: Funkel ist für Sie mittlerweile der neunte Coach bei 1860. Müssen Trainer zu oft den Kopf hinhalten?

Lauth: Das ist ja nicht nur bei 1860 der Fall. Es ist eine Gratwanderung, denn die Mannschaft steht genauso in der Verantwortung. Aber man kann natürlich nicht so einfach alle Spieler rauswerfen. Da ist der Trainer oft das schwächste Glied in der Kette.

SPOX: Bei 1860 ist die Situation besonders: Investor Hasan Ismaik schaut genau auf die Resultate und fordert einen größeren Umbruch. Verunsichert Sie das als Spieler?

Lauth: Überhaupt nicht. Trotzdem ist Unruhe im Umfeld nie förderlich.

SPOX: Viele Fans fürchten, Ismaik könnte zu viel Macht erhalten oder bereits erhalten haben. Können Sie diese Furcht nachvollziehen?

Lauth: Natürlich verstehe ich das, aber die Fans müssen keine Angst haben. In Deutschland gibt es für Investoren durch die 50+1-Regel eine klare Beschränkung. Ich selbst finde es gut, wenn jemand wie Herr Ismaik klare Ziele hat. Er will etwas entstehen lassen und den Verein weiterbringen. Das sehe ich sehr positiv.

SPOX: Wie stand es um Ihre Ziele, als Sie 2002 Ihr Profidebüt für 1860 gefeiert haben? Wohin sollte es gehen?

Lauth: Ich hatte immer kleine Etappenziele. Das fing schon in der Jugend an: Ich wollte immer den Sprung in den nächsten Jahrgang schaffen. Dann ging es in den Juniorennationalteams weiter. Irgendwann will man Profi werden, sein erstes Tor schießen, öfter treffen, effektiver werden und ganz oben stand natürlich immer die Nationalmannschaft.

SPOX: In die Nationalelf haben Sie es auch geschafft, ein großes Turnier war aber nie drin. Trauern Sie dieser Gelegenheit manchmal nach?

Lauth: Das hatte alles seinen Grund. Ich war oft verletzt damals, habe dadurch damals den Anschluss und damit auch die EM verpasst.

SPOX: Sie haben einmal das Tor des Jahres geschossen, wurden Meister mit Stuttgart und trafen mit Hannover im Testspiel gegen Real Madrid. Was war der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Lauth: Da gab es einige Highlights. Das Debüt in der Nationalmannschaft, die Meisterschaft, Spiele in der Champions League. Davon träumt man schon als kleiner Junge und im Nachhinein macht mich das Erreichte sehr stolz.

SPOX: Das nächste Highlight steht am Dienstag im Pokal gegen Dortmund an. Wie haben Sie die Auslosung miterlebt?

Lauth: Ich habe das nicht live verfolgt, sondern später erst online gelesen. Natürlich habe ich mich sehr gefreut. Einen besseren Gegner wie Dortmund gibt es derzeit nicht. Und es ist ein Traum, mit 1860 in der ausverkauften Arena zu spielen. Das habe ich zwar schon mit Stuttgart, Hamburg und Hannover gegen Bayern erlebt, aber die Stimmung ist nichts im Vergleich zu dem, was wir am Dienstag erleben werden.

SPOX: Was macht Ihnen Hoffnung, gegen einen Champions-League-Finalisten zu bestehen?

Lauth: Ich kenne die Situation aus unserer Perspektive: Gegen unterklassige Vereine im Pokal sind wir Favorit, da gewinnen wir zu 90 Prozent. Das gleiche erwartet Dortmund gegen uns. Wenn sie so spielen wie zuletzt, wird es unglaublich schwer. Aber wir werden alles geben, wir brauchen einen super Tag.

SPOX: Sie haben Dortmund einmal nach der Auslosung als "beste Mannschaft Deutschlands" bezeichnet. Ist Ihnen der BVB lieber als ein Derby gegen Bayern?

Lauth: Ein Derby wäre für die Stadt natürlich ein Highlight gewesen. Dortmund und Bayern sind die zwei Mannschaften, die dieses Stadion voll machen. Mit einem Derby ist die Partie gegen den BVB zwar nicht vergleichbar, aber unsere Fans freuen sich trotzdem total darauf. Dortmund hat sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt, ich schaue der Truppe sehr gerne zu.

SPOX: Wird es gegen Dortmund womöglich schwerer, weil die starke emotionale Komponente eines Derbys fehlt?

Lauth: Natürlich fehlt diese besondere Derby-Rivalität. Aber man hat bei den Kartenverkäufen gesehen, was hier los ist, welche Euphorie hier herrscht. Wir werden alles daran setzen, dass die Leute Spaß haben beim Zuschauen und dass es bis zum Schluss offen ist. Und natürlich träumen wir von einer Überraschung...

SPOX: Ist denn im Falle einer Sensation ein Oktoberfest-Besuch drin?

Lauth: Es ist eine englische Woche, am Sonntag steht schon das nächste Spiel an. Aber sollten wir für eine Sensation sorgen, dann könnte ein Wiesn-Besuch am nächsten Tag schon erlaubt sein (lacht).

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