Eine persönliche Angelegenheit

Von Fatih Demireli
Dienstag, 16.04.2013 | 12:14 Uhr
Jupp Heynckes will nach Saisonende über seine Zukunft informieren
© getty
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Jupp Heynckes reagiert immer noch gereizt, wenn das Thema Josep Guardiola aufkommt und lenkt den Fokus auf sich. Das Triple hat für den Trainer des FC Bayern große Bedeutung gewonnen, auch wenn er jetzt schon als Sieger zählen darf.

Irgendwann vor Weihnachten, so genau weiß man das nicht, waren sich der FC Bayern München und Josep Guardiola einig. "Soll ich jetzt unterschreiben?", fragte Guardiola Uli Hoeneß nach einem langen abschließenden Gespräch in New York.

Deutlich nach Weihnachten, genau genommen am 16. Januar 2013, musste der FC Bayern - entgegen der ursprünglichen Planung - die Verpflichtung von Guardiola offiziell bekannt geben, weil die Medien besser informiert waren, als es den Beteiligten lieb war.

Noch am gleichen Abend telefonierte Karl-Heinz Rummenigge mit dem künftigen Cheftrainer. Lagebesprechung. "Wie geht es Jupp?", fragte Guardiola auf Deutsch. Es war seine erste Frage. Würde sie Pep heute wieder stellen, wüsste Rummenigge wohl nicht so genau, was er sagen sollte.

Heynckes und die Sache mit Guardiola

Es ist müßig zu erwähnen, wie ausgeprägt Jupp Heynckes' Respekt vor Guardiola ist. Der Bayern-Trainer soll den Spanier selbst als seinen Nachfolger empfohlen haben. Als "sympathischen Kollegen" bezeichnet er ihn, der "große Erfolge" mit Barcelona gefeiert habe und "sehr wahrscheinlich" auch mit dem FC Bayern große Erfolge feiern werde.

Heynckes ist bekennender Fan des spanischen Fußballs, studierte den neuzeitlichen Fußball des FC Barcelona, dessen Schöpfer Guardiola war, bis ins Detail. "Ich habe Barcelona öfter gesehen als Bayern München, bevor ich hierher gekommen bin", sagt er. Nicht selten verwies er in der Vergangenheit auf die Katalanen, wenn er ein Paradebeispiel benötigte.

Dass er nun jüngst Johann Cruyff als Initiator des heutigen Barca-Fußballs proklamierte, war nicht zu überhören. Auch wenn die These keineswegs falsch ist, gibt doch der Kontext der Aussage einen eindeutigen Beiklang.

Heynckes ist ein eitler Typ. Der FC Bayern machte bei der Guardiola-Verkündung einen großen Fehler, als die Münchener gleichzeitig auch Heynckes' Karriereende bekanntgaben. "Das stimmt nicht. Das gebe ich selbst bekannt", sagte der 67-Jährige damals schroff. Seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war.

"Respektieren Sie mich!"

Das Wort "Guardiola" steht seither auf dem Index. Auch wenn es Heynckes nicht zugeben mag, stören ihn die Fragen mit Pep-Bezug. Dass ein Reporter es wagte, Heynckes zu fragen, ob er sich die Expertise eines Josep Guardiola einholt, bevor man im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona spielt, glich für den Bayern-Trainer einer Majestätsbeleidigung.

"Respektieren Sie mich und meine Arbeit. Ich habe noch nie jemanden konsultiert, um mir Rat zu holen. Ich brauche niemanden, um einen anderen Gegner zu studieren", sagte er mit versteinerter Miene.

Ob es sinnvoll ist, wie Jürgen Klopp den Allerwertetesten darauf zu verwerten, sei mal dahingestellt: Aber dass der FC Bayern vor der vorerst wichtigsten Aufgabe des Jahres einen Insider, der ab Juli unter Vertrag steht und sich jetzt schon akribisch auf den FC Bayern vorbereitet, zu Rate zieht, ist nicht abwegig. Vielmehr wäre es wohl sogar fahrlässig, nicht zumindest den Versuch zu starten.

