Ausgemacht: die Schalker Schwachstelle

Von Für SPOX in Berlin: Haruka Gruber
Samstag, 21.05.2011 | 14:30 Uhr
Lange Gesichter bei Schalke nach sechs Pflichtspielniederlagen in Folge
© Getty
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Selten gab es im Finale um den DFB-Pokal einen derart klaren Favoriten wie diesmal. Dennoch sind die Aussichten des MSV Duisburg gegen den FC Schalke nicht so düster. Denn: Schalke hat eine Achillesferse - und der MSV einige Trümpfe.

Ralf Rangnick war kein Quell überbordender Emotionen, als er auf das DFB-Pokal-Finale gegen den MSV Duisburg (19.30 Uhr im LIVE-TICKER) angesprochen wurde: "Wir sind überzeugt davon, mit einer normalen Leistung das Spiel zu gewinnen."

Während beim Trainer des FC Schalke 04 die Emotionslosigkeit regierte, vermischte sein Duisburger Gegenüber Fatalismus mit etwas Galgenhumor: "Ich weiß selber nicht, wer am Samstag einsatzbereit sein wird, aber wir werden elf Spieler aufbieten können", sagte Milan Sasic angesichts der zahlreichen Ausfälle.

Mit Kapitän Srdjan Baljak, Entdeckung Julian Koch, dem vielseitigen Jürgen Säumel und dem gesperrten Bruno Soares fehlen definitiv vier Spieler, die in der Startelf hätten stehen können.

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Außerdem gehen mit Stoßstürmer Stefan Maierhofer, Anführer Ivica Grlic und Rechtsverteidiger Benjamin Kern drei weitere Leistungsträger lädiert in das ungleiche Endspiel zwischen dem Zweitliga-Mitläufer und dem Champions-League-Halbfinalisten.

Doch sind die Aussichten des MSV tatsächlich so düster wie es augenblicklich erscheint? Drei Faktoren geben zumindest Anlass zu vorsichtiger Zuversicht.

1. Sefa und die Schalker Problemseite

Sechs Pflichtspielniederlagen in Serie brachten Schalke ins Grübeln, was sich denn seit den Festtagen gegen Inter geändert haben könnte. Mangelt es der Mannschaft an Charakterfestigkeit? Oder setzten sich die Spieler zu sehr unter Druck, wie Benedikt Höwedes vermutet?

Neben aller Tiefenpsychologie gibt es jedoch auch eine ganz banale Erklärung: Schalkes linke Seite spielt schlecht.

Nach zwei miserablen Leistungen fehlt Rangnick das Vertrauen in Linksverteidiger Hans Sarpei. Sein Nachfolger Sergio Escudero weiß aber auch nur gelegentlich mit Vorstößen zu gefallen und lässt sich defensiv allzu oft düpieren.

Vor ihm steht Jose Manuel Jurado, dem jedoch wie Alternative Alexander Baumjohann die Form abhanden kam und der angesichts fehlender Spezialisten ohnehin nur notdürftig auf Außen aushilft.

Entsprechend gelegen kommt es den Duisburgern, dass sie über eine rechte Seite verfügen, die mit Offensivstärke und Dynamik besticht. Der wahrscheinlich rechtzeitig einsatzbereite Rechtsverteidiger Kern erwies sich als guter Vertreter von Koch und gab in dieser Saison fünf Assists.

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Rechtsaußen Sefa Yilmaz wiederum neigt zu unerklärlichen Formschwankungen, aber neun Scorer-Punkte und sehenswerte Dribblings deuteten im Saisonverlauf an, warum der DFB und der türkische Verband um die Gunst des 21-Jährigen balgen.

Eine taktische Möglichkeit: Yilmaz und sein linker Gegenpart Olcay Sahan (14 Scorer-Punkte) wechseln immer wieder die Seiten. Yilmaz: "Die Schalker haben in der Defensive immer mal wieder gepatzt. Darauf hoffen wir auch diesmal."

2. Ivica Grlic und die Frage nach dem Fußball-IQ

Die Schlacht um das Zentrum: Schalke bietet vermutlich Peer Kluge und Kyriakos Papadopoulos in der Doppel-Sechs auf, Duisburg hingegen bevorzugt wohl drei Mittelfeldspieler - womit der MSV numerisch, aber auch taktisch einen Vorteil haben dürfte.

Denn Grlic, Ivica Banovic und Gotan Sukalo kommen zwar zusammen nicht an die Athletik eines Padaopoulos heran, dafür bringen sie einen höheren Fußball-IQ und internationale Erfahrung mit ihren Nationalmannschaften mit.

Außerdem sind sie erstaunlich effizient: Grlic gelangen acht Scorer-Punkte, obwohl er nur 13 Mal in der Anfangself stand, Sukalo erzielte trotz defensiver Grundausrichtung 8 Saisontore. Und auch die Bilanz eines Filip Trojan, der Grlic im Falle eines Ausfalls ersetzen würde, liest sich ordentlich: 19 Starteinsätze, 9 Scorer-Punkte.

Vorschau: Nur Schalke hat etwas zu verlieren

3. Stefan Maierhofer und die Lufthochheit

In Extremsituationen können im Körper eines Menschen Adrenalin und dadurch bedingt Kräfte freigesetzt werden, die nicht für möglich gehalten wurden. Auf diesen Effekt hofft auch Maierhofer, der nach seinem Mittelfußbruch zumindest eine Resthoffnung hegt, von Beginn an aufzulaufen.

"Mehr Adrenalin, als in diesem Spiel dabei zu sein, kann es gar nicht geben", sagte der österreichische Nationalspieler. Eine überraschende Rückkehr wäre umso wichtiger, da auf keiner Position der qualitative Unterschied zwischen dem Stammspieler und den Backups derart gravierend ist wie im Sturm.

Manuel Schäffler verzeichnete in den letzten fünf Saisonspielen zwar gute vier Scorer-Punkte, aber er und Maurice Exslager bringen nicht die Qualität eines Maierhofer mit. Wenn die Standards von Grlic so platziert sind wie in der 2. Liga, dürften Höwedes oder Christoph Metzelder Schwierigkeiten mit Maierhofer sowie seinen 2,02 Metern und 100 Kilo bekommen. "Psychologisch ist es für uns von Vorteil, wenn Stefan aufläuft. Der bindet gleich zwei Schalker", sagt Sahan.

Aber Maierhofer kommt nicht nur als Sturmtank und Wandspieler eine immense Bedeutung zu: Kraft seines Charismas und seiner Willensstärke gehört er zu den Leitfiguren der Mannschaft. Der 28-Jährige sagt: "Für das Pokalfinale habe ich alle Schmerzen und Qualen auf mich genommen. Jetzt will ich auch den Pott hochhalten und beim Bankett eine Sieger-Zigarre paffen."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Duisburg: Yelldell - Kern, Reiche, Bajic, Veigneau - Banovic, Grlic (Trojan), Sukalo - Yilmaz, Sahan - Schäffler (Maierhofer)

Schalke: Neuer - Uchida, Höwedes, Metzelder, Escudero - Papadopoulos, Kluge - Farfan, Jurado - Raul, Huntelaar

Der Weg ins DFB-Pokal-Finale

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