Rendezvous in Dubai

Von Für SPOX in Berlin: Florian Bogner
Freitag, 14.05.2010 | 19:32 Uhr
Thomas Schaaf trainiert die Bremer seit 1999
© Getty
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Werder Bremen will einen gelungenen Saison-Endspurt vergolden, der FC Bayern jagt das Triple: Die Stimmung ist vor dem Jubiläums-Pokalfinale in Berlin (Sa., 19.45 Uhr im LIVE-TICKER) in beiden Lagern gelöst, weil der ganz große Druck bereits weg ist. Für Werder-Coach Thomas Schaaf könnte es dennoch ein Meilenstein werden.

Thomas Schaaf wusste irgendwie nicht so recht, wie ihm geschieht. Beim offiziellen Ablichten der beiden Endspiel-Trainer mit dem DFB-Pokal vor rund ein Dutzend Fotografen legte ihm Bayern-Coach Louis van Gaal kumpelhaft den Arm um die Schulter und witzelte anschließend noch ein bisschen mit den Foto-Journalisten.

Schaaf selbst stand stoisch daneben und ließ das Blitzlichtgewitter eher leidvoll über sich ergehen. Der Unterschied zwischen dem nordisch unterkühlten Schaaf und der neuen Feier-Ikone der Bayern war nie so anschaulich.

Erst als van Gaal bei der anschließenden Pressekonferenz den Ball zu Schaaf spielte, taute der Werder-Coach etwas auf. Der Holländer hatte aus dem Nähkästchen geplaudert und erzählt, dass man sich bei einem gemeinsamen Termin im Winter-Trainingslager in Dubai bereits unter der Hand auf das Pokalfinale Bremen gegen Bayern geeinigt hatte.

"Schön, wenn man so was schon im Winter ausmachen kann. Wir können das gerne die nächsten Jahre wieder so machen", antwortete Schaaf. Anschließend ergingen sich beide Trainer noch in oberflächlichen Frotzeleien über die grüne Farbe des Podiums - die Farbe haben Werder und der DFB gemeinsam, was van Gaal mit einem Augenzwinkern missfiel: "Ich dachte, ich bin in Bremen, weil hier alles grün ist. Das ist ein Vorteil für Werder."

Werder wieder im Finale - aber ganz anders

Die Stimmung ist vor dem 25. DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion also prächtig, was vor allem damit zusammen hängt, dass beide Teams bereits ihre primären Saisonziele erreicht haben. Die Bayern sind Meister, Bremen erreichte mit Platz drei die Champions-League-Qualifikation.

Für Titelverteidiger Werder ganz andere Vorzeichen als 2009, als man sich nach einer verkorksten Saison (nur Platz zehn in der Liga, Final-Niederlage im UEFA-Cup) mit dem Titelgewinn in Berlin gerade so ins internationale Geschäft rettete.

Der Weg ins Pokalendspiel war diesmal freilich ungleich leichter. Viermal in Folge trat Werder zuhause an, dreimal gegen Zweitligisten. "Im letzten Jahr haben wir das Finale nur über Auswärtsspiele erreicht, diesmal war das etwas anders. Wir sind ganz unterschiedliche Wege gegangen", sagte Klaus Allofs am Freitag.

2009 habe man vor dem Finale allerdings großen Druck verspürt, der "lähmen beziehungsweise beeinträchtigen kann", sagte der Werder-Geschäftsführer im Rückblick. Diese negative Anspannung falle vor diesem Finale nun weg - beste Voraussetzungen für ein Fußball-Fest. "Ich bin überzeugt, dass es ein tolles Spiel werden wird", so Allofs.

Achterbahnfahrt mit Happyend?

Ein Rekordspiel wird es auf jeden Fall. Auf der einen Seite strebt van Gaal nach Pokal-Triumphen in Holland und Spanien sein ganz persönliches Triple an. Auf der anderen Seite könnte Schaaf als erster Trainer überhaupt zum vierten Mal den DFB-Pokal gewinnen.

Für Schaaf wäre der fünfte Titel in elf Jahren als Werder-Trainer nicht nur die ultimative Bestätigung seiner Arbeit in Bremen, sondern auch der letzte Beweis dafür, dass er keineswegs verbraucht ist, wie Kritiker es im vergangenen Jahr bereits behaupteten.

Nach fünf Niederlagen in Folge zur Saisonmitte wurde Bremen schon aus dem Kreis der Champions-League-Anwärter gestrichen. Acht Spieltage vor Schluss krebste Bremen immer noch auf Platz sechs rum - mit elf Punkten Rückstand auf Rang drei. Doch trotz der Achterbahnfahrt ist es Bremen in der Schlussphase gelungen, aus einer gefühlt durchwachsenen Saison das Maximum rauszuholen.

Diego? Wer war das noch mal?

Ganz nebenbei spricht in Bremen niemand mehr von Diego, den Schaaf in dieser Saison durch ein variables Offensivkonzept zu ersetzen wusste. Mal agieren die Bremer in einem 4-2-3-1 mit den quirligen Özil, Marin und Hunt hinter der Spitze Pizarro, zuletzt kramte Schaaf wieder das 4-4-2 mit Raute hervor, indem Almeida den Torgaranten Pizarro in vorderster Front unterstützte.

Wie der Werder-Coach gegen Bayern aufstellt, wollt er am Freitag indes nicht verraten. "Es ist gut, dass wir die Qual der Wahl haben und noch ein bisschen überlegen können, welche Spieler wir in welchem System aufstellen", meinte der 49-Jährige nichtssagend.

Extra motivieren braucht er seine Spieler vor dem dritten Final-Duell mit den Bayern in elf Jahren indes nicht. "Wir spielen gegen die vielleicht beste Mannschaft Europas und sind ganz klar Außenseiter. Wir könnten mit einem Sieg eine tolle Saison krönen", sagte Torsten Frings im SPOX-Interview.

Frings rief zudem Erinnerungen an 1999 wach, als die Konstellation ähnlich war, Werder den Pokal aber mit nach Bremen nahm. "Damals war eigentlich nur die Frage, wie hoch wir verlieren würden. Dann haben wir für die große Überraschung gesorgt", so der 34-Jährige. Einen Titel verteidigen konnte Werder allerdings noch nie.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Werder: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Pasanen - Frings - Bargfrede, Borowski - Özil - Marin (Almeida), Pizarro

FC Bayern: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber (Contento) - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Ribery - Müller, Olic

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

Countdown: Lahm will wieder auf den Balkon

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