Fussball

"Mein großes Vorbild war immer Zidane"

Von Interview: Florian Regelmann
Alexandru Maxim kam in der Winterpause zum VfB Stuttgart
© getty

Alexandru Maxim wechselte Ende Januar vom rumänischen Erstligisten Pandurii Targu Jiu zum VfB Stuttgart - und schon nach wenigen Monaten ist der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler aus dem VfB-Spiel kaum mehr wegzudenken. Der rumänische Nationalspieler spricht vor dem DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern (Sa., 20 Uhr im LIVE-TICKER) im SPOX-Interview über einen ungewöhnlichen Karriereweg, Vorbilder, den Mario-Götze-Transfer und sein Standard-Geheimnis.

SPOX: Alexandru, Sie sind jetzt seit ein paar Monaten in Stuttgart. Wie haben Sie sich eingelebt?

Alexandru Maxim: Danke, wirklich sehr gut. Ich habe mich richtig schnell eingewöhnt. Ich bekomme diese Frage relativ oft gestellt und ich weiß auch, dass rumänische Spieler in der Vergangenheit auch mal Probleme hatten, sich in Deutschland zu integrieren, aber bei mir ist es wunderbar gelaufen. Darüber bin ich auch erleichtert. Ich muss aber auch sagen, dass mir alle super geholfen haben. Trainer, Spieler, das ganze Team drumherum - es fühlt sich an wie eine große Familie.

SPOX: Haben Sie vor Ihrem Wechsel mit Ciprian Marica über den VfB gesprochen?

Maxim: Wir haben nicht so viel gesprochen, aber was er mir erzählte, war durchweg positiv. Er hat mir gesagt, dass es nur von mir selbst abhängen wird, ob ich es beim VfB schaffe oder nicht. Alle werden an meiner Seite sein und mich unterstützen - dann ist es meine Aufgabe, gut zu trainieren und meine Chance zu nutzen, wenn ich sie bekomme. Ich wusste, dass der Wechsel ein großer Schritt für mich sein würde und dass ich auch schwierige Situationen zu meistern haben werde, aber bis jetzt bin ich zufrieden. Es läuft ganz gut.

SPOX: Es hilft Ihnen bestimmt, dass Sie reifer wirken als ein normaler 22-Jähriger. Das hat mit Ihrem Werdegang zu tun.

Maxim: Bestimmt auch. Als ich 13 Jahre alt war, ist meine Familie ohne mich nach Italien gegangen. Ich blieb in Rumänien, um auf die Nachwuchsakademie in Cluj zu gehen. Ich war damals sehr jung, zu jung, um eine solche Entscheidung selbst zu treffen. Meine Eltern wollten, dass ich auf mein Gefühl höre und das mache, was ich gerne mache. Es ist wichtig im Leben, dass man Dinge tut, die man liebt. Meine Eltern wollten nicht, dass ich ihnen später einmal die Schuld geben würde, weil ich unzufrieden bin, weil ich meine Ziele nicht erreicht habe. Es war eine sehr schwere Zeit für mich, so allein zu sein, weg von der Familie, aber sie hat mir sicher auch geholfen, um zu reifen. Und das hilft mir wiederum jetzt sehr viel.

SPOX: Welchen Bezug haben Sie zu Ihrer Heimat?

Maxim: Meine Geschwister und Freunde leben noch dort, aber ich habe leider wenig Zeit, um oft in die Heimat zurückzukehren. Das ist aber ein Preis, den ich gerne bezahle. Ich wusste, dass ich Risiko eingehen muss im Leben, wenn ich einmal erfolgreich sein will. Deshalb habe ich meine Entscheidungen auch so getroffen, deshalb bin ich früh aus Rumänien weggegangen. Man vermisst natürlich einige Dinge, aber wenn ich dann ab und zu für kurze Zeit zurückkehre, dann freue ich mich über die positiven Erinnerungen. Und ich freue mich über die Zeit, die ich dann in meiner Heimat verbringen kann. Ich bereue es nicht, so früh weggegangen zu sein.

SPOX: Sie sprechen es an. Sie sind schon mit 17 nach Spanien gegangen, genauer gesagt zu Espanyol Barcelona. Wie haben Sie Ihre vier Jahre in Spanien erlebt?

Maxim: Es war natürlich am Anfang schon alles neu für mich. Aber ich habe in Spanien vor allem gelernt, wie man auf ein höheres Niveau kommt. Wie es ist, in einem großen Klub zu sein und was man tun muss, um sich durchzusetzen. Viele meiner Kollegen von damals spielen jetzt in der Primera Division. Auch in Spanien war es zu Beginn nicht ganz einfach für mich, aber auch da habe ich mich relativ schnell eingelebt. Es war schade und Pech, dass mir dann eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung machte. Aufgrund der Verletzung bin ich dann erst einmal wieder nach Rumänien zurückgewechselt.

SPOX: Sie haben vier Jahre lang in Barcelona gelebt. Wie oft waren Sie im Camp Nou?

Maxim: (lacht) Oft. Ich habe in den Jahren viele Spiele dort gesehen. Das Camp Nou als Zuschauer zu erleben, war ein beeindruckendes Erlebnis. Die Atmosphäre war Wahnsinn, zumal Barca in diesen Jahren ja auch unglaublich erfolgreich gespielt hat. Ich muss aber sagen, dass die Atmosphäre hier in Stuttgart beim Pokal-Halbfinale auch einmalig war.