Die Selbst-Demonstration

"Man würde Pep Guardiola keinen Gefallen damit tun", kanzelt Heynckes die Idee ab. Und unterstreicht, dass er einst gegen den FC Barcelona schon gewonnen habe. Damals als Trainer von Athletic Bilbao. Das war vor mehr als zehn Jahren.

Es war eine erneute Demonstration des Bayern-Trainers, eine Demonstration seiner selbst. Heynckes ist vielleicht nicht gekränkt wegen seines bevorstehenden Abschieds, den er auch gerne auf das Jahr danach verschoben hätte, aber spurlos geht er an ihm nicht vorbei.

Als Vorstandschef Rummenigge Heynckes im März ohne böse Absicht einen Beiratsposten beim FC Bayern anbot, gab dieser sich empört und lehnte medienwirksam ab. Wieder hatten die Bayern-Bosse, so Heynckes' Ansicht, den öffentlichen und nicht den persönlichen Weg genommen.

Inzwischen ist man beim FC Bayern deutlich vorsichtiger geworden, niemand mag öffentlich über Guardiola sprechen, mit Ausnahme von Markenbotschafter Paul Breitner, der zuletzt in brasilianischen Medien Vorfreude auf eine erfolgreiche Zukunft mit Pep zum Ausdruck brachte.

Vielmehr ist der Tenor: Lob für Heynckes. Eine simple Nachfrage, ob gegen Barcelona Mario Gomez oder Claudio Pizarro den gesperrten Mario Mandzukic ersetzen werde, nutzte Rummenigge nach dem Nürnberg-Spiel als Chance für ein Loblied für den Cheftrainer: Heynckes habe in dieser Saison "immer die richtige Entscheidung" getroffen und werde wieder das "richtige Fingerspitzengefühl" zeigen.

Heynckes' Situation komfortabel

Heynckes könnte in rund anderthalb Monaten mit einem Triple von der großen Bühne abtreten. Ein Szenario, das für ihn längst zur persönlichen Angelegenheit geworden zu sein scheint. Heynckes will es allen noch einmal zeigen, den Respekt einholen, den er zuletzt vermisst hat.

Dass er aus der Geschichte mit dem angekündigten Trainerwechsel inzwischen auch als Sieger hervorgeht, kommt dabei fast zu kurz.

Zum einen ist er in der komfortablen Situation, auf dem Trainermarkt äußert gefragt zu sein und sich, so er denn nicht aufhört, das beste Angebot herauspicken zu können. Zum anderen zeigte er nach der winterlichen Irritation eine bemerkenswerte Reaktion, die ihn über jegliche Zweifel erhaben macht.

Fokussierter, akribischer

Die Akribie und Fokussierung, die er seit Saisonbeginn an den Tag legt, verschärfte er nach dem 16. Januar 2013 noch einmal. Und das ohne Rücksicht auf Verluste. "Der Trainer behandelt alle gleich", sagt Torhüter Manuel Neuer. Bezeugen können es Arjen Robben, aber vor allem Mario Gomez.

Bevor er sich wieder in die Stammelf spielte, musste sich Robben geraume Zeit in Geduld üben. Gomez wartet weiter und muss inzwischen sogar Claudio Pizarro als ernst zu nehmenden Gegner fürchten.

Ob Heynckes den Eitelkeiten seiner sensiblen Offensivkräfte genauso konsequent begegnet wäre, wenn er über die Saison hinaus Bayern-Trainer bleiben würde, darf zur Diskussion gestellt werden. Überspitzt formuliert: Heynckes ist es egal, was in der nächsten Saison ist. Wichtig ist das Hier und Jetzt und damit fährt er eine äußerst erfolgreiche Schiene.

"Mit Glanz und Gloria", wie es Karl-Heinz Rummenigge im "Kicker" ausdrückt, soll Heynckes den FC Bayern verlassen. Mit erhobenem Haupt und weiter als Freund des Klubs. Spätestens dann ist auch Guardiolas Frage nach Heynckes' Befinden wieder leichter zu beantworten.

Heynckes' verbleibende Spiele beim FC Bayern

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