SPOX: Sie haben sich bestens ins Team eingefügt. Man fragt sich fast, wer jemals vor Ihnen beim VfB die Standards geschossen hat. Sind Sie selbst überrascht, wie schnell Sie sich in die Mannschaft gespielt haben?

Maxim: Ich erinnere mich noch gut an meine Vorstellung. Ein Thema war, dass man mir viel Zeit geben würde. In Rumänien lief der Ligabetrieb zu dem Zeitpunkt nicht mehr, ich konnte gar nicht auf dem Niveau sein, wie es in der Bundesliga gefordert wird. Ich wusste, dass es schwer wird, erst mal annähernd auf das Niveau meiner Mannschaftskollegen und der Liga insgesamt zu kommen. Ich habe versucht, im Training alles zu geben und so schnell meinen Rhythmus zu finden. Ich habe richtig Gas gegeben. Es hat mich dann auch positiv überrascht, wie schnell es alles geklappt hat. Die guten Kritiken haben mich gefreut, aber ich weiß, dass ich erst am Anfang meiner Karriere stehe. Ich werde jetzt schon mit anderen Augen betrachtet, die Erwartungen sind höher geworden. Ich darf auf keinen Fall nachlassen. Im Gegenteil. Ich muss noch eine Schippe drauflegen, damit ich die Erwartungen auch erfüllen kann.

SPOX: Ihre Standards sind eine Ihre großen Stärken. Wie viel Training stecken Sie da rein?

Maxim: Ich bin grundsätzlich im Training immer sehr konzentriert, aber um ehrlich zu sein, kommt es dann bei den Standards irgendwie alles wie von allein. Ich denke bei einem Freistoß nicht mehr groß über irgendwelche Sachen nach, es passiert einfach. Für mich ist es generell ganz wichtig, dass ich Selbstvertrauen habe. Nicht nur beim Freistoß, auch wenn ich einen Pass spiele, oder wenn ich ins Dribbling gehe. Ich brauche das Selbstvertrauen, ich muss daran glauben, dass es klappt, dann klappen die Sachen auch meistens ganz gut.

SPOX: Wer war Ihr Vorbild, als Sie aufgewachsen sind? In Rumänien bieten sich ja einige große Spieler an, Hagi, Mutu...

Maxim: Wie bei jedem kleinen rumänischen Jungen war Gheorghe Hagi ein Idol für mich. Das geht bei uns gar nicht anders. Mein ganz großes Vorbild ist aber schon immer Zinedine Zidane gewesen, ihm eifere ich nach.

SPOX: Nun ist es so, dass Sie ganz gute Chancen haben, in der WM-Quali-Gruppe hinter den Niederlanden auf Rang 2 abzuschließen. Der Traum von der WM 2014 in Brasilien lebt also.

Maxim: Allein der Gedanke an die WM sorgt für ein Kribbeln bei mir. Zur Nationalmannschaft seines Landes zu gehören, ist das Größte, was einem passieren kann. Sein Land, seine Farben zu verteidigen und zu repräsentieren, zu sehen, welche Emotionen da freigesetzt werden in einem Land - das ist etwas ganz Besonderes. Ich bin sehr stolz, ein Teil der Nationalmannschaft zu sein. Sie haben Recht, wir haben es selbst in der Hand, mit zwei Heimsiegen den 2. Platz klarzumachen. Ich bin optimistisch, dass wir das auch schaffen.

SPOX: Mit dem VfB haben Sie in dieser Saison noch ein großes Highlight: das Pokalfinale. Wenn man so sieht, wie die Bayern in dieser Saison spielen, wie soll der VfB das Finale gewinnen?

Maxim: Kaum jemand setzt auf uns. Aber in einem Finale kann vieles passieren. Da zählt dann nicht mehr der Name der Mannschaft, da zählen nicht die Namen, die auf den Trikots stehen. Wir werden uns zerreißen und ich hoffe, dass wir über uns hinauswachsen können. Viel hängt auch vom Spielverlauf ab und ob du das Quäntchen Glück auf deiner Seite hast.

SPOX: Die Bayern haben letztens mit dem Mario-Götze-Wechsel für Furore gesorgt, Götze spielt auf Ihrer Position. Im Vergleich zu ihm waren Sie ein echtes Schnäppchen?

Maxim: Das stimmt. Aber man muss ja klar sehen, dass Götze in letzter Zeit sicherlich der beste junge Spieler in ganz Europa gewesen ist. Das hat er in vielen Bundesliga- und Champions-League-Spielen unter Beweis gestellt. Ich bin wie gesagt noch am Anfang und versuche, irgendwann auch mal in diese Sphären zu kommen.

SPOX: Abschließend muss die Frage nach Ihren Deutsch-Kenntnissen kommen. Wann können wir das Interview auf Deutsch führen?

Maxim: (lacht) Ein wenig Zeit müssen Sie mir noch geben. Ich weiß, dass die Sprache ein sehr wichtiger Faktor ist. Es würde mir vieles erleichtern, wenn ich Deutsch sprechen könnte. Im Moment spreche ich mit den Jungs Englisch oder Spanisch, ein bisschen Deutsch verstehe ich aber schon. Ich werde weiter daran arbeiten, bis jetzt stand erst mal im Vordergrund, dass ich gut trainiere und spiele. Mich freut es einfach, dass ich hier so gut aufgenommen worden bin. Ich sage das nicht nur so dahin, damit es sich gut anhört, der Zusammenhalt in der Truppe ist wirklich toll. Wir haben sehr gute Spieler hier, was in einem so großen und berühmten Klub wie dem VfB eigentlich auch normal ist, aber es sind vor allem gute Typen.

Alexandru Maxim im Steckbrief

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